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Beschluss: Regional-Stadtbahn wird auf der Alten Bahntrasse durch Pfullingen fahren

Der Pfullinger Gemeinderat hat beschlossen, dass die Regional-Stadtbahn auf der Alten Bahntrasse fahren soll. Kurz vor der Entscheidung wurden noch einmal die Standpunkte der Räte offensichtlich.

Die Regional-Stadtbahn wird auf der Alten Bahntrasse durch die Echazstadt fahren. Einen Halt wird es am alten Bahnhof geben.
Die Regional-Stadtbahn wird auf der Alten Bahntrasse durch die Echazstadt fahren. Einen Halt wird es am alten Bahnhof geben. Foto: LGL, Visualisierung: optify GmbH
Die Regional-Stadtbahn wird auf der Alten Bahntrasse durch die Echazstadt fahren. Einen Halt wird es am alten Bahnhof geben.
Foto: LGL, Visualisierung: optify GmbH

PFULLINGEN. Es ist entschieden: Die Regional-Stadtbahn (RSB) soll auf der Alten Bahntrasse durch Pfullingen fahren. Das haben die Stadträtinnen und Stadträte in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend mehrheitlich beschlossen. Der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar Alb kann nun weitere Planungen für die Strecke vom Südbahnhof auf der alten Bahntrasse am Stadtkern vorbei in Richtung ehemalige Gärtnerei Hortense in Angriff nehmen und diese konkretisieren.

Zwei Varianten standen zur Wahl: die »Alte Bahntrasse« und die »Innenstadttrasse«. Die Diskussion um die Varianten hatte in den vergangenen Monaten Wellen geschlagen und es wurde sowohl im Gemeinderat als auch in der Öffentlichkeit hitzig debattiert. Rund 150 Pfullingerinnen und Pfullinger waren am Dienstabend ins Kulturhaus Klosterkirche gekommen, um die Abstimmung zu verfolgen. Eine »beeindruckende Kulisse«, wie Bürgermeister Stefan Wörner zu Beginn sagte.

Offene Fragen sollten geklärt werden

2019 hatte sich der Gemeinderat mehrheitlich positiv gegenüber der Stadtbahn ausgesprochen und im Juli 2023 für eine ergebnisoffene Prüfung der Varianten »Alte Bahntrasse« und »Innenstadttrasse« gestimmt. Schon damals hatten sich einige Stadträte sowohl mit Zweifeln an dem Projekt RSB als auch mit direktem Zuspruch für eine Trasse geäußert. Schon damals machte Bürgermeister Wörner keinen Hehl daraus, dass er die Innenstadttrasse bevorzugt. Mit der Verkündung der Ergebnisse aus der Machbarkeitsstudie zur RSB Anfang des Jahres geriet das Projekt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Das Thema beschäftigte die ganze Stadt: Wo man hinhörte, wurden Für und Wider der einzelnen Trassenvarianten gegenübergestellt.

Zur Abstimmung der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend lag der Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung vor. »Der Gemeinderat beschließt, die Innenstadttrasse als Vorzugstrasse für die weitere Planung (Vorplanung) zu Grunde zu legen«, heißt es in der Drucksache. »Diese Entscheidung ist ein Schlüsselmoment für Pfullingen«, eröffnete der Bürgermeister die Rednerrunde. Es werde die Frage nach der besten RSB-Trasse beantwortet und etwas entschieden, dass die Stadt für Jahrzehnte präge.

Entscheidung der Mehrheit akzeptieren

»Natürlich kostet die Umsetzung Geld«, die Summen wolle er nicht kleinreden und ihm sei auch klar, dass es zu »beachtlichen Einschränkungen in Pfullingen« kommen werde, bis die Stadtbahn fahre. »Doch wir müssen uns auf den Nutzen der Bahn für den späteren Betrieb konzentrieren.« Wörner erklärte, dass die Innenstadttrasse immer noch sein Favorit sei, sprach ausführlich über deren Vorteile und auch darüber, dass der Jugendgemeinderat sich für diese stark gemacht hatte. Er wisse aber, dass es viele Argumente für die eine und auch ebenso viele Argumente für die andere Variante gebe. Er werde die Entscheidung der Mehrheit akzeptieren und auch, im Sinne der Demokratie, nach außen vertreten. »Ich werde die Umsetzung der gewählten Trasse begleiten«, versprach er.

Rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer hat es zur Trassenentscheidung in das Kulturhaus Klosterkirche gezogen.
Rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer hat es zur Trassenentscheidung in das Kulturhaus Klosterkirche gezogen. Foto: Sautter
Rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer hat es zur Trassenentscheidung in das Kulturhaus Klosterkirche gezogen.
Foto: Sautter

Zu Beginn seines Statements stellte der UWV-Vorsitzende Stephan Wörner klar, dass es in der Entscheidung keinen Fraktionszwang gebe. Das hielten im Übrigen die anderen Fraktionen genau so. »Wir wollen das Beste für Pfullingen herausholen«, sagte Wörner. Das könne jedoch nur funktionieren, wenn nach der Entscheidung auch alle an einem Strang ziehen. »Wir als UWV werden ab dem Moment, wenn die Entscheidung für eine Trasse gefällt wurde, diese auch unterstützen.« Und das sollten seine Ratskollegen auch. Dem schloss sich Britta Wayand (FWV) an: Trotz der hitzigen Diskussionen sollten sich alle nach der Entscheidung weiterhin in die Augen schauen und miteinander sprechen können. Sie selbst werde für die Alte Bahntrasse stimmen, aus verschiedenen Gründen. »Die Regional-Stadtbahn soll die Regionen erschließen« und das könne sie durch die Innenstadt nicht. Zudem sind Wayand die Stimmen der Händler am Lindenplatz, die sich gegen die Innenstadttrasse ausgesprochen hatten, wichtig und auch der vom Zweckverband errechnete Nutzen-Kosten-Faktor, der bei der alten Bahntrasse besser ausfällt.

Fakten von allen Seiten beleuchtet

»Diese Entscheidung wird die Stadt grundlegend verändern«, eröffnete Timo Plankenhorn (CDU) sein Statement. Nicht umsonst sei intensiv diskutiert und die Fakten von allen Seiten beleuchtet worden. »Wir als CDU sind grundsätzlich für den Bau der Regional-Stadtbahn, als Chance für Pfullingen und die Region.« Doch die RSB könne ihr Potenzial erst entwickeln, wenn die Bürger sie auch annehme, mahnte Plankenhorn. Für Martin Fink (UWV) gebe es immer noch zu viele offene Fragen, doch er wolle trotzdem eine Entscheidung treffen. »In Pfullingen und der Region braucht es einen zukunftsfähigen ÖPNV.« Er persönlich wähle daher aus Überzeugung die Innenstadttrasse, nicht zuletzt, da sich auch die Jugend für sie ausgesprochen habe.

Die beiden Trassenvarianten im Überblick.
Die beiden Trassenvarianten im Überblick. Foto: Zweckverband Regional-Stadtbahn
Die beiden Trassenvarianten im Überblick.
Foto: Zweckverband Regional-Stadtbahn

»Endlich stimmen wir heute ab«, sagte Klaus-Jürgen Michalik (FWV). »Wir haben es uns nicht leicht gemacht und das Für und Wider ausführlich besprochen.« Nun werde es aber auch Zeit, wieder zu einer weniger emotionsgeladenen Realität zurückzukehren. Er werde für die Alte Bahntrasse stimmen und verwies auf die jüngste Sperrung des Ursulabergtunnels und das dadurch entstandene Verkehrschaos in der Innenstadt. »Wenn dann noch eine Stadtbahn fährt, dann geht gar nichts.« Auch die SPD-Fraktion habe sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und werde für die alte Bahntrasse stimmen, sagte Walter Fromm (SPD). Vor allem deshalb, weil das Nutzen-Kosten-Verhältnis eindeutig für sie spreche und es viele weitere Vorteile gebe.

