ENINGEN. Seit 1984 gibt es die Rathauskonzert-Reihe in Eningen. Über 40 Jahre ist es her, seit der neigschmeckte Eninger Paul Deppe sie ins Leben gerufen hat. Bald wird es die Reihe jedoch nicht mehr geben: Die laufende Saison 2025/26 ist die letzte, in der Konzerte von und mit hochkarätigen Musikern im Sitzungssaal des Rathauses gespielt werden. Grund dafür ist die Haushaltslage der Gemeinde: Im Rahmen diverser Sparmaßnahmen, um den Eninger Haushalt genehmigungsfähig zu machen, wurde unter anderem die Konzertreihe gestrichen. »Wir stehen voll und ganz hinter der Entscheidung, sind aber natürlich trotzdem traurig«, sagen Eva Mettenberger und Philippe Hager. Der GEA hat mit den beiden Kulturamts-Mitarbeitern über das Aus gesprochen und einen Blick in die Vergangenheit geworfen.
Den Konzertreihen-Initiator Deppe verschlug es 1969 von Hamburg nach Eningen. Grund dafür war ein Engagement bei der Württembergischen Philharmonie Reutlingen als Kontrabass-Spieler. Warum er sich in Eningen niederlies, darüber hat er nie gesprochen. Vor allem die Kulturbegeisterten aus der Achalmgemeinde dürfte es aber nicht gestört haben: Da der Musiker reichlich kreative Schaffenskraft hatte, dauerte es nicht lange, bis er auch in Eningen zu wirken begann. Neben der Musikschule, die er aufgebaut und jahrelang geleitet oder dem Johann-Strauss-Festival-Ensemble, das er in Leben gerufen hatte, kam ihm die Idee für die Rathauskonzert-Reihe.
Musikalische Leckerbissen
»Damals gab es noch kein Kulturamt«, erklärt Mettenberger. Daher habe Deppe gemeinsam mit dem damaligen Hauptamtsleiter Hans-Otto Christe die Konzerte auf den Weg gebracht. Geboten wurden fortan im Saal des Verwaltungsbaus musikalische Leckerbissen, die leicht und unterhaltsam sein sollten. Deppes Verbindung zur Philharmonie und sein Zugang zu den verschiedensten Künstlerinnen und Künstlern trug dazu bei, dass schon von Anfang an teils hochkarätige Musiker nach Eningen kamen.
Doch er war nicht nur Organisator gewesen: Schnell hatte Deppe erkannt, dass es auch einen Moderator für die Konzertabende braucht. Unter dem Künstlernamen Jean-Paul Mathé - der sich aus dem Mädchennamen seiner Mutter und einer Sympathie für den Schauspieler Jean-Paul Belmondo ergab - führte er humorvoll und informativ durchs Programm. Doch als der Musiker 2010 aus der Philharmonie ausstieg, zog es ihn wieder zurück in den Norden.
Programm auf die Beine stellen
»Mittlerweile gab es dann auch ein Kulturamt mit Mitarbeitern, die die Rathauskonzert-Reihe von ihm übernehmen konnten«, sagt Mettenberger, sei knapp 10 Jahren ist sie selbst mit von der Partie. Die Aufgaben der Kulturamtsmitarbeiter ist es vor allem, das Programm auf die Beine zu stellen und am Konzertabend für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen, erklärt Hager. Dank Deppe bestehen die Verbindungen zu einigen Künstlern aus der Region noch. »Wir haben zur Programmauswahl aber auch einmal unsere Abonnenten gefragt, was sie am liebsten hören würden«, ergänzt Mettenberger.
Die Filmmusik ist in der vergangenen Saison besonders gut angekommen. Ansonsten begeisterten ausnahmslos die zahlreichen Auftritte des Johann-Strauss-Festival-Ensembles. »Es sind vor allem ausgefallene Auftritte, die den Saal füllen«, sagt Mettenberger. Der Fokus liegt schon seit Start der Konzertreihe auf klassischer und niveauvoller Unterhaltungsmusik.
Fünf statt neun Konzerte
Es sind vorwiegend Eninger und Menschen auf dem Reutlinger Landkreis, die die Rathauskonzerte besuchen. Und genau so sei es auch gedacht: »Wir wollen ein Angebot schaffen für die Menschen vor Ort, damit sie, ohne lange Wege zurücklegen zu müssen, wunderbare Auftritte genießen können«, erklärt Mettenberger. Statt neun, werden nur noch fünf Konzerte, die in einer Saison gespielt werden - das Neujahrskonzert Anfang Januar mit inbegriffen.
»Die Abende zu organisieren, ist auch wirklich aufwendig«, betont Hager. Vor dem Konzert müssen die Gagen festgelegt, die Technik abgeklärt und der Sitzungssaal umgestuhlt werden. Der Bauhof baut dann die Bühne auf und rollt den Flügel - sollte er benötigt werden - in den Saal. »Der wiederum muss jedes Mal, wenn wir ihn bewegen, gestimmt werden«, ergänzt Hager. Zusätzlich ist die Verwaltung für die Garderobe und die Bewirtung zuständig. »Wenn dann alles rum ist, müssen wir den Saal natürlich wieder für die Ratssitzungen herrichten.«
Enormer Aufwand, hohe Kosten
Das sei nicht nur ein enormer Aufwand, sondern koste auch einiges an Geld. »Das sind auch die beiden Hauptgründe, warum die Rathauskonzert-Reihe gestrichen wurde«, sagt Mettenberger. Eine Entscheidung, die niemandem leichtgefallen sei. Aus der Bürgerschaft, die »natürlich traurig ist«, bekomme die Verwaltung auch viel Verständnis zugetragen. »Es geht leider nicht anders.«
Rathauskonzerte im kommenden Jahr
Drei Rathauskonzerte gibt es in Eningen noch im kommenden Jahr: Das Stuttgarter Brass Quartett und Peter Schleicher kommen am Sonntag, 4. Januar, um 19 Uhr in die Andreaskirche, um klassische Stücke und weihnachtliche Klänge zu spielen. Das Duo La Vigna spielt am Sonntag, 15. Februar, sowohl auf der Blockflöte als auch auf der Theorbe und der Barocklaute Interpretationen barocker Musik. Los geht das Konzert um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses II. Das letzte Rathauskonzert ist am Sonntag, 15. März, um 19.30 Uhr im Sitzungssaal. Dann verbindet das Trio Luz y Somobra klassische Musik, Jazz und Tango miteinander - Piazzolla trifft auf Bach, Bartók und Boulanger. Karten für die Rathauskonzerte gibt es im Schreibwarengeschäft Greve, Rathausplatz 6. Erwachsene zahlen 20 Euro, Schüler und Studenten 10 Euro. Sitzplätze können im Rathaus reserviert werden. (GEA)
Die Frage, ob es die Konzertreihe, sollte sich die Haushaltslage wieder entspannen, so nochmal geben könnte, verneint Hager. »In dem Format wahrscheinlich nicht mehr, aber vielleicht anders.« Die beiden seien jetzt schon dabei, nach neuen Möglichkeiten zu suchen, damit es weiter Musikveranstaltungen in der Gemeinde gibt, betont Mettenberger. »Im kommenden Jahr wird es auf jeden Fall einige Möglichkeiten dazu geben.« (GEA)

