PFULLINGEN. Das Maustäle an der Stuhlsteige ist steil, felsig, unwegsam und abgelegen. Nicht gut, wenn man dort verunglückt, insbesondere, wenn es dunkel wird. Genau deshalb hatten die DRK Bergwacht Pfullingen und die Höhenrettung der Pfullinger Feuerwehr am Donnerstagabend ihre gemeinsame Jahreshauptübung dorthin verlegt. Jeweils mit drei Einsatzwagen waren die Teams angerückt. Um die Rettung so realistisch wie möglich durchzuführen, waren nur wenige in den Übungsfall eingeweiht.
Yannic Klötzl, Technischer Leitung der Bergwacht und Organisator der Übung, erläuterte die Szenerie. »Zwei Waldarbeiter haben im Maustäle Sturmholz beseitigt, doch ein Baumstamm stand unter starker Spannung. Er schnellte hoch und traf einen der Arbeiter, der sich einen Schulterbruch zuzog.« Den Zweiten erwischte es noch heftiger. »Er geriet direkt unter den Baumstamm und zog sich einen Beckenbruch mit hohem Blutverlust zu«, so Klötzl. Zum Glück hätten die beiden noch einen Notruf unter der Telefonnummer 112 absetzen können. Zwei junge Mitglieder der Bergwacht stellten sich als »Opfer« zur Verfügung und legten sich in eine Kuhle unter dem Baum. Als kleine Erleichterung durften sie weiche Decken mitnehmen.
Schnell nahte Rettung. Die Einsatzwagen fuhren in den Wald hinauf, die Einsatzkräfte mussten allerdings das letzte Stück zu Fuß zurücklegten, sie checkten die Lage, bevor sie tätig wurden. Mit einem Druckluftkissen wurde der Baumstamm angehoben. Dem schwer Verunglückten wurde das Becken mit einer Beckenschlinge zusammengezogen, um weitere Einblutungen zu vermeiden. Während die Feuerwehr mehr für die Technik bei der Bergung zuständig war, kümmerte sich die Bergwacht um den medizinischen Teil sowie den Abtransport.
Übung dient auch dem gegenseitigen Kennenlernen
Die Übung verlief reibungslos, alles ging Hand in Hand. Auch das Ausleuchten klappte, denn während auf den Wiesen noch die Sonne schien, war es im Wald schon recht dunkel. »Wir hätten die Übung auch bei Regen durchgeführt«, meinte Klötzl. »Aber die Eigensicherheit steht natürlich immer an erster Stelle.«
Die Jahresübung wird jährlich von Feuerwehr und Bergwacht abwechselnd organisiert. »Bei der Bergwacht geht es eher in die unwegsame Natur, bei der Feuerwehr in den urbanen Raum auf die Dächer oder in große Höhe«, schildert Andreas Dillmann von der Bergwacht. Weil man sich auch in realen Einsätzen gegenseitig unterstütze, solle die Übung auch dazu dienen, sich gegenseitig und auch die Gerätschaften der anderen Trupps kennenzulernen. Denn im Notfall müsse alles so schnell wie möglich gehen.
Am häufigsten beträfen Notfälle Wanderer und Radfahrer. »Sie schätzen die Situation falsch ein oder verlassen sich zu sehr auf Ausflugs-Apps, die zwar zu 95 Prozent stimmen, aber nicht die persönliche Aufmerksamkeit ersetzen«, erklärt Dillmann. Wer einen Notruf absetze, lande über die 112 bei der Leitstelle Reutlingen, die dann die richtigen Stellen informiere. Sie setzen alles daran, zu helfen.
Indessen wurde vor rund anderthalb Jahren auch die interne App »Alamos« geschaffen. »Sie ist verknüpft mit Google Maps und zeigt allen auf einen Blick die Unglücksstelle und auch, wer noch am Einsatz beteiligt ist«, erläutert Dillmann. Das alles funktioniere freilich nur, wenn man - wie häufig auf der Alb oder am Trauf - nicht gerade in einem Funkloch stecke. (GEA)


