LICHTENSTEIN-UNTERHAUSEN. Restlos gefüllt war der Saal des evangelischen Gemeindehauses Unterhausen, als am Samstagabend die Ortsgruppe Unterhausen des Schwäbischen Albvereins ihr 130-jähriges Bestehen feierte. Viele gute Ideen, wie beispielsweise ein Familienwandertag, sorgen dafür, dass der Nachwuchs nicht ausbleibt. »Darüber muss sich der Verein keine Gedanken machen«, lobte die Gauvorsitzende Doris Sautter. Und dass die Ortsgruppe fit hält, konnten die Gäste an Willi Christner sehen, der dem Verein bereits seit 75 Jahren angehört, inzwischen die 90 erreicht hat und immer noch regelmäßig ausgedehnte Wanderungen unternimmt. Die musikalische Umrahmung des Abends übernahm mit Schwung und Humor Peter Blötscher am Klavier.
Willi Burger, der gemeinsam mit Dr. Martin Schmid an der Spitze der Ortsgruppe steht, begrüßte die Gäste, darunter den ehemaligen Vorsitzenden Peter Haag sowie Vertreter aus Ortsgruppen in der Nachbarschaft. »Eigentlich wollten wir 125 Jahre groß feiern, alles war geplant, und dann kam Corona«, berichtete Burger. Umso begeisterter wolle man jetzt die 130 Jahre begehen. »Wir sind zwar keine Jugendgruppe mehr, aber brauchen uns auch nicht zu verstecken und sind dabei, unsere Traditionen fortzusetzen.«
Mitglieder übernehmen Verantwortung
»130 Jahre, das bedeutet eine die Generationen überspannende Aktivität«, betonte Bürgermeister Peter Nußbaum in seinem Grußwort und dankte für das ehrenamtliche Engagement. 1888 sei im Plochingen Waldhornbräu der Albverein gegründet worden, dessen Ideen sich rasch im Ländle verbreiteten. »Wir alle teilen eine einzigartige Landschaft. Die Ortsgruppe Unterhausen hat einen großen Anteil daran, dass wir sie durch verschiedene Aktivitäten besonders intensiv erleben können.« Dazu gehöre die Instandhaltung der Wege, die Ausbildung von Wanderführern, der Naturschutz oder Rad- und Wandergruppen. Viele jüngere Mitglieder übernähmen schon früh Verantwortung. »Die Ortsgruppe ist sehr erfolgreich in der Nachwuchsgewinnung.« Eine Gründung sei das eine, aber eine Beständigkeit über so einen langen Zeitraum sehr bemerkenswert.
»Die Ortsgruppe verkörpert beispielhaft die drei Säulen des Albvereins: Natur, Heimat und Wandern,« sagte Doris Sautter. Viele Mitglieder setzten sich mit Hingabe dafür ein. »Ich wünsche Euch weiterhin Mut und ein herzliches 'Glück auf' für die kommenden Jahre.« Die Gauvorsitzende übergab den beiden Vorsitzenden die Urkunde des Schwäbischen Albvereins.
Bilder von Peter Haag und ein Bericht von Martin Schmidt und Ute Scheiter gaben einen anschaulichen Rückblick auf die lange Vereinsgeschichte mit Gruppen, Aktionen und Ausflügen. Günther Frick und Gerd Lindemann vom Heimat- und Geschichtsverein hatten einen großartigen Vortrag über Unterhausen im Jahr 1895 zusammengestellt. Lindemann verdeutlichte den Umbruch, den Dörfer wie Unterhausen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Industrielle Revolution erlebten. Zuvor waren Kirchen und Schulen die Zentren des Miteinanders gewesen, jetzt wurden es die Vereine, die sich für die Allgemeinheit einsetzten.
Um Tradition ging es auch bei der Tanzvorführung der Trachtengruppe des Albvereins Betzingen. Sie hatte nicht nur Livemusik und Tänze wie eine »Schwäbische Tanzfolge« mitgebracht, sondern erläuterte auch die Bedeutung der Trachtbestandteile.
Von den Geehrten kam als einziger Willy Christner auf die Bühne und erhielt die Ehrennadel für 75 Jahre Mitgliedschaft. Auf eine ebenso lange Zeit kann Ruth Bader zurückblicken. Klaus Eißler ist seit 60 Jahren aktiv dabei, Diethard Kleiner und Annemarie Traub sind es seit 40 Jahren. Für 25 Jahre wurde Pejo Neretlyak geehrt. (GEA)


