PFULLINGEN. Malerei, Druck, Fotografie, Skulptur, Lichtinstallation – der Pfullinger Künstler Michael Broszius ist vielseitig. Seine Facetten zeigt er an diesem Wochenende in seinem Atelier in Pfullingen im Industriegebiet Römerstraße 94.
Broszius wurde 1975 im Zabergäu Heilbronn geboren und studierte von 1996 bis 1999 an einer Privatschule für Kommunikationsdesign und Multimedia. Bis 2010 war er Artdirector in einer Werbeagentur in Reutlingen, bis er sich als freischaffender Künstler und Grafikdesigner mit einer eigenen Werbeagentur selbstständig machte. Broszius ist Vater einer 20-jährigen Tochter.
Der Künstler trat auch als Schriftsteller an die Öffentlichkeit. Sein erstes Buch, »Die Schranke im Kopf«, handelt von seinem Leben mit dem Tourettesyndrom. Aphorismen aus diesem Buch wie »In mir wohnt ein Zwilling. Ein eigenwilliger Zwilling« verarbeitete er mit dreidimensionalen Objekten in Schaukästen. »Besucher haben mir gesagt, dass sie diese Zweidimensionalität auch von sich selbst kennen«, berichtet Broszius.
Neue Eindrücke je nach Lichteinfall
Wer durch die Ausstellung geht, in offenen hellen Räumen, ehemaligen Büroräumen, in denen auch die Wohnung des Künstlers liegt, erlebt »Licht«. Die Gemälde im Schlafzimmer beispielsweise entstanden in Komplementärfarben und werden mit Farbwechselbeleuchtung angestrahlt. Dadurch erscheinen sie dreidimensional und zeigen je nach Lichteinfall immer wieder neue Dinge wie Sterne oder Blüten.
Das Verborgene sichtbar zu machen oder zu bemerken, ist auch Thema eines Acrylgemäldes, das eine in sich verdrehte menschliche Figur zeigt. Auf die Glasplatte darüber sind mit einem Edding Worte wie »Pandemie, Krankheit, Freude, Trauer« geschrieben. »Man soll durch alle diese äußeren Einflüsse hindurch immer noch den Menschen dahinter sehen«, erläutert der Künstler.
Auf einem Blatt entsteht aus den Zeilen »Man ist sich selbst am nächsten. Doch was, wenn man sich im Wege steht?« in Acryl und Tusche ein menschlicher Kopf. Reflexion und Selbstreflexion sind starke Themen im Werk des Künstlers. Sich selbst hat er großformatig in »Der Denker« und »Lachendes Ich« dargestellt – mehrere Facetten desselben Menschen. Kunst, so Broszius, sei oft auch situationsabhängig. »Jedes Ereignis beschäftigt einen, und das muss man ´rauslassen.«
Witzig und originell sind die Monotypien, die am PC entstanden und die beispielsweise eine Banane mit einer Erdbeeroberfläche zeigen. Broszius neuste »Erfindung« sind individuell mit Sprüchen wie »I `wisch´ you a lovely Christmas« bedruckte und mit der Nähmaschine zusammen gesteppte Büchlein, die nichts anderes enthalten als Recycling-Toilettenpapier, dass man auf diese Weise leicht in der Tasche mitnehmen kann.
Nicht alles ist jugendfrei
Kunst müsse einen gewissen Preis haben, um wertgeschätzt zu werden, so der Künstler. Doch er wolle auch, dass jeder sich Kunst leisten könne. Daher entwickelte er »Kunst to go«, Streichholzschachteln mit einem Bild darin, das von zwei winzigen Menschen betrachtet wird.
In der Werkschau von 1995 bis »letzte Woche« finden sich natürlich auch jene Werke, die Broszius im Sommer in der Akademie der Reutlinger Kreiskliniken ausstellen wollte. Als »nicht jugendfrei« wurden sie schließlich abgelehnt und dann im Werk II in Dußlingen gezeigt. Dies verschaffte den Bildern auch Publicity. Sie sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.
Die Ausstellung ist am heutigen Sonntag von 11 bis 19 Uhr zu sehen und jederzeit auf Anfrage.


