PFULLINGEN. »Auswärtigen Gästen fallen sie manchmal eher auf als den Einheimischen«, sagte Stefan Spiller. Der Stadtarchivar führte eine rund 20-köpfige Gruppe durch Pfullingen und zeigte ihnen die Kleindenkmale wie Brunnen oder Wappen an den Häusern. Heiß begehrt waren Schattenplätze, als es vom Marktplatz bis zum ehemaligen Klarissenkloster ging.
Von 2009 bis 2011 hatten rund 100 Ehrenamtliche im Kreis Reutlingen mehr als 3.000 Kleindenkmale erfasst, die 2015 in einem 200-seitigen und reich bebilderten Buch erschienen. 33 wurden in Pfullingen notiert. 2024 kam eine Datenbank im Internet dazu, mit weiteren Objekten, die man inzwischen noch gefunden hatte, und einer übersichtlichen Oberfläche. Unterteilt nach Kategorie, Ort und Umkreis lässt es sich bequem darin stöbern und Marksteine, Wegkreuze, Grabmäler, Quellfassungen oder Aushängeschilder entdecken. »Vieles fällt einem gar nicht mehr auf, wenn man hier zu Hause ist und ständig draufguckt«, sagte Spiller.
Das Württembergische Wappen als Abzählreim
Und so waren doch einige überrascht, als der Archivar am Rathaus II die gruseligen »Neidköpfe« zeigte, die vermutlich gegen den Bösen Blick angebracht wurden. Am Rathaus zu sehen ist auch das viergeteilte Wappen des Herzogtums Württemberg mit Hirschstange, den Teck´schen Rauten, der Reichssturmfahne für Esslingen und den Barben von Mömpelgard. Wie ein Teilnehmer berichtete, hatten die vier Felder früher den Kindern als Abzählreim gedient: »... Fisch - und Du bisch!«
Markant ist natürlich der Brunnen vor dem Rathaus, der zu den ältesten der Laufbrunnen in Pfullingen zählt und von denen es um 1880 ganze 13 Stück, nebst viele privaten Pumpbrunnen, gab. »Um 1887 schuf der Pfullinger Steinmetz Anton Becker eine Steinsäule mit der barock anmutenden Figur der Justitia«, erklärte Spiller. Dies geschah als Erinnerung an das Schrannengericht, das bis 1503 vor dem Rathaus unter freiem Himmel tagte. In der Neujahrsnacht 1919/20 wurde die Figur durch einen mutwilligen Handgranatenwurf zerstört und blieb lange Jahre durch eine einfache Kugel ersetzt. Erst 1954 erstellte Heinrich Pfingsten die heutige Figur mit Schwert und Waage sowie am Brunnentrog acht Bildfelder mit Sagenmotiven.
Ehrenmal der Stuttgarter Malerin Marusja Foell
Wenige Meter weiter erinnert ein Mahnmal von 2023 aus Cortenstahl an die Frauen, die Pfullingen 1945 durch ihren Widerstand gegen die sinnlose Verteidigung vor der Zerstörung retteten. Interessant ist auch das Kriegerdenkmal von 1934, das auf Betreiben des Verschönerungsvereins auf dem Marktplatz errichtet wurde. Es zeigt eine Mutter mit Kind, flankiert von Soldaten und Arbeitern mit Schaufel, gemalt von der Stuttgarter Künstlerin Marusja Foell, eine Meisterschülerin von Adolf Hölzel. »Es wurde kontrovers diskutiert«, sagte Spiller und hob eine Kritik hervor, die sich beispielsweise gegen die darstellerische Gleichstellung einer Frau und Mutter mit Soldaten richtete. Im Zuge der Stadtsanierung wurde das Mahnmal 1979 abgebaut und ist bis heute im Bauhof eingelagert.
Nach einem Blick auf die große Bronzegruppe »Disput« nördlich der Kirche, geschaffen von Hubertus von Pilgrim, ging es durch die Altstadt weiter bis zum ehemaligen Kloster. Hier konnten die Gäste einen Brunnenstock mit Trog bewundern, der auf Privatgelände steht und sonst nicht zugänglich ist. »Es ist ein verstecktes Kleinod«, betonte Spiller. Das Kleindenkmal gibt Rätsel auf, denn schriftliche Zeugnisse passen nicht zum Monument mit seinem klassizistischen Aufsatz von 1743 und dem älteren Säulenschaft. 1820 hatte man den Brunnen an die Rückseite des Waschhauses versetzt. (GEA) www.unsere-kleindenkmale.de

