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Aktuell Tradition

Lustiges Sternpaschen in Pfullingen

Lustig ging es zu in Pfullingen beim Sternpaschen am Montag. Dass die Sterne acht statt sieben Spitzen hatten, tat dem Frohsinn keinen Abbruch.

Viel Spaß und fröhliches Diskutieren gab es beim Spielmanns- und Schalmeienzug Pfullingen
Viel Spaß und fröhliches Diskutieren gab es beim Spielmanns- und Schalmeienzug Pfullingen Foto: Gabriele Böhm
Viel Spaß und fröhliches Diskutieren gab es beim Spielmanns- und Schalmeienzug Pfullingen
Foto: Gabriele Böhm

PFULLINGEN. Das traditionelle Hefegebäck heißt Stern und nicht etwa Mutschel und hat sieben Zacken, statt acht wie in Reutlingen, erfährt die auswärtige Zugezogene. Und macht sich am Vorabend des Öbersten, des Dreikönigstags also, auf den Weg durch Pfullingen, um den Einheimischen über die Schulter zu schauen.

Erste Station ist der Farrenstall, wo der Spielmanns- und Schalmeienzugs Pfullingen mit rund 25 Leuten, Erwachsenen und Kindern, beim Sternepaschen würfelt. Normalerweise wäre am Montag normale Musikerprobe, doch heute geht es um Tradition und Gemütlichkeit. Doch kaum sind die Bäckertüten aufgerissen, gibt es den ersten Schreck: acht Zacken hat das Gebäck. Erworben hat es die beauftragte Dame an ihrem Wohnort in Ohmenhausen, also quasi in Reutlingen, und dort sieht das Gebäck nun mal so aus. »Das sind ja Mutscheln mit acht Zacken!«, ruft es. Um sogleich in eine angeregte Diskussion überzugehen.

Eine Dame winkt gelassen ab. »Wenn ich Sterne bei mir daheim backe, achte ich noch nicht mal drauf, wie viel Zacken sie hat«, meint sie. Viel wichtiger sei ihr ein »hübsches Kränzle«, aus Teig geflochten und mittig um den Stern gewunden. Apropos Kranz. Einzig Rosenkranz backe in Pfullingen noch die echten Sterne, hieß es. Es sei schwierig, in Pfullingen noch einen echten Stern mit sieben Zacken zu kriegen. »Denn die Bäcker wie Padeffke, Veit oder Berger sind halt Reutlinger.«

Sieben Zacken gibt's nur beim Rosenkranz

Problemlos könne man die Sterne auch selbst zu Hause backen, aber natürlich keine 50 Stück, wie sie für den heutigen Abend benötigt wurden. Handys werden gezückt und stolz die eigenen Backwerke präsentiert, darunter auch jene von Karl-Martin Schwarz, der sich dafür regelmäßig die Schürze umbinde und in die Küche stelle. Sehr differenziert waren die Werte, wie viele Sterne man aus einem Kilo Mehl backen könne. Bei einer Musikerin waren es vier, bei der nächsten zehn, eindeutig abhängig von der gewünschten Größe.

Gespielt wurde am Montag zunächst in kleinen Gruppen um die kleinen Sterne, begonnen mit der Kleinen Hausnummer, quasi zum »Aufwärmen«. Auch die Kinder versuchten an ihrem eigenen Tisch eine möglichst kleine dreistellige Zahl zu erzielen und taktierten klug mit den gewürfelten Einzelwerten. Weiter ging es mit »Der Wächter bläst vom Turm« oder dem »Langen Entenschiss«. Das Sternepaschen habe immer regen Zuspruch, so die zweite Vorsitzende Michaela Friedrich. 125 Aktive und Passive hat der Spielmannszug derzeit. Ein Rätselraten gab es um das Jahr, wann man mit dem Sternepaschen angefangen habe. »Etwa 1994«, wurde rekonstruiert. Für den großen Stern gibt es eine besondere Spielmannszug-Regel. Jetzt spielen alle Gruppen gemeinsam mit einem Würfel. Jede und jeder muss würfeln und nur der Einser zählt. Fällt er zum 25. Mal, ist der Stern gewonnen.

