Am 20. April 1945 protestierten mehrere Hundert Frauen auf dem Rathausplatz gegen die aufgestellten Panzersperren, die nach ihrer Ansicht ein hohes Risiko darstellten. Ihre Aktion zeigte Wirkung: Der damalige Kommandant Julius Kiess floh vor der aufgebrachten Menge durchs Rathausfenster, die Panzersperren wurden in den folgenden Tagen beseitigt, Pfullingen ohne größere Verluste eingenommen. Für die Pfullinger endete der Krieg mit dem Einmarsch der französischen Truppen am 22. April. Vor allem die Pfullinger Frauen zeigten damals Mut, allen voran Sophie Schlegel, die den anrollenden französischen Truppen auf der Marktstraße im weißen Kleid entgegen ging.
Mutiges Verhalten
Der Widerstand der Pfullinger Frauen sei jedoch kein Einzelfall, sondern typisch für das abzeichnende Kriegsende »Das mutige Verhalten entsprang der unmittelbaren Situation«, so der Stadtarchivar. »Das wäre zu früheren Zeiten gar nicht möglich gewesen«, bestätigte die heute 83-jährige Hedwig Eib, die von den Geschehnissen im April berichtete. Auch in anderen Orten des Landkreises stellten sich vor allem Frauen gegen Panzer- und Straßensperren. »Diese Ortschaften sind glimpflich davon gekommen«, sagte Pustal. Aber es habe auch Dörfer gegeben, die sich gewehrt haben, wie zum Beispiel in Genkingen. Dort habe es zum Kriegsende größere Schäden sowie Opfer gegeben.Insgesamt fünf Panzersperren gab es in Pfullingen, wie sich an diesem Abend herausstellte. Besonders an die Sperre im Bereich Villa Landenberger – ein Straßenbahnwaggon – konnten sich die Pfullinger erinnern. Am Abend des 20. April verhinderten die Frauen das Umlegen des Waggons und rollten ihn bergab in Richtung Südbahnhof.
»Die Truppen die Pfullingen erobert hatten, waren nicht gefährlich«, berichtete der heute 83-jährige Dr. Herbert Scherer, der sich sehr detailliert an die Ereignisse erinnern konnte. Die Franzosen seien entlang der Echaz von Reutlingen aus vorgerückt. Auch Konrad Fink, der als Flüchtling nach Pfullingen kam, berichtete über interessante Details. »Es ist schwer, Zeitzeuge zu sein«, resümierte er, »was habe ich erlebt, was interpretiere ich.« Bernhard Eberenz erlebte, wie damals das Rathaus, in dem auch Panzerfäuste gelagert waren, von den Franzosen eingenommen wurde und explodierte. »Wie mit der Motorsäge abgesägt«, sei die Hälfte umgefallen. »Und so ist es heute noch.«

