PFULLINGEN. Nach mehr als einem Jahrzehnt kellnern im Pfullinger »Klostergarten«hat sich das Duo Helmut Bachschuster und Matthias Knodel - Knoba Sörwiss - mit seinem komödienhaften Service dort etabliert. Mimik, Gestik und Spielwitz par excellence und zur Gaudi der Gäste: Zum 32. Mal - immer in der Vorweihnachtszeit an zwei Abenden hintereinander - schenken die beiden Ober dem Publikum ohne Worte ihre ganze Aufmerksamkeit. »Das ist was ganz Spezielles, das es in dieser Form nicht wieder gibt«, betont Nils Riehl. Er ist mit Hubert Himmelsbach Geschäftsführer des Hotels Restaurants »Klostergarten«, die beiden wollen dieses Event weiterhin beibehalten. »Stimmt, das ist eine tolle Sache. Nichts ist geplant und jeder Abend ist für sich was Neues, auch für uns«, gesteht Himmelsbach. Situationskomik eben, alles ohne Worte.
Während das Fünf-Gänge-Menü aufgetragen wird, haben die beiden zusätzlichen, auffällig gestylten Bedienungen allerhand zu tun. In ihren Kellnerwestchen finden sich sofort einsetzbare Utensilien, die für sie unentbehrlich sind. Modeschneiderin Nicoletta Marotta aus Reutlingen hat diese Spezial-Berufskleidung für sie entworfen und gefertigt. »Das war ein besonderer Schnitt, exakte Maßarbeit und ein Mordsaufwand«, versichert Bachschuster. In 18 eingearbeiteten Taschen bringen sie ihr Handwerkszeug griffbereit unter, was Mann eben so braucht. Dazu ein Gürtel, an dem weitere Taschen angebracht sind.
Maggifläschchen unter der Glocke
Ihre Handgriffe sitzen, wenn es darum geht, das passende Teil hervorzuzaubern, darunter Wäscheklammern, Schraubenzieher, kleine Nikoläuse, ansteckbarer Miniaturtaschenrechner, Fahrradklingel, Zange. Oder das unter einer Glocke versteckte Mini-Maggifläschchen und Rainbow-Strohhalme, das die Gäste beim Menüpunkt »Schwarzwurzelcremesuppe« verzückte. Mal eben einen Sticker aufkleben, mit einem Pinsel sauber wischen, mit einer Taschenlampe den Bierkrugfüllstand feststellen, für Lacher war gesorgt.
Mit einem Fächer - den es auch in übergroßer Ausführung gab - erfrischen sie die erhitzten und erstaunten Kunden, sehr zu deren Freude. Die Gäste hatten ihren Spaß bei den Zaubertricks und Faltkünsten von Knodel, die sein Kollege mit einem Schild »Schleimer« oder »MurXer«unterlegte.
Situationskomik, einzigartig, erstklassig
»Jeder Tisch ist anders. Je nach Publikum und wie die Leute reagieren«, stellen die beiden »Kellner« fest. Dabei ermahnen sie schon mal, das Besteck korrekt in 16 Uhr-Stellung zu bringen. »Gern gschä!«, bedankt sich Bachschuster bei Erledigung schriftlich. Bei Spanferkel-Rollbraten mit Rotkraut und Semmelknödeln legen sie nach und bringen den Knödel mit dem Löffel in die Größe, die gewünscht wird. Sie kennen die Regeln im Service. Von rechts wird serviert, die Teller in vorgeschriebene Position gebracht, ebenso die Löwenkopfterrinen.
»Ich erlebe sie heute zum vierten Mal«, erzählt Jessica Wörner. Die Knobas waren der Knüller auf ihrer Hochzeit in den Pfullinger Hallen vor einigen Jahren. »Seitdem bin ich ein Fan der beiden.« Zum ersten Mal kommen die Wölkis in den Genuss des Knoba Sörwiss. »Wir sind ganz unbedarft. Wir essen oft hier in der Gaststätte und sind dabei auf die Vorstellung aufmerksam geworden.«
Vor knapp 33 Jahren haben die Pädagogen Bachschuster und Knodel Gefallen an der Kellnerkomik gefunden und sich damit - unter anderem - selbständig gemacht. Ihr Erfolgskonzept hat sich bewährt. Sie garantieren mit ihrem Menü-Theater ein »Dinner for Two« bei Privat- und Betriebsfeiern. Sie agieren weltweit in mehreren deutschen Botschaften und im Klostergarten, oifach »o'gschwätzt international«. Am Ende gab es musikalische Einlagen, die mit »Der Reblaus« an Hans Mosers Filmzeiten erinnerten und ins viel besungene »Café Oriental« führten. Nicht ohne Gag: Bachschuster sang, Knodel begleitete mit Instrumenten - von wegen: Er ließ sie spielen, per Knopfdruck. (GEA)

