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Ein wahrer Schatz: Pavillon im Pfullinger Laiblinspark fertiggestellt

Der Pavillon im Park der Pfullinger Laiblinsvilla erstrahlt in neuem Glanz. Nach sechs Monaten Renovierung folgt kommenden Donnerstag die offizielle Eröffnung.

Das Dach glänzt, die Fassade leuchtet: Der Pavillon im Laiblinspark ist ein Hingucker.
Das Dach glänzt, die Fassade leuchtet: Der Pavillon im Laiblinspark ist ein Hingucker. Foto: Dieter Reisner
Das Dach glänzt, die Fassade leuchtet: Der Pavillon im Laiblinspark ist ein Hingucker.
Foto: Dieter Reisner

PFULLINGEN.. Pfullingen ist nicht arm an besonderen Gebäuden. Nun kommt eines hinzu, das jahrelang im Dornröschenschlaf lag: Der Pavillon im Park der Villa Laiblin. Am Donnerstag, 13. November, von 16 Uhr an übergibt die Stadt Pfullingen mit einem aufwendigen Programm, das vom Geschichtsverein sowie dem Treffpunkt Kutscherhaus gestaltet wird, nach einer sechsmonatiger Bauzeit das kleine Häuschen der Öffentlichkeit.

Jahrelang siechte der Pavillon vor sich hin, drohte zu verfallen. Bis sich die Stadtverwaltung entschieden hat, ihn zu renovieren. Die Umsetzung war kein einfaches Unterfangen, schließlich steht der Pavillon unter Denkmalschutz. Der leitende Architekt Eberhard Wurst bezeichnet den Bau an sich »als irrwitziges, aufwendiges Konstrukt auf so einer kleinen Fläche«. Die runde Form mit dem Kuppeldach sei eine Herausforderung für jeden Architekten und auch für die Handwerker. Deshalb bezeichnet er es »als Statement des Bauherrn, der ein Zeichen setzen wollte mit etwas Besonderem«. Diese Motivation haben sich die Verantwortlichen zu eigen gemacht und versucht, so viel Originales wie möglich zu erhalten.

Handwerkliche Meisterleistung

Der Zahn der Zeit, einhergehend mit Vandalismus, hatte vieles zerstört, unter anderem die Dachsparren, von den insgesamt 30 Stück konnten nur zwei wiederverwendet werden. Daher brauchte es nach Aussage des Architekten von jedem Gewerk - Schreiner, Gipser, Zimmermann - "eine handwerkliche Meisterleistung, um den Pavillon wieder fast genauso wie das Original herzurichten. "So eine Kuppel so zu verputzen ist nicht trivial."

Die Beteiligten  freuen sich über das gelungene Ergebnis:  Architekt Eberhard Wurst (von links), die Geschichtsvereinsvorsitzend
Die Beteiligten freuen sich über das gelungene Ergebnis: Architekt Eberhard Wurst (von links), die Geschichtsvereinsvorsitzende Waltraud Pustal, Annika Haase und Oliver Polzin vom Fachbereich 5 der Stadtverwaltung, Quartierskoordinatorin Britta Eichler. Foto: Dieter Reisner
Die Beteiligten freuen sich über das gelungene Ergebnis: Architekt Eberhard Wurst (von links), die Geschichtsvereinsvorsitzende Waltraud Pustal, Annika Haase und Oliver Polzin vom Fachbereich 5 der Stadtverwaltung, Quartierskoordinatorin Britta Eichler.
Foto: Dieter Reisner

Das Kuppeldach erhielt eine Haube aus Kupferblech. Dabei wurde das leuchtende Metall in Streifen, wie im Urzustand zur Eröffnung 1912, rund um die Kuppel verlegt. Zudem haben die Handwerker Belüftungsschlitze eingebaut. Am oberen Ende des Dachs sorgt ein Loch dafür, dass die Luft austreten kann. Neu im Innenraum ist die Elektrik samt Beleuchtung, die ursprüngliche Wandverkleidung musste weichen. »Da haben wir entdeckt, wie kaputt es darunter ist«, sagt Annika Haase vom Fachbereich 5 Infrastruktur und Gebäudemanagement, die die Renovierungsarbeiten leitete.

