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GEA-Redakteurin gibt alles auf und geht auf Weltreise: Vom Abbruch und Aufbruch

Bevor es vom GEA-Schreibtisch in Pfullingen über den Atlantik geht, ist Losmachen angesagt.

Seit 2010 beim  GEA – erst als  Volontärin, später als Redakteurin in Mössingen und zuletzt in Pfullingen: Claudia Hailfinger.
Seit 2010 beim GEA – erst als Volontärin, später als Redakteurin in Mössingen und zuletzt in Pfullingen: Claudia Hailfinger. Foto: PRIVAT
Seit 2010 beim GEA – erst als Volontärin, später als Redakteurin in Mössingen und zuletzt in Pfullingen: Claudia Hailfinger.
Foto: PRIVAT

PFULLINGEN. Ein bisschen ist es wie Maschen auflösen. Das sorgsam Aneinandergereihte wieder von der Nadel rutschen lassen, rückwärtsarbeiten, rausarbeiten. Eine lange Reise soll es werden, vielleicht ein Jahr. Mit loser Route im Kopf, aber keinem Plan auf Papier.

Vor der großen Freiheit aber steht das große Abmelden, das Aufkündigen und Loslassen von all dem, was dem Leben Rahmen und Inhalt gibt: Familie, Freunde und Kollegen. Die Arbeit, die Wohnung, das Auto. Der Sport, Gewohnheiten, Verträge.

Besitz loswerden

Beachtlich ist die Staubschicht unter den Möbeln, die über Kleinanzeigen nun neue Besitzer finden. Beachtlich auch der Berg an Klamotten, die es großzügig auszusortieren gilt. Von den Ablagen gar nicht zu sprechen.

Jedes Schriftstück, jeder Teller, jeder Krimskrams wandert noch einmal durch die Hände: Wie viele Erinnerungsstücke braucht man? Was ist nicht ersetzbar? Was überflüssig? Lagerraum ist rar, Besitz auch Ballast.

Beziehungen natürlich nicht. Zumindest die guten. Die bleiben, auch wenn das Zimmer vorerst nicht mehr miteinander geteilt wird. In dem werden künftig andere Reisende mitwohnen, mitkochen, mitschlafen – Menschen, die in Hostels eine günstige Unterkunft und Anschluss finden.

To-do-Liste abarbeiten

Doch bevor es so weit ist, gilt es eine ordentliche To-do-Liste abzuarbeiten: Eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung muss her, ebenso ein Termin bei der Krankenkasse, der Rentenversicherung und bei Ärzten – noch einmal die Gesundheit checken. Ein Haufen Impfungen wandern in den Arm, Spanischvokabeln in den Kopf. Angeschafft werden ein reisefreundliches Bankkonto, ein internationaler Führerschein, ein neuer Reisepass. Und funktionale Kleidung – denn allzu viel Platz ist nicht in dem Rucksack, der in den kommenden Tagen zuerst auf dem Rücken und schließlich im Bauch einer Boeing in Mexiko landen wird. 

Anvisiert sind zunächst Länder in Zentral- und Südamerika: Costa Rica, Ecuador und Peru etwa. Später soll es ostwärts gehen: Nepal, Vietnam und die Philippinen stehen schon lange auf der Wunschliste. Was tatsächlich klappt und wie viele Länderwechsel bekömmlich sind, wird sich zeigen. Es geht nicht ums Abarbeiten, sondern ums Unterwegssein. Ums Zurechtfinden in neuen Rahmen. Aber auch ums Aufgabenbewältigen, Lernen, Wachsen. Und natürlich ums Genießen: um Meerwasser bis unter die Nasenspitze und Tropenluft in den Lungen.

Fragen beantworten

»Ganz alloi – hosch koi Angscht?«, fragen da die einen. Andere lächeln skeptisch, sagen »mutig«. Und wieder andere finden’s »subber« – und ihre Augen leuchten. Unterm Strich herrscht reges Interesse. Wann es für wie lange wohin geht, wird gefragt. Ob unterwegs »äbbes gschafft« wird – was eigentlich die Frage nach der Finanzierung ist. Es geht auch mal ohne, ist die Antwort.

Selten erkundigt sich jemand nach dem Warum. Kurzes Stocken, als Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer es bei der Verabschiedung dann doch tut. Eningen, das war die vergangenen Jahre der berufliche Kosmos: Leute, Feste, Politik – alles wurde hundertfach in GEA-Zeilen verpackt. Der Redakteursberuf ist schön, ebenso Eningen.

Weite suchen

Aber die Welt ist es auch. Und sie ist groß. Und deshalb wird nun der Schreibtisch in der Pfullinger Redaktion geräumt und die Tastatur gegen eine Landkarte getauscht. Oder gegen ein Smartphone. Ohne das geht gar nichts: Kontakt halten, fotografieren, Busfahrten und Unterkünfte buchen, Zahlungen erledigen, Visa beantragen, Länderinfos einholen. Der Alleskönner wird treuer Begleiter bleiben. Weichen sollen dagegen Routinen, fixe Strukturen, der ständige Blick auf die Uhr – Platz machen für Bewegung, für Weite und Müßiggang.

Ob das gut gehen kann? Und wenn ja, wie lange? Mal sehen. Mal ein bisschen Planlosigkeit wagen. Irgendwann geht es wieder zurück, vermutlich. Neue Maschen aufnehmen. (GEA)