ENINGEN/METZINGEN/REUTLINGEN. Schon lange wird in den Gremien über eine Radwegverbindung zwischen Eningen und Metzingen diskutiert. Seit Kurzem ist klar: Es wird keine geben. Auch wenn der Gemeinderat der Achalmgemeinde und das Landratsamt Reutlingen, das die Handlungshoheit über das Projekt hat, sich klar für eine von vier Radweg-Varianten ausgesprochen hatten, stimmte das Metzinger Gremium gegen diese. Wie es nun weitergeht, hat der GEA beim Landratsamt nachgefragt.
Zum Hintergrund: Eigentlich sollte 2027 ein Radweg zwischen Eningen und Metzingen gebaut werden. Wo und wie, war lange Zeit jedoch nicht klar. Das Kreisstraßenbauamt hatte dazu verschiedene Varianten ausgearbeitet, die in den vergangenen Monaten den Verwaltungen und Gemeinderäten der beiden Kommunen vorgelegt wurden. Eines war von Anfang an sicher: Die 6,5 Kilometer lange Bestandsstrecke (Variante 1) über einen Teil der L 380a, mit 190 Höhenmetern, soll nicht mehr die Standard-Route sein.
Höhenmeter verlieren
Das wichtigste Ziel sei es, Höhenmeter zu verlieren, erklärte eine Sprecherin des Landratsamts im Laufe der Vorberatungen. Der neue Radweg sollte also sowohl für Jung und Alt passierbar sein und im besten Fall schnell und günstig gebaut werden. Eine Variante, die weder in Eningen noch in Metzingen infrage kam, war die Variante 4: Sie hätte 7,8 Kilometer lang über die Ebene in Richtung Sondelfingen, übers Viadukt über die B 28 und dann auf dem ausgeschilderten Radweg in Richtung Metzingen geführt.
Also standen nur noch zwei Varianten zur Debatte: Die Variante 2, die 4,9 Kilometer lang ist und parallel zur Kreisstraße 6714 verläuft und die Variante 3, die auf einer Strecke von 5,2 Kilometern in Richtung Erddeponie und von dort durch den Maienwald nach Metzingen führen sollte. Im Landratsamt war Letztere klar der Favorit. Vor allem auch in Anbetracht der geringen Kosten in Höhe von rund 300.000 Euro, die sich der Kreis mit Eningen und Metzingen geteilt hätte. Die Variante 2 hätte mindestens das Zehnfache gekostet.
Nicht an Gremien-Voten halten
Der Eninger Gemeinderat stimmte im April mehrheitlich - bei drei Gegenstimmen - dafür, kurzfristig die Variante 3 als Vorzugsvariante weiterzuverfolgen. Alle Räte setzten jedoch langfristig auf die Variante 2. Der Metzinger Gemeinderat stimmte trotz dessen im Oktober geschlossen dagegen die Variante 3 und mit einer klaren Ratsmehrheit - wie die Eninger - für die Variante 2. Damit ist der Radweg erst einmal passe. Doch das Landratsamt wie auch der Kreistag als Aufgabenträger für den überörtlichen Radverkehr müssten sich nicht an die Voten der Gremien halten. Werden sie sich über deren Meinungen hinwegsetzen?
Das Landratsamt bedauert die Entscheidung des Metzinger Gemeinderats, schreibt dieses auf GEA-Nachfrage. »Mit der Umsetzung hätte den Bürgerinnen und Bürgern absehbar eine attraktivere Verbindung im Vergleich zur bestehenden zwischen Eningen und Metzingen geschaffen werden können.« Bei der vorgeschlagenen Variante 3 sei aus Sicht des Amtes die Relation zwischen Kosten und Nutzen sehr gut gewesen. »Darüber hinaus wäre eine Realisierung mit einem vertretbaren Maß an Natureingriffen möglich.«
Mehrere Millionen Euro
Ohne die Unterstützung beider betroffener Kommunen will der Landkreis das Projekt vorerst nicht weiterverfolgen, heißt es weiter in der Stellungnahme. Vor allem auch, weil es »hierbei um Kostenbeteiligungen der beiden Kommunen geht«. Anfang 2026 soll ein neues Radverkehrskonzept veröffentlicht werden, in dessen Rahmen auch die dafür notwendigen Investitionen priorisiert werden sollen. In diesem Zusammenhang weist das Landratsamt darauf hin, dass die Variante 2 »aufgrund der schwierigen topografischen Verhältnisse und der damit einhergehenden aufwendigen Planung und Umsetzung« erheblich höhere Investitionskosten von mehreren Millionen Euro mit sich bringen würde.
Ein Projekt von solcher Dimension sei für den Landkreis nicht leistbar und würde auf Kosten vieler weiteren Radverkehrsprojekte gehen. Außerdem geht das Amt in dem Schreiben auf die kommende Umwidmung der Kreisstraße zwischen Eningen und Metzingen zur Landesstraße ein: Auch wenn es noch keinen konkreten Zeitplan dafür gebe, würde sich damit aber die Zuständigkeit des Baulastträgers ändern - das Regierungspräsidium Tübingen wäre dann am Zug.
Eningens Bürgermeister ist etwas frustriert
»Der Landkreis wird aus den dargelegten Gründen das Projekt vorerst nicht weiterverfolgen«, heißt es abschließend. Bedauerlich sei, dass sich die Entscheidung des Gemeinderats Metzingen auch auf die Gemeinde Eningen auswirke, die die kurzfristige Verbesserung für Radfahrende befürwortet hatte. Eningens Bürgermeister Eric Sindek ist angesichts des Ergebnisses etwas frustriert. »Ja, die Metzinger wie auch wir Eninger haben über unsere Gemarkungen Hoheit und da muss man solche Entscheidungen akzeptieren«, sagt er auf GEA-Nachfrage. Sindek geht nochmal darauf ein, dass beide Kommunen im Grunde ja die Variante 2 bevorzugen und einer Meinung sind. »Aber als kurzfristige Lösung wäre die Variante 3 eine Gute gewesen.« (GEA)


