PFULLINGEN. Es ist ein ungewöhnlich schöner Platz: Laiblinsvilla und der dazugehörige Park sind schon immer ein Anziehungspunkt und auch Aushängeschild der Stadt Pfullingen gewesen. Derzeit trübt allerdings ein Bauzaun um den Pavillon das Ensemble. Man sieht nicht viel von dem besonderen kleinen runden Haus mit seinem Kuppeldach und der Fledermaus-Gaube über dem Eingang, die so heißt, weil sie so elegant geschwungen ist.
Ein Gerüst umzäunt weiträumig den kleinen Bau, der einen Außendurchmesser von gerade einmal fünf Meter hat. Die Wände im Innenraum sind mit einer Folie abgedeckt, ein paar Gucklöcher lassen erahnen, was da noch an Schätzen verborgen ist. Etwa eine Holzwandvertäfelung oder ein filigran gefertigter Holzsstützpfeiler mit Figuren, der an antike Säulen erinnert. Das Dach ist in Kuppelform, es erinnert innen an einen sakralen Bau. Von einer »komplex räumlichen Form« spricht der leitende Architekt Eberhard Wurst, es sei schwierig, es wieder in der Art wie vorher, wiederherzustellen, aber nicht unmöglich. »Die Hauptaufgabe bei so einem Gebäude ist, so viel Substanz wie möglich zu erhalten«, erläutert er. 10 bis 15 Prozent des vorhandenen Materials konnten wieder verwendet werden.
Ende April gab's grünes Licht vom Landesdenkmalamt
Ende April hat das Landesdenkmalamt grünes Licht für die Restaurierung gegeben, seit Anfang Mai sind die Handwerker zu Gange. Die Pfullinger Zimmerei Renz ist für die Dachkonstruktion zuständig. 30 geschwungene Sparren bilden das Gerüst für die Kuppel, die Handwerker haben sie in ihrer Werkstatt vorgefertigt. Zwei Sparren konnten erhalten werden, vier restauriert, den Rest haben die Zimmerleute erneuert.

Das Holz wie auch Teile des Tragwerks sind Opfer der Witterung, aber auch von Vandalismus geworden, wie Oliver Polzin und Annika Haase, beide vom Fachbereichs 5 Infrastruktur und Gebäudemanagement, deutlich machen. Derzeit sind die Gipser am Werk. Der Traufsims, so Haase, die federführend die Restaurierung leitet, sei teilweise ausgebrochen. Danach beginnen die Flaschnerarbeiten.
Haube aus Kupfer in Streifen verlegt
Das Dach erhält eine Haube aus Kupfer. Flaschner Stefan Künstle aus Altenburg, der schon einige Restaurationen gemacht hat, führt die Arbeiten aus. Das Dach soll wie im Urzustand zur Eröffnung 1912 eingedeckt werden. Dabei wird das Kupfer in Streifen rund um die Kuppel verlegt. Im Innenraum warten ebenfalls noch Gipserarbeiten und der Schreiner kommt zum Einsatz. Wegen der »komplizierten Form« bedarf es bei allem ein besonderes Fingerspitzengefühl, was aber dem Architekten kein Kopfzerbrechen bereitet.

Bis Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann erstrahlt der Pavillon wieder in vollem Glanze und ist bereit für viele Nutzungsmöglichkeiten. Britta Eichler, Quartierskoordinatorin vom Treffpunkt Kutscherhaus, die sich bislang sehr für den Erhalt des Pavillon gemeinsam mit dem Geschichtsverein eingesetzt hat, spricht von einem wunderbaren Schmuckstück in Pfullingen. Hier soll »ein lebenswerter Lieblingsort« entstehen. Es könnten Miniausstellungen darin stattfinden, es kann, zeitlich begrenzt, »als Zentrum eines Cafés dienen, als Selfiepoint oder als Fotomotiv für Hochzeitspaare«. Sie fordert die Bürger auf, sich mit Ideen zur Nutzung einzubringen. »Ich bin gespannt.«
35.553 Euro Spenden gesammelt
Die Kosten für die Restaurierung belaufen sich auf rund 150.000 Euro, sagt Oliver Polzin. Abzüglich der Spenden, die der Geschichtsverein in den vergangenen Monaten eingesammelt hat. 35.553 Euro sind durch verschiedene Aktionen, viele mit Schulen, sowie Einzelspenden zusammengekommen. Die Vorsitzende des Geschichtsvereins, Waltraud Pustal, hatte schon früh für einen Erhalt geworben und viel Herzblut in Aktionen gesteckt. »Wir haben das Spendenziel um 4.553 Euro übertroffen«, freut sich die Professorin. Sie wünscht sich am Ende der Arbeiten ein schönes Fest, »um der Öffentlichkeit, die sich hier mit Spenden sehr engagiert hat und interessiert ist, etwas zurückzugeben«, das dann auch Bestand hat. Der Vandalismus macht den Verantwortlichen nämlich noch Kopfzerbrechen. »Wir prüfen, ob wir um den Pavillon eine Kameraüberwachung einrichten. Wir müssen da eine Lösung finden. Das wird allerdings den Zugang einschränken«, kündigt Oliver Polzin an. (GEA)

