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Das sagen Händler am Pfullinger Lindenplatz zur Regional-Stadtbahn

Das Thema kam in der jüngsten Pfullinger Gemeinderatssitzung auf: Die Händler am Lindenplatz seien wohl gegen eine Regional-Stadtbahntrasse durch die Innenstadt. Der GEA hat sie nach ihrer Meinung befragt.

Ganz schön eng: Die Händler am Lindenplatz haben Sorge, dass, wenn die Regional-Stadtbahn über die Innenstadttrasse rollen sollt
Ganz schön eng: Die Händler am Lindenplatz haben Sorge, dass, wenn die Regional-Stadtbahn über die Innenstadttrasse rollen sollte, noch weniger Platz für Autos, den Krankenwagen oder die Feuerwehr bliebe. Foto: Sautter
Ganz schön eng: Die Händler am Lindenplatz haben Sorge, dass, wenn die Regional-Stadtbahn über die Innenstadttrasse rollen sollte, noch weniger Platz für Autos, den Krankenwagen oder die Feuerwehr bliebe.
Foto: Sautter

PFULLINGEN. Die Debatte um die Regional-Stadtbahn (RSB) schlägt in Pfullingen Wellen. Noch ist nicht klar, auf welcher Trasse sie durch die Echazstadt fahren wird - entweder durch die Innenstadt oder auf der alten Bahntrasse, das entscheidet sich in der kommenden Woche. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatten die Stadträtinnen und Stadträte noch einmal Gelegenheit, ihre eigene und auch die Meinung anderer der Stadtverwaltung mitzuteilen. Genau das tat unter anderem Klaus-Jürgen Michalik (FWV): Er habe im Vorfeld mit ein zwei Händlern am Lindenplatz gesprochen, die befürchten, dass sie, wenn die RSB durch die Innenstadt fährt, ihre Läden dichtmachen können. Der GEA hat daher bei einigen von ihnen nachgehakt.

»Wir rechnen vor allem dann, wenn gebaut wird, mit massiven Umsatzeinbußen«, sagt Sandy Jones, Leiterin der Oskar Zeeb Filiale. Sie persönlich findet das Projekt Regional-Stadtbahn gut, aber aus geschäftlicher Sicht macht sie sich doch etwas Sorgen, weil Baustellen nie gut fürs Geschäft seien. Jones könnte sich die Trassenführung über die alte Bahntrasse besser vorstellen. »Die Kunden finden dann schon ihren Weg zu uns und die Stadtbahn könnte das Areal dort rund um den alten Bahnhof vielleicht auch etwas beleben.«

»Wir rechnen vor allem dann, wenn gebaut wird, mit massiven Umsatzeinbußen«

Murat Bolat, Inhaber des Obst- und Gemüseladens, wird oft auf das Thema Regional-Stadtbahn angesprochen - nicht nur ihn, auch seine Kunden treibt das Thema um. Vor allem die wegfallenden Parkplätze bereiten Sorgen. Bolat fällt dazu nur eines ein: »Viel Parkplatz, viel Leben. Wenig Parkplatz, wenig Leben.« Seine Kunden stellen ihr Auto direkt vor seinem Laden ab, kaufen ein und fahren wieder weg. »Da sind auch viele ältere Menschen dabei, die können ihr Obst und Gemüse einfach nicht mehr so weit tragen. Die müssen ihren Einkauf mit dem Auto erledigen.«

Seit 19 Jahren betreibt Bolat seinen Laden, hat schon einiges mitgemacht und überstanden. »Ich erinnere mich noch gut daran, wie das war, als vor ein paar Jahren die Kanalarbeiten stattfanden.« Nicht nur er, auch viele andere um ihn herum hätten massivste Umsatzeinbußen gehabt, weil die Menschen aufgrund der Baustelle die Läden nicht gut erreichen konnten. Das wolle er eigentlich nicht nochmal erleben, das sei ein »Genickbruch« für alle Geschäfte. »Ich bin nicht gegen die Regional-Stadtbahn«, stellt er klar, »aber dagegen, dass sie über den Lindenplatz fährt.«

»Viel Parkplatz, viel Leben. Wenig Parkplatz, wenig Leben«

Bolat findet es außerdem jetzt schon »viel zu eng« auf dem Lindenplatz. »Wie soll das funktionieren, wenn dann mal die Feuerwehr durch muss oder eines der Häuser ein neues Dach braucht? Wo soll dann der Kran hin, wenn neben Autos auch eine Stadtbahn fährt?« Auch wenn ihm schon einige versichert hätten, dass das in anderen Städten funktioniere, glaubt er noch nicht so richtig daran.

