PFULLINGEN. Das Ende des Provisoriums ist absehbar. Wenn's gut geht, zieht die Mannschaft des Pfullinger Polizeireviers im ersten Halbjahr 2028 um. Denn dann soll das neue Polizeirevier »Unter den Wegen 1« bezugsfertig sein. Die Vorfreude war Martina Kaplan anzumerken. Denn schon zu lange leisten, »ohne zu murren«, wie die Revierleiterin am Rande des Spatenstichs am Fuße des Ahlsbergs anmerkte, die Polizeibeamten in Räumen ihren Dienst, die letztlich noch nie dafür geeignet waren. Schon seit 2009 wird deshalb über Alternativen diskutiert.
»Was lange währt, wird endlich gut«, sagte dann auch Marcus Wandel, Leiter des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Tübingen. Seine Behörde steuert das rund elf Millionen Euro teure Projekt, das von dem Büro Wulf Architekten entworfen worden ist. Übrigens ebenso wie der Schwesterbau in Rottenburg. Ob dort die Polizei ebenso lange auf den Neubau warten musste wie in Pfullingen, war kein Thema am Montagmorgen. Wandel jedenfalls ist sich der Lage in dem bisherigen Revier bewusst: »Es ist eine riesen Leistung, dass es die Polizisten dort so lange ausgehalten haben.«
Container als Notlösung
Eng wurde es in den ehemaligen Wohn- und Büroräumen spätestens mit der Polizeireform Anfang des Jahrtausends als die Beamten der Posten aus Eningen und Lichtenstein nach Pfullingen umziehen mussten. In der Zwischenzeit leisten in der Burgstraße 60 Männer und Frauen ihren Dienst. Um die schlimmsten Missstände zu mildern, wurden 2015 Container aufgestellt. 2018 fiel dann der Beschluss, dass neu gebaut werden sollte. Zuerst war daran gedacht, dass ein privater Investor ein Gebäude erstellt und die Polizei es dann anmietet. Doch dafür fand sich kein Interessent.
Jetzt steckt das Land rund elf Millionen Euro in einen Neubau, bei dem die Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt. Auf den Sockel aus Beton wird eine Holzkonstruktion erstellt. Das Gebäude bekommt ein Gründach samt Photovoltaikanlage, auch die Fassade wird zur Stromerzeugung genutzt. Bei der Ausstattung spielt auch die zukünftige Ausrüstung der Polizei mit Elektrofahrzeugen eine Rolle, entsprechende Schnellladeeinrichtungen werden eingebaut und auch ein System, dass die Energieversorgung des Gebäudes und der Fahrzeuge sicherstellt, wenn das Stromnetz ausfällt. Beheizt werden die rund 1.000 Quadratmeter Nutzfläche mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe.
Für 62.000 Menschen verantwortlich
Eigentlich wäre mit den Worten: »Wir warten schon seit Jahren …«, alles gesagt. Polizeipräsident Udo Vogel machte dann aber doch ein paar mehr. Der Neubau habe eine große Bedeutung. Vor allem für die Pfullinger Beamten. Die Polizei spiele eine immer größere Rolle für den sozialen Frieden und vor allem auch für den Erhalt der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die ja fast zu einem Luxusprodukt werde. Dafür seien die Polizeibeamten 41-Stunden an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr im Einsatz. Dieser werde gefährlicher, sei nicht vergnügungssteuerpflichtig und fordere den ganzen Menschen. Dafür müssten die Rahmenbedingungen stimmen: Kleidung, Technik und die räumliche Unterbringung. Letztere sei für die rund sechzig Mitarbeiter, die für die Sicherheit von 62.000 Menschen verantwortlich seien, schlicht nicht mehr würdig. Deshalb kann sich Vogel gut vorstellen, »wie sich die Kollegen freuen auf den Einzug«.
Und Architekt Tobias Wulf verspricht, durch die Holzbauweise ein angenehmes Arbeitsumfeld. Der zweigeschossige Bau soll einladend, das Gebäude aus einem Guss wirken. Die filigrane Konstruktion mit vorgestellten Photovoltaikelementen verleihe dem Baukörper Offenheit und Leichtigkeit. Gerade die Fassadenphotovoltaik sei vor dem Hintergrund der Sicherheitsvorgaben eine Herausforderung gewesen. Bei allen Vorgaben gehe es aber immer auch darum, schöne Architektur zu machen.
Gutes Zeichen für Pfullingen
Fast noch beschönigend, sei das gewesen, was bisher zur Unterbringung der Polizei in der Burgstraße gesagt worden sei, brachte Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner die Ausgangslage noch einmal auf den Punkt. Er lobte die gute Arbeit der Beamten vor Ort und die Zusammenarbeit mit dem Revier. Für ihn ist der Neubau auch ein Zeichen, dass die Polizei langfristig in der Echazstadt bleibt. Er freut sich auf den Einzug in das neue Gebäude. »Mal sehen, was zuerst fertig ist«, sagte Wörner mit einem Lachen, bevor er zum Spaten griff: das Polizeirevier oder das Ratshausergänzungsgebäude. (GEA)


