LICHTENSTEIN. Vor zwanzig Jahren, am 26. April 1999, haben Dr. Martin Schmid, Eberhard Vöhringer und Karl-Wilhelm Röhm als CDU-Mitglieder im Landkreis Reutlingen den Arbeitskreis (AK) »Christ und Politik« aus der Taufe gehoben. Schmid und Vöhringer sind heute noch das AK-Leitungsduo. Sie hatten auch die Feier zum 20-jährigen Bestehen am Freitagabend vorbereitet. Für ihr langjähriges Engagement wurden sie von höchster Stelle mit einer Urkunde geehrt: von Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobel sowie der CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Der CDU-Kreisvorsitzende Manuel Hailfinger überreichte den beiden engagierten Christen nach einem Gottesdienst im evangelischen Gemeindehaus in Unterhausen die gerahmte Ehrungsurkunde.
Steigende Mitgliederzahl
Den Anlass für die Gründung des Arbeitskreises erklärt Schmid auf Nachfrage so: »Nach einer Analyse der Bundestagswahl im Jahr 1998 hatten wir Verluste vor allem in den christlich geprägten Gebieten auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben registriert.« Deshalb habe man überlegt und sei zu der Erkenntnis gekommen, »dass die christlichen Wähler nicht sich selbst überlassen werden sollten«. Die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte und Ziele der CDU sollte Programm werden. »Das Besondere war, dass wir sowohl die evangelischen wie auch die katholischen Christen ansprachen und mit ins Boot holten«, so Schmid.
Momentan beteiligen sich nach den Worten des Vorsitzenden 84 Mitglieder am Arbeitskreis. »Mit steigender Tendenz«, freute sich Schmid, »und das trotz zunehmender Kirchen- und Parteiaustritte.« Wesentliche Bestandteile der 20-jährigen AK-Tätigkeit seien die Einkehrwochenenden alle zwei Jahre gewesen, bei denen Bibelarbeiten und Besinnung auf dem Programm standen.
»Und es gab prominente Vortragsreihen«, erinnerte der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Ernst-Reinhard Beck in seinem Kurz-Impuls. Günther Oettinger etwa sei zu Gast gewesen, viele andere Fachleute sprachen zu Themen wie Stammzellenforschung, Wertewandel, Palliativmedizin und einige mehr, führte Beck weiter aus.
Einen weiteren prominenten Gastredner gab es am Freitagabend in Unterhausen: Volker Kauder, der seit 1990 Mitglied im Deutschen Bundestag ist und zwischen 2005 und 2018 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war. Auf die Forderungen auch aus seiner eigenen Partei heraus, die CDU müsse nach den katastrophalen Stimmverlusten bei der Europawahl im Mai dieses Jahres wieder konservativer werden, entgegnete Kauder: »Das C in unserer Partei muss wieder stärker betont werden – das wollten aber viel zu wenige hören.« Diejenigen, die mehr Konservatismus forderten, hätten doch gar keine Antwort darauf, was konservativ überhaupt bedeute. »Bei denen ist das ein undefinierbarer Brei«, stellte er in seiner Rede fest.
Dem »C als Kompass in einer säkularen Gesellschaft« wieder größere Bedeutung zu verschaffen, das bedeute dagegen, »Politik auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes« zu führen, so Kauder. Zur Erläuterung zitierte er »den wohl bedeutendsten CDU-Generalsekretär« Heiner Geißler: »Der Mensch, so wie er geht und steht, ist der wahre Mensch.«
Abgrenzen zur AfD
Ein eigentlich selbstverständlicher Satz? »Eben nicht«, schob Kauder sofort nach und verwies dabei etwa auf das Menschenbild in der Zeit des Nationalsozialismus. »Das christliche Menschenbild hingegen bedeutet, dass jeder Mensch das Ebenbild Gottes ist«, also auch alle Flüchtlinge. »Das C bedeutet aber nicht, dass wir alle aufnehmen müssen«, schränkte Kauder sogleich wieder ein. Denn diejenigen, die »allein aus wirtschaftlichen Gründen« kommen würden, müssten wieder zurückgeschickt werden.
Und was empfiehlt er angesichts der zunehmenden Schwäche der CDU? »Wir werden die Wähler, die wir an die AfD verloren haben, nicht zurückgewinnen, wenn wir genauso scharf oder noch schärfer reden«, betonte Kauder. Sind die Grünen eine Konkurrenz? Da müsse die Antwort der CDU lauten: »Wir müssen nur die Bewahrung der Schöpfung anführen und dabei die Grünen sowie den Klimawandel gar nicht erst erwähnen.« (nol)

