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Kultur im Klosterkeller: Ausverkaufte Kleinkunst in Pfullingen

Zwei Abende standen am Wochenende ganz im Zeichen der 40 Jahre Städtepartnerschaft Pfullingen mit Passy. Alle Plätze belegt hieß es im Klosterkeller, der die ideale Plattform für Pfullingens Künstler bildete.

Sie haben gut lachen, die Künstler der Plattform Kultur im Klosterkeller.
Sie haben gut lachen, die Künstler der Plattform Kultur im Klosterkeller. Foto: Gabriele Bimek
Sie haben gut lachen, die Künstler der Plattform Kultur im Klosterkeller.
Foto: Gabriele Bimek

PFULLINGEN. Ein musikalisches Kuriositätenkabinett, gespickt mit modernem Ballett und Pfulbenweisheiten stellte Kultur im Klosterkeller (KiK) Moderator Jörg Rein dem Publikum an zwei Abenden in Aussicht. Die Initiative Kulturhaus (i'kuh) in Pfullingen startete mit ihrer Kleinkunstbühne im Klosterkeller wieder durch und schafft damit ein Podium für Künstler der Echazstadt. »Was et älles Passyiert« in 40 Jahren Blau - Weiß - Roter Städtepartnerschaft Passy und Pfullingen amüsierte - sei es instrumental, mit Gesang oder als Geschichten. Ausverkauft die Freitag- wie Samstagvorstellung, das spricht für sich. Die gut 30 Künstler verstanden es, die Gäste anzustecken, zu faszinieren.

»Erleben Sie heute Abend Musik, Lesung, Tanz französisch inspiriert – Pfullingerisch interpretiert und garantiert mit einem Schuss Esprit«, kündigte Rein an. Zurücklehnen, überraschen lassen und einen Abend voller Kultur, Humor und vielleicht mit dem einen oder anderen Olala genießen, empfahl er. Unter anderem die fünf in Schwarz mit roter Fliege gekleideten Akkordeonroutiniers »De Jonge von de Alde«. »Als ich den Namen das erste Mal in ausgeschriebener Form gelesen habe, dachte ich zuerst an eine holländische Gruppe: De Jonge«, witzelte Rein. Aber auf Schwäbisch sei es dann klar gewesen. Diese trumpften mit »Florentiner Marsch« und »A Klezmer Karnival« samt Showeinlagen auf.

Von Solo bis Quintett

Ihre Premiere im KiK feierte das Mutter-Tochter-Duo Salome Bläubaum und Mama Isabelle Kende-Bläubaum am Klavier. Mit ihrer eigenen Komposition »Budapest« vermittelten sie Einblicke in den Alltag der Großeltern in deren Heimat, der ungarischen Hauptstadt. Auch als Duett mit »Wintersong« überzeugten sie, dem heftigen Beifall nach. »Wir sind glücklich und super dankbar, hier mitzumachen. Es ist eine tolle Stimmung«, freuten sie sich. »Manchmal braucht es nur ein paar Töne, um einen Raum zu verwandeln«, sah es Moderator Rein. Wie bei den Einzelauftritten mit Gesang an der Gitarre von Nico Haydt und Tina Blum. Oder Jonas Wolf, der den Spieß umdrehte.

Die Lehrkraft für Musiktheorie und Gehörbildung lehnte die Klassiker an moderne Interpreten an. Also »Lay all your love on me« von ABBA à la Bach, Titel von den Scorpions und Marius Müller-Westernhagen im Stil von Barock und Renaissance. »Ich habe diese Stilideale verfolgt und fand diesen Gedanken sehr witzig«, sagte der Solist am Piano. Zum ersten Mal 2011 im Klosterkeller mit der für ihn familiären Atmosphäre aufgetreten, agiere er ebenso auf YouTube und Instagram. Er sei wohl immer noch kreativ genug, um die Vorgaben der KiK-Macher zu erfüllen. So auch Sängerin Julia Afrani, begleitet von Lilly Gerbert am Klavier, mit ihren Songs in verschiedenen Sprachen über Liebe, Offenheit, Akzeptanz und Partnerschaft. Oder das EMU Herbst Trio, das in seinen Interpretationen neuester Rock- und Poptitel Schwabenhumor voll auskostete.

Mont Blanc und Monte Schorsch

Schwäbisch in Gedichtform und als Alptraum präsentierte Holger Schlosser. Sein Augenmerk lag auf Josef Eberle alias Sebastian Blau und dessen Mundartgedichte voller Witz und schwäbischer Originalität. Viel Lachen und Beifall rief der Schauspieler mit einem im Traum erlebten Achalmaufstieg samt Seilschaft hervor. Unter Einbeziehung zweier Zuhörer, die er mit Helm und Seil ausstattete und zum Vergnügen des Publikums mit Anweisungen versah. In den Cäcilia-Saal umziehen hieß es fürs Publikum zu den Tanzdarbietungen der Elevinnen »Balancé« und »Modern Girls« der »Tanzzeit« von Bärbel Martini. Und immer wieder Moderator Rein, der in Erinnerungen an einen Urlaub in der Bretagne schwelgte, der mit Ausführungen zu aktuellen Ereignissen in den beiden Partnerstädten glänzte. Spaß garantiert auch bei seinen Vergleichen.

Während eine rote Ampel in Deutschland als »Stehenbleiben« verstanden werde, sei das in Frankreich, je nachdem man sich befinde, eher eine Empfehlung. »Was in Passy der Mont Blanc ist, ist in Pfullingen der Schorschi - Monte Schorch auch als Georgenberg bekannt«, witzelte er und wies auf das im Erdgeschoss diesbezüglich laufende Video hin. Von 1985 bis jetzt weise Passy sechs Bürgermeister vor, Pfullingen zweieinhalb. »Passy steht somit für Abwechslung – Pfullingen steht für Kontinuität«, zog er dazu sein Fazit. Hartmut Stuhlinger vom Orga-Team und EMU Herbst Musiker sprach von zwei anstrengenden Abenden, aber total schön. Es sei ausgesprochen harmonisch gewesen mit den jungen und älteren Künstlern vor einem sehr dankbaren Publikum. Und das habe ihm versichert: »Wie schnell die Zeit verging, wie im Flug.« (GEA)