Schnitzarbeiten konnten erhalten werden

Die Säulen mit den Schnitzarbeiten, die an antike Vorbilder erinnern, konnten erhalten werden. »Die Schnitzarbeiten wären so nicht mehr zu bekommen gewesen, wir waren froh, dass die Säulen nur kleine Schäden hatten. Die Oberfläche ist in gutem Zustand«, so Haase. Will heißen: Hier hat sich womöglich Louis Laiblin bei einem seiner vielen Empfänge angelehnt.

Filigrane Schnitzarbeiten an der Säule konnten erhalten werden.
Filigrane Schnitzarbeiten an der Säule konnten erhalten werden. Foto: Dieter Reisner
Filigrane Schnitzarbeiten an der Säule konnten erhalten werden.
Foto: Dieter Reisner

Große Fenster an der Seitenwand sowie in der großen verschiebbaren Eingangstür sorgen für Tageslicht. »Diese Fenster sind besonders«, erläutert Wurst. Sie passen sich der runden Form an und seien nicht so einfach zu bekommen. Als Bodenbelag haben sich die Verantwortlichen für Sichtestrich in Terrazzo-Optik entschieden, angelehnt an die ursprüngliche Version aus Laiblins Zeiten.

Lieblingsort für Kleinkunst

»Überwältigt vom Ergebnis« zeigt sich Britta Eichler, als sie erstmals im sanierten Pavillon steht. Die Quartierskoordinatorin des Treffpunkts Kutscherhaus hat sich gemeinsam mit dem Geschichtsverein sehr engagiert für den Erhalt eingesetzt. »Ein wahrer Schatz« sei hier entstanden, dafür brauche es »kulturkreative Strategien, um ihn mit Leben zu füllen«, so Eichler. Mit der künftigen Nutzung als »Lieblingsort für Kleinkunst« – mit Ausstellungen, Musik, Lesungen, Tee- und Kaffeestunden, Begegnungen und vielem mehr – soll an die einstige Tradition Louis Laiblins angeknüpft werden. Ein konkretes Programm allerdings gebe es noch nicht, so Eichler. Am 23. November lädt sie daher zu einer Ideenwerkstatt ins Kutscherhaus ein.

Blick auf die Laiblinsvilla: Die halbrunde Fensterfront  sowie eine verglaste Schiebetür über die ganze Breite sorgen für Licht
Blick auf die Laiblinsvilla: Die halbrunde Fensterfront sowie eine verglaste Schiebetür über die ganze Breite sorgen für Licht im Räumle. Foto: Dieter Reisner
Blick auf die Laiblinsvilla: Die halbrunde Fensterfront sowie eine verglaste Schiebetür über die ganze Breite sorgen für Licht im Räumle.
Foto: Dieter Reisner

Der Pavillon soll dazu beitragen, dass sich die Bürger noch mehr mit ihrer Stadt identifizieren. Eine, die das schon sehr lang tut, ist Waltraud Pustal. »Ich freue mich ausgesprochen und finde, es ist wirklich toll geworden.« Die Vorsitzende des Geschichtsvereins kämpft seit Jahren für den Erhalt des Kleinods und hat fleißig gesammelt. 35.553 Euro kamen bei unterschiedlichen Spenden-Aktionen zusammen, zu denen auch viele Kinder respektive Schulen beigetragen haben, etwa die Laiblinschule mit einem Spendenlauf. »Daran werden sich die Kinder noch lang erinnern«, glaubt sie und freut sich wie Bolle über das Ergebnis.

Maßnahmen zum Schutz getroffen

Die Kosten beziffert Oliver Polzin, Leiter des Fachbereichs 5 Infrastruktur und Gebäudemanagement, auf rund 170.000 Euro. In den vergangenen Jahren hat Vandalismus auch zum üblen Zustand beigetragen. In der Bauzeit sei es zu keinen weiteren Vorfällen gekommen, sagt Polzin, der optimistisch ist, auf die Akzeptanz der Menschen baut und hofft, dass nichts passiert. Gleichwohl habe die Stadt »geeignete Maßnahmen« ergriffen, unter anderem wird das Gebäude nachts beleuchtet. Genaueres zu den »geeigneten Maßnahmen« wollte der Fachbereichsleiter auf Nachfrage aber nicht sagen. Britta Eichler setzt auch auf die soziale Komponente. Die Bewohner des Samariterstifts halten ihre Augen offen. »Für sie ist das schon jetzt ein Ort, mit dem sie sich sehr identifizieren«. (GEA)