PFULLINGEN. Auch für die kommende Zeit hat das Wilhelm-Hauff-Museum wieder einige spannende Projekte parat. Eines davon ist bereits mitten in der Vorbereitung. Die »Holzwerkstatt Kutscherhaus Stiftung Samariterstift« baut gerade das Gehäuse für ein Papiertheater, in dem das Stück »Lichtenstein« gespielt werden soll.
Die Theater ist nur rund 85 Zentimeter hoch, 75 Zentimeter breit und 50 Zentimeter tief. Und benötigt dennoch viel Vorüberlegung, Tüftelei und die Hilfe diverser Fachleute. Einer von ihnen ist Reinhold Maier, der vor der Rente als Metaller, Elektriker und Gärtner arbeitete und sich jetzt der Holzgestaltung verschrieben hat.
»Die Holzwerkstatt wurde damals von Schreinermeister Horst Deiß gegründet«, erinnert sich Gruppenmitglied Dietmar von Hantelmann. »Ursprünglich war sie für die Beschäftigung der Hausbewohner gedacht. Diese kommen auch heute noch gelegentlich vorbei und schauen zu.« Zusammen mit Rolf Nothdurft und Otto-Peter Claus stellt er in der Werkstatt kunstvolle Intarsienarbeiten her, baut stabiles Kinderspielzeug aus Holz oder Weihnachtspyramiden. Aktuell wird eine typisch alpenländische Bergkrippe gebaut.
»Wir haben ein breites Programm«, erläutert von Hantelmann. Nachbildungen der Martinskirche und des Rathauses oder ein Stadtmodell, alles hochkomplexe Einzelstücke, stammen ebenfalls von der Gruppe und stehen vor der Amtsstube und im Schlössle. Doch viele der wunderschönen Spielzeuge sind zu erwerben und stehen in einer Vitrine der Samariterstiftung. »Reich werden wir damit nicht, aber finanzieren tun wir uns selbst «, erklärt von Hantelmann. Seit 20 bis 25 Jahren existiert die Gruppe, die sich mit großem Spaß jeden Donnerstag trifft.
Figuren vom J.F. Schreiber-Museum Esslingen
Reinhold Maiers Augenmerk gilt allerdings gerade ausschließlich dem kleinen Theaterbau, um den ihn Jutta Kraak, Leiterin des Wilhelm-Hauff-Museums in Honau, gebeten hat. Sie hatte entdeckt, dass Hauffs Roman »Lichtenstein« auch vom bekannten Verlag J.F. Schreiber in Esslingen aufgegriffen worden war, der dafür die Papierfiguren wie Georg von Sturmfeder oder Marie von Lichtenstein produzierte. 1831 gegründet ging der Verlag 2014 im Thienemann-Esslinger Verlag auf. »In Esslingen gibt es eine Hobbygruppe, die mit diesen Figuren, die sich inzwischen im J.F. Schreiber-Museum befinden, Theatervorstellungen gibt«, so Jutta Kraak.
Es fehlte nur das Theatergehäuse. Das fand sie im Landesmuseum Stuttgart, das die Vorlage für die Konstruktion und die Deko des Theaters zur Verfügung stellte. Zauberhaft ist die Vorderfront, die ein nostalgisches Theater aus dem 19. Jahrhundert zeigt. Dahinter befinden sich zwei Leisten, in die die unterschiedlichsten Kulissen eingehängt werden können. Werbetechniker Jürgen Eidt stellte die Folien her, die auf Vorderfront und Kulissen aus Sperrholz aufgeklebt werden.
Hobbyspielerinnen stehen in den Startlöchern
Die Figuren selbst werden auf Leisten montiert, die von den Spielerinnen über den Bühnenboden bewegt werden. Sie sprechen auch die Texte und eventuell gibt es sogar Musik dazu. »Glücklicherweise existierte bereits eine Kinderfassung vom Lichtenstein-Roman«, so Kraak. »Denn es wäre unmöglich gewesen, den gesamten Roman zu spielen.«
Reinhold Maier hat außer dem Rahmen auch schon zwei Kulissen fertiggestellt: Schloss Lichtenstein und einen dunklen Wald. »Fünf bis sechs weitere kommen noch«, verrät er. Die Gruppe aus Esslingen, die die Figuren dann im Hauff-Museum durch die Kulissen führen wird, kann es kaum noch erwarten. Wann wird das Theater fertig sein? Hier bremst Maier und hält sich bedeckt. »Es ist fertig, wenn wir fertig sind!« schmunzelt er. (GEA)

