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Aktuell Energie

Eninger Wärmeplan soll Ende des Jahres stehen

Ein Vertreter der Klimaschutz-Agentur Reutlingen hat in der jüngsten Sitzung des Eninger Gemeinderats den aktuellen Stand der Wärmeplanung vorgestellt.

Alleine die energetische Sanierung eines Gebäudes reicht nicht aus, um Klimaschutzziele zu erreichen, sagt ein Vertreter der Kli
Alleine die energetische Sanierung eines Gebäudes reicht nicht aus, um Klimaschutzziele zu erreichen, sagt ein Vertreter der Klimaschutz-Agentur des Landkreises Reutlingen. Foto: Hase/dpa
Alleine die energetische Sanierung eines Gebäudes reicht nicht aus, um Klimaschutzziele zu erreichen, sagt ein Vertreter der Klimaschutz-Agentur des Landkreises Reutlingen.
Foto: Hase/dpa

ENINGEN. Ende dieses Jahres soll der kommunale Wärmeplan in Eningen stehen, damit Anfang 2026 mit der Umsetzung begonnen werden kann. Insgesamt soll so das Klimaziel, als Land 2024 klimaneutral zu sein, erreicht werden. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates hat Simon Hummler von der Klimaschutz-Agentur des Landkreises Reutlingen den aktuellen Stand der Planung vorgestellt. Schon jetzt, zum Ende der Bestandsanalyse, kristallisieren sich fünf potenzielle Wärmenetzgebiete in der Achalmgemeinde heraus.

»In Eningen haben wir bei unserer Analyse die komplette Siedlungsfläche samt der beiden Deponieflächen angeschaut«, erklärte Hummler dem Gremium. Dabei wiesen schon jetzt einige Bereiche einen hohen Wärmebedarf auf: vier Siedlungsgebiete und ein Industriegebiet. »Aber, das muss ich an dieser Stelle sagen, die Liste der Gebiete ist natürlich noch nicht vollständig.« Man befinde sich schließlich erst in der Bestandsanalyse und noch nicht in der konkreten Zielsetzung - die Analyse sei nicht verbindlich.

Hohe Wärme- und CO2-Dichte

Als Prio 1 gekennzeichnet ist die das Zentrum rund um das Rathaus aufgrund seiner hohen Wärmedichte. Das heißt, dass dort auf kleinem Raum, viel Energie benötigt wird. Danach folgt das »Möve-Areal«, auf dem unter anderem die Alte Weberei steht, samt des dahinterliegenden Wohngebiets (Prio 2). Auch dort gebe es rund um den Baublock eine hohe Wärme- und CO2-Dichte. »Außerdem haben wir dort durch die kommenden Bauarbeiten auf dem Areal ein hohes Gestaltungspotential, das energietechnisch genutzt werden kann«, ergänzte Hummler.

Als Prio 3 ist das Wohngebiet rund um die Achalmschule ausgeschrieben. Dort hätten jetzt schon einige Eigentümer das Interesse verlauten lassen, zu handeln. Auch rund um die Mehrfamilienhäuser nahe der Hochhäuser im Osten Eningens (Prio 4) gebe es eine hohe Wärmedichte und nach Rücksprache mit der Wohnungsgesellschaft Reutlingen (GWG) sogar Gebäudenetze, die ausgebaut werden könnten. Zu guter Letzt gehöre dann noch das Industriegebiet am Arbach zu den potenziellen Wärmegebieten. »Die Industrie bietet viele und große Potenziale beispielsweise für die Abwärmenutzung und die wollen wir ausschöpfen.«

Öffentliche Auslegung der Pläne

»Im Anschluss an die Bestandsanalyse erfolgt die Potenzialanalyse«, gab Hummler einen Ausblick. Später sollen dann die einzelnen Pläne öffentlich ausgelegt werden. Erst danach werden die genauen Szenarien entwickelt, damit im Dezember nach einer zweiten Offenlegung über den Wärmeplan abgestimmt werden kann. »Läuft alles nach Plan, könnten Anfang 2026 die ersten Maßnahmen umgesetzt werden.«

Im Rahmen der Bestandsanalyse wurden die Gebäude, die Heizungen und alternative Möglichkeiten zur Energiegewinnung betrachtet. Vor allem eine Sache ist dabei deutlich geworden: »Alleine die energetische Sanierung eines Gebäudes reicht nicht aus, um Klimaziele zu erreichen«, sagte Hummler. Der Heizungstausch müsse vorangebracht werden, damit das möglich sei. In Eningen würden vorwiegend Erdgas, Heizöl und Scheitholz zum Heizen verwendet. Aktuell gebe es lediglich 140 Wärmepumpen in der Achalmgemeinde, jedoch aber um die 3.800 Gasheizungen und Scheitholzöfen. »Das ist viel, vor allem, wenn man weiß, dass Erdgas und Heizöl fast vollständig für die Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind«, sagte Hummel. Um dem Klimaziel näherzukommen, sollten etwa 130 Gas- und 50 Ölheizungen pro Jahr ausgetauscht werden.

Potenzial von Geothermie

Klar ist für den Vertreter der Klimaschutz-Agentur: Die alternativen Möglichkeiten zu Energiegewinnung müssen ausgebaut werden. »In Sachen Windkraft sind Sie da ja schon auf dem richtigen Weg«, sagte Hummler dem Gremium. Doch auch die möglichen Photovoltaik-Flächen sollten genauestens betrachtet und das Thema Solarenergie angegangen werden. »Unsere Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Geothermie in Eningen interessant werden könnte.«

Bürgermeister Eric Sindek findet es wichtig, einen kommunalen Wärmeplan zu erstellen, denn »nur so erreichen wir unsere Ziele«. Es sei aber auch wichtig, die Menschen, die von ihm betroffen sind, mit ins Boot zu holen. »Ohne sie geht nichts.« Albert Weinmann (GAL) forderte, dass in der weiteren Planung versucht werde, wirklich alle Potenziale auszuschöpfen. »Außerdem sollten auch die Betriebe vor Ort in Bereichen der Installation und der Heizungsmontage eingebunden werden.« Auch Hummler findet dies wichtig und sagte, dass es ohne deren Unterstützung gar nicht anders gehe.

Bürger gut informieren

»Die Bürgerinnen und Bürger müssen immer und gut informiert werden, damit sie mitmachen können«, sagte Martin Desczyk (CDU). Sein Fraktionskollege Florian Weller wendete sich mit einem Appell direkt an die Verwaltung: »Wir dürfen aber nicht nur schauen, was theoretisch alles möglich ist, sondern auch darauf achten, was wir realistisch umsetzten können.« Es sollen machbare Ziele gesetzt und dann geschaut werden, wie viel öffentliches und privates Geld dafür benötigt wird. (GEA)