LICHTENSTEIN. Schnee ist zum knappen Gut geworden. Nicht nur in den Alpen, auch in den Mittelgebirgen setzen deshalb die Liftbetreiber vermehrt auf den Einsatz von Schneekanonen, um Skifahren über einen längeren Zeitraum zu ermöglichen. »Die haben uns das Überleben gesichert«, hatte Jochen Gekeler, Sprecher der Betreiber der Holzelfinger Wintersport-Arena, Anfang des Jahres deutlich gemacht. Damals hatte vor allem Gemeinderätin Susanne Kromer (OGL) Kritik an einer Vereinbarung der Arena mit der Gemeinde geübt, die den Liftbetreibern bis zu 9.000 Kubikmeter Trinkwasser fürs Schneemachen zugesichert hatte. Jetzt kam das Thema erneut zur Sprache, weil der Betreiber des Salachlifts eine neue Wasserleitung bauen will, die mehr Wasser in kürzerer Zeit liefern soll, als die in die Jahre gekommene alte.
Den Grund des Antrags, dem der Holzelfinger Ortschaftsrat bereits zugestimmt hatte, erläuterte Ortsbaumeister Steffen Simschek dem Technischen Ausschuss. Demnach gehe es dem Betreiber des Salachlifts nicht darum, mehr Wasser einzusetzen, sondern darum, »wirtschaftlicher zu beschneien«. Der Hintergrund: Die Schneekanonen brauchen viel Strom. Mit einem höheren Wasserdurchsatz in kürzerer Zeit, wäre die Energiebilanz besser. Deshalb soll die neue Leitung einen größeren Durchmesser bekommen.
Das machte Rolf Goller (SPD) Sorgen. In früheren Zeiten, als das Wasser noch mit Feuerwehrschläuchen zu den Schneekanonen kam, habe es in Holzelfingen »Druckabfälle im Wassernetz« gegeben. Sprich: In den Haushalten kam nicht mehr so viel aus der Leitung. Da gab Simschek Entwarnung. »Der Druck kann sichergestellt werden.« Denn seine Schneekanonen einfach einschalten, darf der Betreiber nicht. Nur in Absprache mit dem Wassermeister der Albwasserversorgungsgruppe 14 darf er den Hahn aufdrehen. Dafür gibt ihm der Wassermeister ein Zeitfenster vor. »Das hat bisher reibungslos geklappt«, versicherte der Ortsbaumeister.
Diskussion um Trinkwasser
Grundsätzliche Kritik am Einsatz der Schneekanonen äußerte Dr. Dorothee Wiest (OGL). Für sie ist das eine »absurde Energie- und Trinkwasserverschwendung«. Deshalb werde sie dagegenstimmen. In die gleiche Kerbe hieb Bernd Hageloch (CDU): »Warum muss man Trinkwasser nehmen, um den Hang zu beschneien?« Auch vor dem Hintergrund, dass das Wasser, das in den Bereichen des Lifts versickert, nicht in Richtung der Quellfassung in Unterhausen fließe. »Das kommt ganz woanders raus.« Er wollte dem Vorhaben nur dann zustimmen, wenn die Betreiber ein Becken anlegen und den größten Teil ihres Wassers selber gewinnen. Dann sei er auch bereit, Wasser zuzuliefern. »So mit Trinkwasser umzugehen, halte ich für einen Fehler.« Wenn jetzt eine große Leitung komme, dann werde bis Ostern beschneit, befürchtet er.
»Wenn Wasserknappheit besteht, dann darf der nicht mehr beschneien«, hielt der FWV-Rat und Holzelfinger Ortschaftsrat Martin Schwarz den Kritikern entgegen. Sein Fraktionskollege Tobias Brändle betonte, der Ausschuss entscheide heute nicht über die Beschneiung, sondern über eine Wasserleitung. Über alles andere könne man dann diskutieren, wenn tatsächlich Wasserknappheit herrsche. Und zumindest im Winter gebe es diese nicht, erklärte Alfons Reiske (SPD). »Grundwasser hat man da vorne genug«, sagte er mit Blick auf die Quellfassung der Albwasserversorgungsgruppe. Nachdem Bürgermeister Peter Nußbaum dem CDU-Rat Steffen Pehl die Befürchtung genommen hatte, dass durch die Wasserentnahme der Preis für Trinkwasser steigen könnte, stimmte das Gremium mit einer deutlichen Mehrheit dem Bau der Wasserleitung zu. Nur Wiest, ihre Fraktionskollegin Mareike Grandy und Hageloch waren dagegen.
Keine weitere Leitung
Nußbaum hatte in den Beschlussvorschlag aufgenommen, dass der Betreiber des Skilifts sowohl die Wassermenge als auch die Zeiten der Wasserentnahme mit dem Wassermeister und der Gemeinde abstimmen muss. Darüber hinaus soll keine weitere Leitung gebaut werden, sondern - falls auch der Betreiber des Heutallifts einen entsprechenden Wunsch äußert - diese an die jetzt zugesagte angebunden werden. Außerdem stimmte das Gremium dem Bau eines Wasserschachts in der Rosenstraße zu. Das Grundstück gehört dem Betreiber des Heutallifts. Der befüllt bisher einen Tankzug mit Wasser in der Rosenstraße mittels eines Standrohrs im öffentlichen Verkehrsraum. Das soll zukünftig auf dem eigenen Grundstück geschehen. (GEA)

