PFULLINGEN. Gesichter und das, was sie ausdrücken, stehen im Fokus der Arbeiten von Tanja Stein, die bis Sonntag, 10. August, unter dem Titel »Crazy Creatures« in der Klosterkirche Pfullingen zu sehen sind. Inspiriert von rituellen Masken sowie Vogelgesichtern entstanden Wesen, die den Betrachter in ihren Bann ziehen.
Tanja Stein studierte »Visuelle Kommunikation« an der Weimarer Kunsthochschule (Bauhaus-Universität) und legte 2005 ihr Diplom als beste Absolventin in der Fakultät Gestaltung ab. Seit 2007 ist die Künstlerin, Mitglied im Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Baden-Württemberg, freischaffend und in Lehraufträgen tätig. 2012 bezog sie ihr Atelier in Reutlingen-Gmindersdorf.
Auf zwei Etagen erwarten die Kunstfreunde 38 Werke aus den zurückliegenden Jahren. »Home sweet Home« zeigt einen mit Ölpastell gezeichneten Brillenkauz, der aus einem kleinen Fensterladen schaut. Tanja Stein fand ihn auf dem Flohmarkt – häufig eine Fundgrube für die Künstlerin, die ihre Bilder gerne mit Objekten kombiniert. »So etwas entwickelt sich im Schaffensprozess«, erläutert sie. »Erst ganz am Schluss füge ich den Titel hinzu.« In diesem Fall erhält das wilde Waldtier durch den Blick aus dem Fenster eine menschliche Dimension, die sich auch im Bildtitel manifestiert. Wer genauer hinschaut und dem Kauz in die Augen blickt, entdeckt dort eine Art von Zurückgezogenheit, eine Zufriedenheit in den eigenen vier Wänden.
Bei »Hair in the Air« zeichnete Tanja Stein einen Philippinenadler von der Seite und fügte ihm mit einem Fellstück eine Haarsträhne hinzu. Imponiergehabe und der Begriff Playboy entstehen als Assoziation, doch das stolze Tier hat, wie seine hängenden Schnabelwinkel zeigen, seine beste Zeit offenbar schon hinter sich.
Ganz anders »Splash«. Geradezu rotzig-frech bricht ein Emu mit Badehaube durch Plakatstücke und schaut den Betrachter frontal an. Viele Monate war das Werk am franz.K zu sehen. »Rio Rosa« zeigt ein Kakaduporträt inmitten eines »Juju Hats«, einer bunten Federhaube. Die aufgeputzte Papageiendame wird vom Gelbwangenkakadu daneben angehimmelt: »Rio on fire«. Das gelbe Kunsthaar auf dem Papageienhaupt leuchtet wie eine Flamme. Oft sei der künstlerische Prozess, so Tanja Stein, mit Humor verbunden.
In einem Bildband habe sie entdeckt, dass Vögel, auf deren genaue Bezeichnungen sie großen Wert legt, ebenso einen Gesichtsausdruck wie Menschen haben können. »Nur überzeichneter, deutlicher, fast karikaturenhaft«, sagt sie. Auch Masken, die sie zeichnet und die aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, hätten sehr eindringliche Gesichtszüge. Maskenhaft wirkt die Zeichnung »Me, myself and I«, bei der ein Kopf mit Überlegenheit ausstrahlenden Zügen in einer dreifachen Sequenz auf Goldgrund erscheint. Doch vom Bild hängen Schnüre herab. Stehen sie für die Verwobenheiten und Unwägbarkeiten des Lebens, die die eitle Selbstzufriedenheit durchkreuzen können?
»Müde bin ich« zeigt eine gemalte afrikanische Maske, in deren überlangen Gesicht und halb geschlossenen Augen sich Erschöpfung ausdrücken. Kombiniert wurde sie mit einem echten Soldatenschiffchen aus Stoff. »Hierbei war meine Assoziation tatsächlich der Ukrainekrieg«, so Tanja Stein. Interpretationen möchte sie aber nicht vorgeben, sondern der individuellen Betrachtung überlassen. (GEA)
Öffnungszeiten
Die Ausstellung »Crazy Creatures« von Tanja Stein in der Klosterkirche Pfullingen ist bis zum 10. August mittwochs und samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. (gb)

