LICHTENSTEIN. Alles wieder auf Anfang. Die gemeindeeigenen Bolzplätze sind wieder an sieben Tagen in der Woche bis 20 Uhr geöffnet. Das beschloss der Lichtensteiner Gemeinderat bei einer Gegenstimme am Donnerstagabend. Vorausgegangen war ein Bericht der Verwaltung und der Leiterin des Polizeireviers Pfullingen Martina Kaplan. Dabei wurde deutlich, dass es letztlich keine Vorfälle gab, die eine Einschränkung der Nutzungszeiten rechtfertigen. Nur Alfons Reiske (SPD) stimmte gegen die neue alte Regelung. Demnach darf auf den Bolzplätzen täglich von 8 bis 12 und von 14 bis 20 Uhr gekickt werden.
Die Entscheidung hat eine längere Vorgeschichte. Im März hatten die Anlieger des Bolzplatzes hinter der Lichtensteinhalle ihrem Ärger Luft gemacht. Sie klagten über Lärmbelästigungen und forderten die Einhaltung und Kontrolle der Öffnungszeiten sowie die Schließung des Bolzplatzes an Sonn- und Feiertagen. Der Gemeinderat diskutierte danach noch zweimal über den Bolzplatz. Unter anderem hatte das Gremium entschieden, Tornetze zu beschaffen und die Wand der Lichtensteinhalle durch ein Netz zu schützen, um den Lärm durch aufklatschende Bälle zu mindern. Außerdem votierte das Gremium dafür, am Samstag und Sonntag sowohl den Bolzplatz als auch den angrenzenden Spielplatz bereits um 18 Uhr zu schließen. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause entschieden die Räte überdies, einen Security-Dienst einzusetzen, um die Einhaltung der Öffnungszeiten zu überwachen.
Kein Problemklientel
Jetzt ging es an die Auswertung der Öffnungszeitenkontrolle, in die neben dem Security-Dienst auch der Gemeindevollzugsdienst eingebunden war. Die Kontrollen wurden von Montag bis Donnerstag an jeweils zwei wechselnden Tagen und von Freitag bis Sonntag täglich gemacht und das zu unterschiedlichen Uhrzeiten, erklärte die Leiterin des Ordnungsamtes Kerstin Jungel. Außerhalb der Öffnungszeiten wurden zu keinem Kontrollzeitpunkt Kinder und Jugendliche auf dem Spiel- und Bolzplatz angetroffen. Lediglich an einem Tag seien vier Mädchen, die keinen Lärm verursacht hatten, deswegen des Platzes verwiesen worden. Das lege den Schluss nahe, dass die Öffnungszeiten von den Kindern und Jugendlichen beachtet und eingehalten werden, so Jungel.
Diese Einschätzung unterstützte Martina Kaplan, die Leiterin des Polizeireviers Pfullingen, das in das Vorgehen mit einbezogen war. Demnach gab es im laufenden Jahr sechs Einträge bei der Polizei von drei Anwohnern. Allerdings stammten diese, so Kaplan, alle aus der Zeit vor dem Beschluss des Gemeinderats, die Schließzeiten zu kontrollieren. Danach seien keine Beschwerden mehr eingegangen. Die Polizei habe bei ihren Kontrollen keine »Problemklientel« angetroffen, es gab keine Auffälligkeiten oder Straftaten. Es sei eher der Eindruck entstanden, »dass normales Spielverhalten als Belastung gesehen wird«, erklärte Kaplan und wies auf die widerstrebenden Interessen dort hin. Sie machte deutlich, dass auch die Nutzer des Bolzplatzes Rechte haben. »Der Wunsch nach mehr Ruhe greift in die Rechte der anderen ein.« Und diese Gruppe dürfte größer sein als die der sich beschwerenden Anlieger. Kaplan wies außerdem darauf hin, dass etwa in den Nachbargemeinden die Spiel- und Bolzplätze länger geöffnet sind als in Lichtenstein. Diese seien wichtige Räume, um sich auszutoben, soziale Kontakte zu knüpfen oder auch der familiären Enge zu entfliehen.
Rasenmähen bis 20 Uhr erlaubt
Auf die bis dato geltenden Einschränkungen der Öffnungszeiten gemünzt, erklärte Kaplan, dass nach der gemeindlichen Polizeiordnung samstags bis 20 Uhr der Rasen gemäht werden darf, der Spielplatz aber um 18 Uhr schließt. Letztlich kam die Revierleiterin zum Ergebnis: »Aus polizeilicher Sicht fehlen mir die Argumente, um Einschränkungen zu machen.« Bürgermeister Peter Nußbaum verwies auf die ergriffenen Maßnahmen zur Lärmreduzierung und darauf, dass inzwischen auch Briefe von Eltern die Gemeinde erreichen, die sich wieder längere Öffnungszeiten wünschen.
Für Elisabeth Schweyer (OGL) lag nach dem Sachvortrag auf der Hand, »dass wir zu den alten Zeiten zurückkehren müssen«. Sie verwies auf den gesellschaftlichen Nutzen. Diese Einschätzung teilte Marco Gass (CDU) größtenteils. »Das Gemeinwohl wiegt stärker«, erklärte er. Rolf Goller (SPD) legte Wert darauf, dass auch zukünftig der Schließdienst gewährleistet ist, dieser spiele die entscheidende Rolle, nicht die Öffnungszeiten. »Wir sind dran und versuchen unser Bestes«, versicherte Kerstin Jungel. Einzig Alfons Reiske konnte sich mit den längeren Öffnungszeiten nicht anfreunden, sonntags gehörten die Kinder nach 18 Uhr nach Hause, erklärte er. (GEA)

