LICHTENSTEIN-HOLZELFINGEN. Die Geschichte des Fußballs in Holzelfingen beginnt im Jahr 1925 auf eine Wiese hinter dem Gasthof Rose. Wahrscheinlich haben Fabrikarbeiter den damals noch jungen Sport aus dem Tal in ihre Gemeinde gebracht. Dorthin hatte das evangelisch geprägte Holzelfingen viele Berührungspunkte und war deshalb wohl dem Fußball gegenüber aufgeschlossen, so zumindest vermutet es Benjamin Brändle. Der Vorsitzende des TSV Holzelfingen hat sich in den vergangenen Monaten ausgiebig mit den Anfängen des Fußballs in der Albgemeinde auseinandergesetzt. Die Ergebnisse seiner Recherche sind am kommenden Wochenende, wenn der Verein drei Tage lang auf dem Sportgelände Burgstein feiert, zu sehen. Den Auftakt zum Festwochenende macht der Kabarettist Uli Keuler am Freitag, 27. Juni, um 20 Uhr im Festzelt auf dem Sportgelände.
Vom Auftakt des Fußballs in Holzelfingen ist wenig bekannt. Wie in vielen anderen Gemeinden hatte bis dato das Turnen das sportliche Geschehen geprägt. Der Turnplatz auf der Reute war aber fürs Fußballspielen nicht geeignet. Deshalb kam die Wiese hinter der Rose, dem Vereinslokal des TSV, ins Gespräch. Ob die jungen Männer dort Hand anlegen mussten, um kicken zu können, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich wurde einfach eine Wiese gemäht. Klar ist aber, die Fußballer hatten schnell ein Trikot und trugen in den kommenden Jahren Freundschaftsspiele aus. Zwar hatte der TSV den Fußball schon 1928 in sein Programm aufgenommen, bis die Holzelfinger aber in einer offiziellen Liga spielten, vergingen weitere zehn Jahre. 1938 wurde erstmals eine 1. Mannschaft für die Verbandsrunde angemeldet. In der Kreisklasse belegten die Albkicker einen guten Mittelplatz.
Zu Fuß zum Spiel
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Fußballspielen schnell wieder aufgenommen. Drunten im Tal wurde gekickt. Dabei, so hat Brändle recherchiert, war's nicht so einfach eine Mannschaft aufzustellen. Zu den Auswärtsspielen musste man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der Bahn anreisen. Vor dem Heimspiel galt es, den Platz mit der Sense von Hand zu mähen. Letztlich waren die Spieler an den Sonntagen oft den ganzen Tag unterwegs. Und eigentlich mussten die jungen Männer damals auch noch in die Christenlehre.
Abteilungsleiter Emil Tröster sei's zu verdanken gewesen, dass es damals gelang, eine schlagkräftige Truppe aufzustellen, die 1947 Fußballkreismeister wurde und in die Bezirksliga aufstieg. Der sportliche Erfolg gipfelte im Antrag des Vereins, einen neuen Sportplatz in der Nähe des Burgsteins zu bauen. Dem stimmte die Gemeinde zu, obwohl der Verein die Klasse nicht halten konnte. Nach dem Bau einer Tribüne mit zwei Umkleideräumen wurde der neue Platz im Juni 1950 feierlich eingeweiht und damit die Grundlage für das heutige Sportgelände gelegt. Nur wenig später sorgten Unstimmigkeiten in der Mannschaft dafür, dass der Verein die Mannschaft vom Spielbetrieb abmelden musste.
Schlägerei angezettelt
In der Mannschaft blieb es weiter unruhig. 1953 wurde ein Team Meister in der C-Klasse, verzichtete aber auf den Aufstieg aus finanziellen Gründen und wegen fehlender Nachwuchsspieler. »Die Höhen und Tiefen der Abteilung Fußball spiegelten sich auch bei einem Turnier in Gächingen wider, wo die Holzelfinger nach Unstimmigkeiten mit dem Gegner eine Schlägerei anzettelten und zu Recht eine Geldstrafe zahlen mussten«, stellt Brändle in seiner Auflistung der Meilensteine fest.
