LICHTENSTEIN. Die gute Nachricht zuerst: Der öffentliche Nahverkehr und die Rettungsdienste können seit Mittwochnachmittag auch im Gegenverkehr die alte Zahnradbahntrasse nutzen. Das heißt, Pendler, die mit dem ÖPNV fahren, kommen ohne große Verspätung an ihrem Ziel an. Autofahrer haben es da schon schwerer. »Maximal unglücklich« sei die Sperrung der Honauer Steige, sagt die Pressesprecherin des Landratsamts Katja Walter-Frasch. Seit Montagnacht ist der Albaufstieg der B 312 dicht, nachdem im oberen Bereich, kurz vor der dritten Kehre, Geröll und Felsbrocken die Straße blockierten und nach einer Begutachtung des Hangs weitere Gesteinsabgänge nicht ausgeschlossen werden konnten.
Maximal unglücklich ist die Sperrung, weil neben der Honauer Steige momentan auch die Holzelfinger Steige aufgrund von Fahrbahnsanierungen gesperrt ist. Ebenso dicht sind Göllesberger Steige und die Sirchinger Steige bei Bad Urach. Die Eninger Steige ist in einem Teilbereich nur halbseitig befahrbar. In der Folge gab's auch gestern dort wieder Rückstaus, ebenso in Pfullingen, das zum Nadelöhr geworden ist, nachdem die offizielle Umleitungsstrecke über die Stuhlsteige führt.
Ampel für den ÖPNV
Einige Beschwerden sind dann auch auf der Facebook-Seite des Landratsamts eingegangen. »Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Steige wieder öffnen zu können«, versicherte die Pressesprecherin. Froh ist sie jetzt, dass für den ÖPNV eine Lösung gefunden werden konnte. Ein Mitarbeiter des Landratsamts ist extra nach Köln gefahren, um Komponenten für eine Ampelregelung auf der Zahnradbahntrasse abzuholen. Diese sollte noch im Laufe des Mittwochabends installiert werden. Damit sich keine Fahrzeuge auf dem schmalen Weg treffen, regelten zunächst Mitarbeitende des Landratsamts per Funk den Busverkehr. Steht die Ampel, können die Busfahrer per Schlüssel die Strecke für den Gegenverkehr sperren. Dazu müssen sie aussteigen. In diesem Zusammenhang lobte Katja Walter-Frasch die gute Zusammenarbeit mit den Busunternehmen.
Die Umleitungsstrecke über den Radweg kann auch von Rettungsfahrzeugen genutzt werden, womit Patientinnen und Patienten auf der Alb schneller erreicht werden. Das Landratsamt weist ausdrücklich darauf hin, dass der Radweg ausschließlich von Rettungsfahrzeugen und dem öffentlichen Nahverkehr genutzt werden darf und für Radfahrer gesperrt ist. Diese müssen den Umweg über die Kalkofensteige in Kauf nehmen.
Am Mittwochnachmittag waren außerdem Geologen vor Ort, um die Situation zu bewerten. Noch liegen die Ergebnisse nicht vor. Gleichwohl hat das Landratsamt schon Kontakt zu einer Spezialfirma aufgenommen, die den Hang sichern könnte. Diese habe ihrerseits zugesichert, den Auftrag auch kurzfristig zu übernehmen, erklärte Katja Walter-Frasch. Wie groß der Bereich ist, der gesichert werden muss, kann sie aber noch nicht beziffern. Sie geht aber nach wie vor davon aus, dass die Steige »nur« bis Mitte kommender Woche geschlossen bleibt.
Weitere Sperrung schon geplant
Die Pressesprecherin bestätigte auch, dass für diesen Herbst bereits Sicherungsmaßnahmen vorgesehen waren. Das Regierungspräsidium Tübingen plant ab Anfang November bis Mitte Dezember 2025 unter Vollsperrung eine Felssicherungsmaßnahme. Diese befindet sich etwa 100 bis 200 Meter weiter südlich vom jetzt aufgetretenen Felsabgang. In diesem Bereich ist vorgesehen, die Böschung oberhalb der Bundesstraße mit Netzen mit einem Umfang von 450 Quadratmetern zu sichern. Dabei kommen Mikropfähle mit einer Gesamtlänge von 270 laufenden Metern zum Einsatz. Der Auftrag an die bauausführende Firma ist vergeben, ergänzte das Regierungspräsidium auf Nachfrage. Die Behörde geht weiter davon aus, dass die Fahrbahnsanierung in der Holzelfinger Steige bis Mitte Oktober abgeschlossen ist, wenn die Wetterverhältnisse mitspielen.
Spannend ist die Sperrung der beiden Steigen im Echaztal auch im Hinblick auf die Marbacher Hengstparade am Wochenende, zu der 10.000 Gäste erwartet werden. Deshalb sucht das Landratsamt auch nach einer Lösung für die Eninger Steige. Diese ist in einem kleinen Bereich nur halbseitig befahrbar. Der Verkehr wird an dieser Stelle von einer zeitgesteuerten Ampel geregelt. Das funktioniert im Normalfall einigermaßen, aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens in einer Richtung bilden sich aber jetzt schon teilweise lange Schlangen. »Es ist uns bewusst, dass das ein Nadelöhr ist«, räumte Katja Walter-Frasch ein und dass die normale Baustellenampel nicht so schlau ist, auf die Verkehrslage reagieren zu können. Ob dort bis Sonntag noch eine Alternative gefunden werden kann, ließ die Pressesprecherin offen. Für Marbach-Besucher gilt also wahrscheinlich dasselbe wie für die Pendler: Frühzeitig losfahren und Nerven behalten. (GEA)