Alles muss korrekt aufgeschrieben werden, denn schließlich ging es auch beim Liederkranz um herrlich duftende Sterne.
Alles muss korrekt aufgeschrieben werden, denn schließlich ging es auch beim Liederkranz um herrlich duftende Sterne. Foto: Gabriele Böhm
Alles muss korrekt aufgeschrieben werden, denn schließlich ging es auch beim Liederkranz um herrlich duftende Sterne.
Foto: Gabriele Böhm

Sieben Zacken seien schwieriger zu formen als acht, hieß es von den Hobbybäckerinnen beim Liederkranz, der sich im »Klostergarten« versammelt hatte. Warum man sich von den Reutlingern abgrenzen wolle? »Oifach deswega«, ist man sich einig und: »Mr send halt b´sondere.« Wichtig sei, größere Mengen schon kurz nach Weihnachten beim »Rosenkranz« vorzubestellen. Das Sternepaschen habe bei den Sängerinnen und Sängern eine mindestens 50-jährige Tradition. »In meiner Jugendzeit spielten zuerst sowieso nur die Männer«, erinnert sich Bärbel.

Reutlinger Regeln sind dieselben

Die Spiele seien übrigens dieselben wie beim Mutscheln der Reutlinger, so Vorstand Eugen Hilbertz. Er habe sie aus dem Internet gezogen, ein Heft für den Liederkranz daraus gemacht und es »Sternpaschen« überschrieben. Es war sehr nützlich, um schnell neue Spiele vorzuschlagen. 36 Sterne galt es zu gewinnen und auch hier wurde erstmal mit der »Kleinen Hausnummer« begonnen. Der Sieger erhielt jeweils einen großen Stern, der Zweitplatzierte einen kleinen. Damit auch die anderen etwas zu knabbern hatten, machte das Gebäck gleich die Runde, und alle durften sich ein Stück abreißen. Hoch her ging es auch am Nachbartisch, an dem ein Freundeskreis saß. Die Runde verwendete sieben- und achtzackige Gebäcke unterschiedlicher Bäcker. »Das ist ja ganz egal. Wichtig ist, es sind Pfullinger Sterne,« hieß es.

Hoch ging es her bei der Tischtennis-Abteilung des VfL Pfullingen
Hoch ging es her bei der Tischtennis-Abteilung des VfL Pfullingen Foto: Gabriele Böhm
Hoch ging es her bei der Tischtennis-Abteilung des VfL Pfullingen
Foto: Gabriele Böhm

Der VfL würfelte mit mehreren Abteilungen im Jahnhaus. »Ich kenne das so, seit ich ein Kind war in den 1970er-Jahren«, meint Berthold Fetzer, Organisator beim Tischtennis. Zehn mittlere und zehn kleine Sterne, alle mit acht Zacken, fanden in zehn Spielen ihre Besitzer. Das elfte Spiel war das »Nacket´s Luisle« mit der Belohnung des größten Sterns.

»Wir haben den größten Stern!« freute sich der Stammtisch des VfL Pfullingen.
»Wir haben den größten Stern!« freute sich der Stammtisch des VfL Pfullingen. Foto: Gabriele Böhm
»Wir haben den größten Stern!« freute sich der Stammtisch des VfL Pfullingen.
Foto: Gabriele Böhm

An den Nebentischen saßen die Jedermänner des Vereins, im Nebenraum der Stammtisch. »Wir haben eindeutig den größten Stern!«, so Werner Kalla, was auch stimmte. Die größte VfL-Abteilung, die Turner, würfelte in einem weiteren Raum und reicherte den Stern-Genuss mit Pommesportionen an. Auch hier gab es großes Hallo bei jedem spektakulären Wurf und jedem Gewinn. Woraus sich für die auswärtige Beobachterin am Ende der Schluss ergibt, dass sieben oder acht Zacken nicht das Wichtigste sind. Sondern entscheidend sind vielmehr Spaß und Miteinander. (GEA)