LICHTENSTEIN. Die Lage scheint sich zu entspannen. Die Gemeinde Lichtenstein ist, was die Kindergartenplätze angeht, auf dem Laufenden, etwas knapp ist die Lage bei der Ganztagsbetreuung. Der Lichtensteiner Gemeinderat nahm den Bedarfsplan für den Kindergarten- und Kleinkindbereich in der vergangenen Sitzung zur Kenntnis. Außerdem stimmte das Gremium einer deutlichen Gebührenerhöhung für diesen Bereich und auch der Ganztagsbetreuung an der Schule zu.
Die Bevölkerung geht zurück, die Geburtenzahlen sinken. Die Statistik macht klar, in den kommenden Jahren braucht Lichtenstein weniger Betreuungsplätze. Noch etwas anders sieht es für das kommende Kindergartenjahr aus. Dabei ist die Lage in den einzelnen Ortsteilen unterschiedlich. Während in Unterhausen im Kindergartenbereich voraussichtlich 63 Plätze benötigt werden, stehen dort 71 zur Verfügung. In Honau geht die Rechnung wohl gerade so auf, einen Mangel gibt es dagegen in Holzelfingen. Dort werden wesentlich mehr Plätze benötigt als die 14, die zum 1. September frei werden. Abhilfe soll unter anderem eine Aufstockung der Gruppen im Waldkindergarten schaffen. Statt 22 soll dort eine Gruppengröße von 25 erprobt werden.
Das ermöglicht das Kindergartengesetz für einen befristeten Zeitraum von maximal drei Jahren, wenn das Kindeswohl weiterhin gewährleistet wird. Der Antrag auf Erprobung sei mit dem Personal abgestimmt worden, betonte Hauptamtsleiterin Beatrice Herrmann in der Sitzung. Unter anderem wird dafür eine weiteres Tipi angeschafft. Sie merkte auch an, dass angesichts der sinkenden Kinderzahlen in den folgenden beiden Kindergartenjahren es nicht zielführend wäre, eine weitere Gruppe zu eröffnen. Denn voraussichtlich bleiben im Jahr 2026/27 zehn Plätze frei.
Ganztagsplätze fehlen
Anders sieht es bei den Ganztagsplätzen aus. Dieser Bedarf werde in den kommenden Jahren weiter steigen, vor allem in Unterhausen, so Herrmann. Dort stehen 25 Anmeldungen, 16 freien Plätzen gegenüber. Auch in diesem Fall zieht die Gemeinde den Erprobungsparagrafen im Kindergartengesetz. Auf dieser Grundlage sollen im Kindergarten Friedrichstraße weitere 10 Ganztagsplätze entstehen. Dafür soll mit den Mitarbeitern ein Konzept erarbeitet werden, bei dem die dafür zusätzlich notwendigen Stellen auch mit Nichtfachkräften besetzt werden können.
Dies, so Herrmann, könne die Personalgewinnung deutlich erleichtern und auch der Bedarf könne flexibel an die Gruppengröße angepasst werden, da die Gemeinde nicht von einer Vollauslastung ausgeht. Im Rahmen der Erprobung, das versicherte die Hauptamtsleiterin, werde darauf geachtet, dass die qualitativen Standards nicht gefährdet werden. Es würde deshalb nur der Einsatz von im Umgang mit Kindern erfahrenen Kräften, etwa langjährigen Tagesmüttern, geplant. Diese sollen entweder gemeinsam mit den vorhandenen Fachkräften eingesetzt oder mit hauswirtschaftlichen Tätigkeiten betreut werden. Die entsprechenden räumlichen Voraussetzungen gibt es dort bereits. Auch diesem Vorschlag stimmte der Gemeinderat zu. Lob gab's vor allem dafür, dass mit der Erprobung flexibel auf den Bedarf reagiert werden könne.
Neue Öffnungszeiten
Auf den Bedarf reagiert die Gemeinde auch mit der Änderung der Öffnungszeiten des Hauff-Kindergartens. Diese werden auf Wunsch der Eltern angepasst. Apropos angepasst. Wer sein Kind in eine Lichtensteiner Betreuungseinrichtung schickt, muss im kommenden Kindergartenjahr tiefer in die Tasche greifen. Um 7,3 Prozent steigen die Gebühren und damit im Rahmen der Empfehlung der Kirchen und der Kommunalen Landesverbände für die Elternbeiträge. Konkret heißt das, dass beispielsweise Eltern mit einem Kind für dieses in der Regelbetreuung statt 172,50 Euro dann 185,50 Euro zahlen. Grund für die Erhöhung liegen in den gestiegenen Lohn- und Sachkosten.
Auswirkungen auf den Deckungsgrad werden die höheren Beiträge kaum haben. 2024 trugen die Eltern 15,1 Prozent der Betreuungskosten. Rolf Goller (SPD) regte dann auch an, mal zu schauen, wie die Gemeinde den von Kirchen und Land vorgeschlagenen Deckungsgrad von 20 Prozent erreichen könne. Womöglich auch über Einsparungen: »Es geht darum, Kosten zu senken«, so Bürgermeister Peter Nußbaum. Bernd Hageloch (CDU) und sein Fraktionskollege Philipp Stoll stellten die Staffelung der Elternbeiträge infrage: »Jedes Kind braucht denselben Aufwand«, so Hageloch. Darüber soll ebenso, wie über den Einwand Gollers im Verwaltungsausschuss diskutiert werden, wenn die entsprechenden Zahlen vorliegen. Außerdem stimmte der Rat auch der Anhebung der Elternbeiträge für die Schulbetreuung zu. Auch in diesem Fall zahlen die Eltern vom kommenden Schuljahr an 7,3 Prozent mehr. (GEA)