Geringe Kosten und geringer Bauaufwand

Traude Koch sprach für ihre GAL-Kolleginnen, die sich für die Innenstadttrasse aussprachen. Klare Vorteile seien für sie die geringeren Kosten und der geringere Aufwand, da keine Brücken gebaut werden müssten. Sie appellierte an die Händlerinnen und Händler am Lindenplatz, sich im Gewerbe- und Handelsverein zu engagieren und legte ihnen nahe, sich über die RSB-Haltestelle direkt vor der Haustür zu freuen. »Die Innenstadttrasse kann die Stadt mit Leuten und Leben füllen, daher stimmen wir dafür.«

Bei 13 Gegenstimmen, 9 Ja-Stimmen und einer Enthaltung, wurde der Beschlussvorschlag der Stadt mehrheitlich abgelehnt. Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung, die von den Fraktionen gewünscht wurde, wurde ein neuer Beschlussvorschlag zur Abstimmung vorgelegt: »Der Gemeinderat beschließt, die Alte Bahntrasse als Vorzugsvariante für die weiteren Planungen (Vorplanungen) zugrunde zu legen.« Dieser wurde schließlich mit 14 Ja-Stimmen, 4 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen mehrheitlich beschlossen.

Neues Kapitel aufgeschlagen

Mit der Entscheidung wurde nicht nur ein Kapitel abgeschlossen, sondern auch ein neues aufgeschlagen, schloss Bürgermeister Wörner in einer kurzen Rede den Tagesordnungspunkt: »Die Regional-Stadtbahn ist ein Generationenprojekt. Sie wird dazu beitragen, die Mobilitätswende in unserer Region Wirklichkeit werden zu lassen – mit verlässlichen, leistungsfähigen und klimafreundlichen Verkehrssystemen.« Die Entscheidung sei keine einfache gewesen, aber eine ehrliche, verantwortungsbewusste und zukunftsorientierte. »Packen wir es nun gemeinsam an, damit wir das Beste für Pfullingen daraus machen.«

Der Beschluss des Pfullinger Gemeinderats sei ein wichtiger Meilenstein für den Ausbau der Regional-Stadtbahn im Landkreis Reutlingen gewesen, schrieb Dr. Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb zur Entscheidung. »Mit der Wahl der Alten Bahntrasse setzt die Stadt auf die Lösung, die mit einer kürzeren Fahrzeit und geringeren Folgekosten in Bezug auf Betrieb und Instandhaltung verbunden ist.« Diese Trasse würde die ÖPNV-Anbindung der Pfullinger Oststadt verbessern und eine attraktive Alternative für Berufspendler zwischen Engstingen und Reutlingen darstellen. »Der Zweckverband wird den weiteren Planungsprozess gemeinsam mit der Stadt Pfullingen und dem Landkreis Reutlingen zügig voranbringen.« Ziel sei es, die Vorplanung im Frühjahr 2026 abzuschließen. (GEA)

Wer wofür stimmte

Auf welcher Trasse die Regional-Stadtbahn durch Pfullingen fährt, ist entschieden. Wer wofür stimmte:

Für die Innenstadttrasse stimmten Timo Plankenhorn (CDU), Meike Schmied (CDU), Felix Mayer (CDU), Hannes Mollenkopf (FWV), Martin Fink (UWV), Traude Koch (GAL), Anke Burgemeister (GAL), Dr. Antje Schöler (GAL) und Bürgermeister Wörner. Gegen die Innenstadttrasse stimmten Gerd Mollenkopf (CDU), Marcel Renz (CDU), Britta Wayand (FWV), Christine Böhmler (FWV), Klaus-Jürgen Michalik (FWV), Christine Zössmayr (FWV), Stephan Wörner (UWV), Ute Jestädt (UWV), Bernd Mollenkopf (UWV), Sven Hagmaier (UWV), Thomas Mürdter (SPD), Walter Fromm (SPD) und Berkay Temelli (SPD). Sandra Bertsch (UWV) enthielt sich.

Für die Alte Bahntrasse stimmten Gerd Mollenkopf, Marcel Renz, Britta Wayand, Christine Böhmler, Klaus-Jürgen Michalik, Hannes Mollenkopf, Christine Zössmayr, Stephan Wörner, Ute Jestädt, Bernd Mollenkopf, Sven Hagmaier, Thomas Mürdter, Walter Fromm und Berkay Temelli. Gegen die Alte Bahntrasse stimmten Timo Plankenhorn, Meike Schmied, Felix Mayer und Martin Fink. Enthalten hatten sich Sandra Bertsch, Traude Koch, Anke Burgemeister, Dr. Antje Schöler und Bürgermeister Wörner. (GEA)