Susanne Ahl, Inhaberin der Lindenapotheke, ist ebenfalls gegen eine Trassenführung durch die Innenstadt. »Es stinkt mir ehrlich gesagt gewaltig.« Vor allem von der Stadtverwaltung sei sie enttäuscht: »Weder der Bürgermeister noch ein Mitarbeiter ist je bei uns Händlern vorbeigekommen, um einmal direkt mit uns ins Gespräch zu kommen.« Niemand habe nach ihrer Meinung gefragt oder sie über die Auswirkungen einer Trassenführung durch die Innenstadt informiert. Zwar werde seit Jahren gesagt, dass sich auf dem Lindenplatz etwas tun werde, er attraktiver werden soll, doch getan wurde bisher letztendlich nichts.

»Der Lindenplatz ist für mich die Einkaufsmeile Pfullingens«

Ahl glaubt nicht daran, dass sie ihre Apotheke halten kann, wenn die große Baustelle kommt. »Ich denke dann wirklich über ein Betriebs-Aus nach. Der Lindenplatz ist für mich die Einkaufsmeile Pfullingens. Die ist ja dann tot, wenn keiner mehr einfach in die Läden kommt.« Die Apothekerin bezeichnet sich allgemein als eine Stadtbahn-Gegnerin und findet, dass es effektivere Möglichkeiten gibt, um klimafreundlichen Verkehr zu ermöglichen: »Das Geld wäre besser im schon vorhandenen Bussystem untergebracht. Das könnte ausgebaut und attraktiver gemacht werden.«

Wenn Susanne Ahl sich aber entscheiden müsste, würde sie für eine Trassenführung über die alte Bahntrasse stimmen. »Ich glaube, dass, wenn die Regional-Stadtbahn am Rande von Pfullingen fährt, sie besser angenommen werden könnte.« Dort gebe es weniger Halte, was vermutlich auch attraktiver für Pendler sein könnte, die dann nicht mit einer »Bimmelbahn« durch Pfullingen müssten. Auf sie wirkt das Projekt Regional-Stadtbahn noch nicht zu Ende gedacht.

»Ich kann mit dem Thema Regional-Stadtbahn gar nichts anfangen«

Im Café Rosenkranz herrscht eine ähnliche Stimmung. Auch dort ist man dagegen, dass die Regional-Stadtbahn durch die Innenstadt und über den Lindenplatz fährt. Die lang anhaltende Baustelle und die wegfallenden Parkplätze seien geschäftsschädigend. Auch für das Rosenkranz-Team ist der Lindenplatz die Einkaufsmeile Pfullingens, die dürfe man sich nicht mit einer Stadtbahn kaputt machen.

Einige Inhaberinnen und Inhaber - beispielsweise die der Döner- und Friseurläden, von Kamellas Einzelhandel, die Filialleiter des Reisebüros und der Bäckerei Berger - konnten nicht an der Umfrage teilnehmen. Entweder, weil ihr Geschäft geschlossen hatte oder sie nicht anwesend waren. Am Rande des Lindenplatzes in Richtung Marktstraße hat Daniela Körner ihren Wolleladen: »Ich kann mit dem Thema Regional-Stadtbahn gar nichts anfangen«, gibt sie zu. Auch sie erinnert sich an die Kanalarbeiten zurück und sorgt sich vor einer großen Baustelle, die die Kundschaft fernhalten könnte. »Mein Laden ist jetzt richtig in Schwung gekommen und den möchte ich eigentlich nicht verlieren.« (GEA)

Meinung des Gewerbe- und Handelsvereins

Der Diskussion in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorausgegangen war unter anderem ein Votum des Pfullinger Gewerbe- und Handelsvereins. In dessen Hauptversammlung sprachen sich die Mitglieder eindeutig für die Innenstadttrasse der Regional-Stadtbahn aus. Sie sehen darin Vorteile durch die Nähe zur Stadtmitte, zu Schulen, Freizeitanlagen und Gewerbegebieten. Die bessere Erreichbarkeit mache Pfullingen ihren Angaben zufolge sowohl als Arbeits- als auch als Wohnort attraktiver. (GEA)