LICHTENSTEIN. Zentraler Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend war der Beschluss zur Einführung des E-Scooter-Sharing-Projekts in Lichtenstein. Das Gremium befürwortete die Testphase mit dem Anbieter Lime mehrheitlich bei zwei Gegenstimmen.
Im Rahmen des Förderprogramms »LandMobil – unterwegs in ländlichen Räumen«, aufgelegt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, startete im Landkreis Reutlingen im September 2021 in den Kommunen Engstingen und Münsingen das Pilotprojekt. Ziel war es, neue Ideen zur Sicherung der Mobilität im ländlichen Raum zu erproben. Ende 2022 wurden die Ergebnisse ausgewertet, die eine Bevorzugung von E-Rollern gegenüber E-Bikes (Fahrrädern) ergaben.
Überbrückung zwischen Wohngebiet und Bushaltestelle
Vorwiegend wurden die Roller zur Überbrückung zwischen Wohngebiet und Bushaltestelle genutzt und eigneten sich damit für die Vernetzung verschiedener Mobilitätsmöglichkeiten im ÖPNV. Im April 2023 startete der Landkreis einen neuen Versuch mit E-Scootern und wechselte von der Firma Tier zu Lime.
Bürgermeister Peter Nußbaum nahm im Januar 2024 an einem Workshop zum Erfahrungsaustausch teil. Im Vorfeld hatte der Landkreis nach der generellen Bereitschaft gefragt, um ein Netz mit mehrerer Kommunen aufzubauen. Im Februar beriet sich der Technische Ausschuss der Gemeinde und empfahl dem Gemeinderat die Teilnahme an der Testphase. Diese ist kostenlos und ermöglicht die Erhebung von (anonymen) Daten wie Nutzungshäufigkeit oder falsches Abstellen, worauf sich auch die Kritikpunkte im Ausschuss bezogen hatten, so Nußbaum.
Befürchtet wurde, dass die Roller im Weg stehen und zu Hindernissen für Kinderwagen oder Sehbehinderte werden könnten. Am Donnerstag erklärten Rolf Goller und Britta Waschl (SPD), man müsse sehen, ob es funktioniere und die Firma Lime die Scooter zuverlässig einsammele. Ansonsten müsse die Gemeinde wieder aus dem Projekt aussteigen.
Keine Weiterfahrt in Pfullingen
Problematisch für die Vernetzung sei, so Nußbaum, dass zwar Eningen ebenfalls eine Testphase mit Lime-Scootern durchführe, sodass man die Lichtensteiner Scooter gegebenenfalls dort abstellen und mit einem neuen, vollem Akku weiterfahren könne. In Pfullingen, das mit der Firma Tier zusammenarbeite, sei dies aber leider nicht möglich.
In der Testphase sollen sich viele Fragen klären. Lime hat die Siedlungsgebiete in Unterhausen, Honau und Holzelfingen als Geschäftsgebiet deklariert, innerhalb dessen die Scooter abgestellt werden können. Ausgenommen sind empfindliche Bereiche wie Friedhöfe und das Umfeld von Spielplätzen. Für die Benutzung muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Es wird davon ausgegangen, dass vor allem Jüngere das Angebot nutzen.
Sieben Entleihpunkte
In der Testphase sind drei Entleihpunkte in Unterhausen (Bereich Bushaltestellen Stettenstraße und Ludwigstraße sowie bei den Fahrradabstellplätzen vor der Lichtensteinhalle), zwei in Honau (Freibad und Bereich Bushaltestelle Traifelberg) und jeweils einer in Holzelfingen (Bereich Ortsamt) und der Göllesbergsiedlung (Bereich Forchenweg) festgelegt. Pro Punkt stehen drei Scooter zur Verfügung. Anregungen oder Korrekturen bezüglich der Entleihpunkte können der Gemeinde gemeldet werden. (GEA)

