LICHTENSTEIN-HONAU. Eingefleischte Theaterliebhaber haben Aufführungen dieser Truppe seit Jahrzehnten fest in ihrem Terminkalender eingeplant. Die Honauer »Zwiebelbäuch« zeigen seit mehr als dreißig Jahren immer zu Beginn eines neuen Jahres eine witzige Komödie oder ein turbulentes Lustspiel. Einige der Darsteller halten der Theatergruppe sogar schon länger die Treue.
Bei der Vereins-Weihnachtsfeier 1977 haben Rolf Werz sowie Carmen und Thomas Epple zum ersten Mal auf einer Theaterbühne gestanden. »Das war bei der Weihnachtsfeier des TuS«, erinnert sich Carmen Epple, damals seien dort stets kleine Sketche zur Unterhaltung aufgeführt worden. »Wir sind seinerzeit mehr oder weniger dazu überredet worden«, sagt Werz zurückblickend: »S’hot ghoißa, du koscht des doch und s’hot mir sogar glei gfalla.«
»Als Schauspieler kann man einfach aus dem täglichen Trott des Berufs aussteigen«
Über die Jahre sind dann die kurzen Einlagen aber immer länger geworden, sodass der Ablauf der Feier immer mehr durcheinandergeraten sei. »Der letzte Sketch, der gespielt wurde, dauerte eine Stunde lang«, ergänzt Jürgen Eidt. Das habe den anderen Abteilungen, die ja selbst ihre Programmpunkte beitragen wollten, natürlich nicht gefallen. So haben sich die Verantwortlichen Ende der 1980er-Jahre dann dazu entschieden, einen extra Theaterabend einzurichten, der fand zum ersten Mal im Januar 1991 statt. Dann sei auch der Name »Zwiebelbäuch« für die Gruppe entstanden, der von dem uralten Spitznamen der Honauer herrührt.
Die Zuschauer waren begeistert vom Gezeigten, und nach diesem Riesenerfolg war klar, dass im darauffolgenden Jahr erneut ein Theaterstück einstudiert werden musste. Wurden die ersten Stücke noch in Schriftdeutsch gesprochen, schießen die Hobbymimen seit vielen Jahren ihre Gags im breitesten Schwäbisch, witzig, spritzig und temporeich fast im Sekundentakt auf das Publikum ab. Egal, ob die Stücke »d’Hondertjoahrfeier«, »0910 – hier spricht dr Opa«, »So ein Frisör hat’s schwör« oder »D’Madonna von Lichtenstein« hießen, das Publikum war jedes Mal rundum begeistert und belohnte Vorstellungen und vor allem die Mimen mit frenetischem Applaus.
Dass hinter diesen Erfolgen allerdings ein enormer zeitlicher Aufwand für die Protagonisten steht, ist den meisten Zuschauern gar nicht bewusst. Bereits im Oktober fangen die Proben zweimal in der Woche für die Aufführungen im folgenden Januar an. Carmen Epple und Jürgen Reiff haben schon ein paar Wochen früher mögliche Stücke durchgelesen und die Rollen auf die Mitspieler verteilt. »Die sind halt alle voll drauf, um auf der Bühne zu stehen«, frotzelt Jürgen Eidt spitzbübisch auf die Frage hin, warum sich die Mimen seit Jahrzehnten diesem Stress aussetzen. Theaterspielen sei für ihn über die Jahre fast zum Herpes-Virus geworden, schmunzelt Werz und sagt lachend: »Den kriegt man auch nicht mehr weg.«
Sie sei gefragt worden und habe sofort zugesagt, sagt Andrea Melzer. Denn das Auf-der-Bühne-Stehen stärke einen als Menschen. »Wenn du den entsprechenden Charakter spielen kannst, macht dich das im täglichen Leben ebenfalls selbstbewusster«, findet Melzer. »A bissle durchknallt muss mr scho sei«, ergänzt Jürgen Reiff, der 1994 zwar nach Laupheim verzogen ist, aber trotzdem die Strapazen der gut einstündigen Anreise auf sich nimmt: »Honau ist zum einen meine Heimat und ’s ist einfach auch die tolle Gemeinschaft mit den anderen Spielern.« Eben die gefällt auch David Epple sehr. »Wir sind fast wie eine Familie«, urteilt der junge Mime, der im Alter von zwölf Jahren erstmals mitspielte, jetzt aber auch schon seit gut 20 Jahren zur festen Besetzung gehört. Und er hebt hervor: Es mache ihm einfach Spaß.
»Wenn die Zuschauer frenetisch klatschen und sich freuen, ist das eine Riesenbelohnung für uns«
»Als Schauspieler kann man einfach mit seiner Rolle aus dem täglichen Trott des Berufs aussteigen«, betont Carmen Epple. Genau dieser Aspekt fasziniert auch Jürgen Eidt. »I bin auf der Bühne nicht mehr der Jürgen Eidt, sondern der X oder der Y.«
Das teils umfangreiche Textlernen geschehe stückweise bei den Proben. »Es ist auch eine Art Gedächtnistraining für jeden«, betonen die Darsteller übereinstimmend. »Theaterspielen ist wie ein Teamsport«, meint Reiff, weil jeder Spieler auf das Stichwort des Vorredners angewiesen sei. Zudem müsse sich jeder Akteur immer wieder seine Laufwege auf der kleinen Bühne so überlegen, dass er dabei andere nicht behindere. »Das alles geht halt nur gemeinschaftlich«, sagt er aus Erfahrung.
Schade sei, dass es Personen gebe, die nur einmal mitspielen und sofort merken würden, dass es einfach nicht ihr Ding sei, weshalb der Gruppe leider der Nachwuchs fehle. »Einige würden zwar gerne mitmachen, wenn sie aber den Aufwand bemerken, geben sie schnell wieder auf«, sagt Otto Niederer, der bei den »Zwiebelbäuch« zwanzig Jahre lang Regie führte. »Die Entwicklung der Einzelnen zu sehen, hat mich immer angetrieben.« Theaterspielen bringe andere Verpflichtungen mit sich, als im Verein zu sporteln oder sonst sich einzubringen, ergänzt David Epple. »Beim Theater gibt es genau einen Spieler für eine Rolle, es gibt keinen Ersatz, und so hat man nicht die Möglichkeit zu sagen, nächstes Mal spielt halt der oder der für mich.« So habe er, wie auch seine Mitspieler, oft zum Beispiel nicht mit seinen Freunden weggehen können, sondern habe das Theaterstück geprobt.
Aber trotz allem mache ihnen das Hobby Riesenspaß, weshalb sie auch schon so lange dabei seien, stellen die Mitglieder der Gruppe übereinstimmend fest. Auch sei es ja nur "eine zeitlich begrenzte Dauer", ergänzt Eidt. »Wenn die Zuschauer frenetisch klatschen und sich freuen, ist das eine Riesenbelohnung für uns«, betont Carmen Epple. Dass die Vorstellungen oft innerhalb kürzester Zeit ausgebucht sind, sei eine ebenso große Anerkennung für die Gruppe, fügt Reiff hinzu. Ans Aufhören denken die Hobbymimen noch lange nicht. Und so werden sie auch 2026 mit einer Komödie einläuten. "Das verflixte Testament" von Gerhard Geiger steht dieses Mal auf dem Programm, die Premiere ist am Freitag, 16. Januar, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Honau. (GEA)

