PFULLINGEN. Die Aufregung am Klostersee war dieser Tage groß und erinnerte den ein oder die andere an das Drama der Schwäne von vor zehn Jahren. Damals wurden Fritz und Gerda mitsamt ihrem Küken in eine Wildtier-Station nach Hamburg verfrachtet - aus Gründen des Tierschutzes.
Der damalige Bürgermeister Michael Schrenk hatte die Anweisung dafür gegeben - nicht zur Freude von allen. Entsetzt waren damals die Pfullinger, der Vorfall sorgte über die Region hinaus für Aufsehen. Ganz so dramatisch ist es dieses Mal nicht. Oder doch?
Brief an GEA-Redaktion
Vor einer Woche erreichte die GEA-Redaktion ein Brief über Entenküken im Klostersee-Areal. Darin schilderte der Briefschreiber Tobias Weiss deren Dilemma. Zu der Zeit zogen acht Entenküken ihre Kreise auf dem Innenstadt-Gewässerle. So niedlich, so flauschig und unsicher: Die watschelnden Winzlinge versetzten Erwachsene wie Kinder in Verzücken. Küken begeistern vermutlich jeden – in der Menschenwelt und viele auch in der Tierwelt. Aber da lauern Gefahren.

Erstens stehen sie auf der Speisekarte ganz weit oben – bei Mardern, Füchsen, Raben oder auch Graureihern. Zweitens - so blöd das klingen mag - es lauert die Gefahr im Wasser. Denn in ihrem Lebensraum – durch Menschenhand angelegt – warten Fallen wie der Abfluss des künstlichen Sees. Das reißende Wasser im schmalen Kanal wird zur tödlichen Falle.
Tödliche Falle für Winzlinge
Sie verenden dann elend im Fanggitter, das in Richtung Badstraße angebracht dafür sorgen soll, dass Treibgut nicht in die Kanalisation gelangt. Das brachte Anwohner auf den Plan. Sie griffen zum Telefon und riefen die Feuerwehr. Die Pfullinger Helfer kamen sofort, gehört doch Tierrettung zur Pflichtaufgabe der Feuerwehr, wie Kommandant Dietmar Rall betont.
Sie retteten dann die flauschigen Tiere vor dem Abfluss und somit deren Leben - vorerst. Anwohner haben zudem, laut Tobias Weiss, den Naturschutzbund informiert sowie die Stadt Pfullingen um eine Verbesserung der Situation gebeten, um die Tiere zu retten. Der Bauhof hat eine Barriere ins Wasser eingebracht, um zu verhindern, dass die Küken durch die starke Strömung im Fanggitter landen.
Feuerwehr mit »kleinem Besteck«
Die Feuerwehr rückte insgesamt sechs Mal an den Klostersee aus - »mit kleinem Besteck«, wie Kommandant Dietmar Rall sagt. Jeweils eine halbe Stunde dauerte der Einsatz der beiden hauptamtlichen Feuerwehrleute, die mit einem Sprinter angefahren sind. Doch damit waren nicht alle Gefahren beseitigt.
Am Ende bleibt allerdings offen, wohin die Küken verschwunden sind - ob im reißenden Strom oder ob doch einer oder mehrere Räuber sich die Jungtiere geholt haben. Ein Graureiher befand sich schließlich in der Nähe. Fakt ist: Gestern war kein Küken mehr zu sehen. Die Ente suchte - begleitet von Erpeln - den See nach ihrem Nachwuchs ab . Ihre Rufe blieben ungehört. Kein Küken schwamm mehr mit ihr durch den Klostersee. (GEA)




