ENINGEN. Der freiwillige kommunale Wärmeplan der Gemeinde Eningen wird in den kommenden Wochen im Rathaus öffentlich ausgelegt und auch online einsehbar sein. Das hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Eigentlich hätte die Offenlegung schon früher stattfinden sollen, »doch es gab leider einige Verzögerungen«, erklärte Simon Hummler von der Klimaschutz-Agentur des Landkreises Reutlingen den Rätinnen und Räten. Der Plan könne demnach voraussichtlich erst Mitte des kommenden Jahres fertiggestellt werden. Nun sind aber erstmal die Bürgerinnen und Bürger gefragt, ihre Meinung kundzutun und gegebenenfalls Nachfragen zu stellen.
»Wichtig ist zu erwähnen, dass alle Maßnahmen unverbindlich sind«, sagte Hummler. Ziel des kommunalen Wärmeplans sei es, dem Ziel, als Land 2040 klimaneutral zu sein, näherzukommen. Aktuell befinde man sich in Eningen am Ende der Potenzialanalyse. Diese sei es auch, die gemeinsam mit der Bestandsanalyse für die Bevölkerung ausgelegt wird.
Rund 2.000 Gasheizungen
Während der Analyse habe man sich die komplette Siedlungsfläche samt der beiden Deponieanlagen angeschaut, erklärte Hummler. Dabei sei vor allem eines deutlich geworden: »Eningen ist eine Erdgas-Gemeinde.« In der Achalmgemeinde gebe es rund 2.000 Gasheizungen und 500 Ölheizungen, die bis 2040 ausgetauscht werden sollten. »Vor allem deshalb, weil Erdgas und Heizöl größtenteils für die Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind.« Die Eninger sollen eher auf Stromheizungen setzen, erklärte der Experte. Der Grund: Stromheizungen seien günstiger und können auch mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.
Vor allem im Ausbau von Windkraft und Photovoltaik-Anlagen sowie in energetischen Sanierungen sieht Hummler ein enormes Potenzial für die Achalmgemeinde. »In Sachen Windkraft sind Sie ja schon auf dem richtigen Weg«, doch auch die Möglichkeit, mehr PV-Anlagen - auch auf privaten Häusern - zu verbauen, müsse in Betracht gezogen und verfolgt werden, appellierte er fast schon an die Räte und die Gemeindeverwaltung.
Fünf potenzielle Wärmenetzgebiete
Während der Untersuchungen haben sich fünf potenzielle Wärmenetzgebiete, die aktuell einen hohen Wärmebedarf aufweisen, herauskristallisiert: die Ortsmitte rund um das »neue« Rathaus, rund um das »Möve-Areal«, rund um die Achalmschule, an den Trassenhäusern im Osten Eningens und im Industriegebiet am Arbach. »Doch für keines der Gebiete ist eine konkrete Aussage möglich, ob und inwiefern ein Wärmenetz realisiert werden kann«, erklärte Hummler. Pauschale Empfehlungen seien allgemein schwierig, »weil jedes Gebäude anders ist«. Man wisse nicht, was Eigentümer geplant oder schon umgesetzt haben.
»Sollten wir die Gasversorgung dann eigentlich zurückbauen?«, fragte sich Joachim Sabieraj (CDU) in Anbetracht der Empfehlung, auf Stromheizungen umzustellen. Das sei tatsächlich genau die Frage, die sich die Gemeindewerke in den kommenden Jahren stellen müsse, stimmte ihm Bürgermeister Eric Sindek zu. Florian Weller (CDU) appellierte an die Klimaschutz-Agentur, realistische Maßnahmen aufzustellen: »Es ist wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, aber nicht jeder hat die Möglichkeit und Ressourcen, von heute auf morgen auf eine Stromheizung umzustellen.« Dem stimmte auch Bürgermeister Sindek zu.
Rege Bürgerbeteiligung wichtig
»Die konkreten Zielszenarien werden erst später erstellt«, erklärte Hummler. Bisher werde dafür die Planungsgrundlage geschaffen, in der natürlich alle möglichen Maßnahmen abgebildet seien. »Es ist daher auch wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger sich rege beteiligen und ihre Meinung kundtun, damit wir realistische Maßnahmen festlegen können.« Sindek betonte an der Stelle noch einmal, dass der Maßnahmenkatalog noch freiwillig sei, bisher müsse keiner diesen umsetzen.
»Die Finanzkraft der Bürger darf auf keinen Fall außer Acht gelassen werden«, meldete sich Sabieraj nochmal zu Wort und fragt nach der Amortisation, also danach, wann die Aufwendungen durch Erträge gedeckt seien. »Innerhalb von 15 bis 20 Jahren amortisiert sich das Ganze«, sagte Hummler. Daher findet er die Umstellung aus finanzwirtschaftlicher Sicht nicht nur empfehlenswert, sondern fast schon zwingend. Dass die Realität anders aussehe, erklärte Martin Desczyk (CDU): Die Bevölkerung wird immer älter, daher interessiere die Amortisierung wahrscheinlich wenige. »Außerdem lässt sich gerade einer Gas in seine Wohnung legen.« Das Thema vom CO2 herunterzukommen, sei aber wichtiger, als alles andere, findet Regine Gorgas (GAL). »Die wichtigste Kosten-Frage ist doch: Was kostet es uns als Gesellschaft, wenn wir es nicht schaffen, klimaneutral zu werden?« (GEA)
Kommunale Wärmeplanung
Ein kommunaler Wärmeplan bildet die Grundlage, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen, heißt es auf der Webseite des baden-württembergischen Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Mithilfe dieses Fahrplans sollen die Gemeinden die richtigen Entscheidungen treffen, um dies zu erreichen. Genauso soll er aber auch Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und andere lokale Akteure bei ihrer individuellen Entscheidung unterstützen - beispielsweise bei der Frage danach, welche Heiztechnologie für ihr jeweilige Gebäude am besten geeignet ist. Das allgemeine Ziel ist es, als Land 2040 klimaneutral zu sein. (GEA)