Das Festprogramm
Los geht es am Freitag, 27. Juni, mit einem Comedyabend im Festzelt, bei dem der schwäbische Kabarettist Uli Keuler für beste Unterhaltung sorgt. Der Samstag, 28. Juni, steht von 13 Uhr an ganz im Zeichen des Fußballs. Nach den Grußworten treten Jugendmannschaften gegen befreundete Vereine an, es gibt Fußballdart, eine Schussstärkenmessanlage und eine Ausstellung mit historischen Fundstücken und Anekdoten aus der Fußballgeschichte Holzelfingens – eine spannende Zeitreise durch ein Jahrhundert Fußball. Der offizielle Festakt »100 Jahre Fußball in Holzelfingen« mit WFV und DFB beginnt um 15 Uhr. Um 16 Uhr gibt es Ehrungen, um 17 Uhr folgt das große Legendenspiel: Rund 40 ehemalige Top-Spieler aus den Münsinger Kreisligen treffen sich auf der Doppelplatz-Anlage am Burgstein zu einem besonderen Klassentreffen unter dem Motto »Kondition ist vergänglich – Klasse bleibt!«. Den musikalischen Ausklang des Tages übernimmt ab 18.15 Uhr die Band Moert mit Live-Musik. Am Sonntag, 29. Juni, beginnt der Tag mit einem Festgottesdienst (10 Uhr), gefolgt von einem schwäbischen Mittagessen mit gemischtem Braten und traditionellen Beilagen. Um 14 Uhr sorgen Hillus Herzdropfa mit schwäbischem Humor für Lachtränen. Den krönenden Abschluss der Festwoche bildet am Freitag, 4.Juli, das Holzelfinger Nachtelfmeterturnier – mit über 120 teilnehmenden Mannschaften das größte seiner Art. (eg)
Gleichwohl wurde in Holzelfingen weiter gekickt. 1960 wurde eine Fußballjugend ins Leben gerufen, 1963 eine AH-Mannschaft und 1972 verpflichtete der TSV mit Franz Wolny, der damals beim SSV Reutlingen spielte, den ersten bezahlten Trainer in der Vereinsgeschichte. Das Interesse am Fußballspielen schwand, 1988 entschieden sich die drei Lichtensteiner Vereine TSV, TV Unterhausen und der TuS Honau die Spielgemeinschaft Lichtenstein zu gründen. Die Liaison hielt bis 2002. In den folgenden Jahren verkümmerte der Jugend-Fußball zunächst. Die Gründung der Spielgemeinschaft Holzelfingen/Honau im Jahr 2014 ist eine Folge daraus. Sechs Jahre lang machte man gemeinsame Sache, dann beschlossenen die Verantwortlichen des TSV Holzelfingen wieder eigene Wege zu gehen: »Es war eine strategische Entscheidung des Vereins. Wir sind der Meinung, dass die Identifikation im Fußball mit nur einer Heimat wesentlich größer ist. Das war der Hauptgrund für die Trennung«, erklärte damals Lars Förster, Mitglied des Vorstandsgremiums, gegenüber dem GEA.
Für Brändle ist das bis heute die richtige Entscheidung. »Wir sind auf einem guten Weg«, sagt er. Und dabei spiele die Identität als Holzelfinger Verein eine große Rolle. Man spiele auf dem eigenen Platz, treffe sich im vereinseigenen Sportheim. Die Fußballabteilung mache rund ein Drittel der TSV-Mitglieder aus, trage aktiv zum Vereinsleben bei, was es einfacher mache, Helfer für Arbeitseinsätze zu finden. Gefeiert wird das Jubiläum und noch viel mehr von Freitag an auf dem Sportgelände beim Burgstein. (GEA)

