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Zwischen Metzingen und Bad Urach: Ermstalbahn ersetzt wegfallende Buslinie nur teilweise

Ab 14. Dezember fahren die Züge zwischen Metzingen und Bad Urach in beiden Richtungen halbstündlich statt bisher stündlich. Dafür fällt die Buslinie 7640 weg. Werden Teile Neuhausens und Bad Urachs dann vom ÖPNV abgehängt? Die Stadt Metzingen und das Landratsamt Reutlingen als Entscheidungsträger äußern sich.

Noch bedient der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) die Linie 7640 (Metzingen - Bad Urach) und damit auch die Haltestelle Rösega
Noch bedient der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) die Linie 7640 (Metzingen - Bad Urach) und damit auch die Haltestelle Rösegarten in Neuhausen. Mitte Dezember ist Schluss damit. Foto: Markus Pfisterer
Noch bedient der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) die Linie 7640 (Metzingen - Bad Urach) und damit auch die Haltestelle Rösegarten in Neuhausen. Mitte Dezember ist Schluss damit.
Foto: Markus Pfisterer

METZINGEN/BAD URACH. Die roten Busse sind bald weg. Der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB), Teil der Deutschen Bahn, bedient die Linie 7640 Metzingen - Bad Urach nur noch bis zum 13. Dezember. Einen Tag später ist Fahrplanwechsel, dann kann es in ganz Deutschland Änderungen im Zug- und Busangebot oder bei den Fahrzeiten geben. Dann fällt die Buslinie 7640 weg. Dafür fährt die Ermstalbahn künftig doppelt so oft wie jetzt. Beides war ursprünglich schon vor drei Jahren geplant.

Alle halbe Stunde werden die Elektrotriebzüge der DB Regio vom Typ Coradia Continental flüsterleise und gleichmäßig in beiden Richtungen von 5 bis 24 Uhr durchs Ermstal gondeln, ohne Stau und mit bis zu Tempo 80. In Metzingen und im neuen Kreuzungsbahnhof Dettingen-Gsaidt werden sie sich begegnen. Die vierteiligen gelb-schwarz-weißen Züge bieten 263 Sitzplätze. Ein dieselbetriebener MAN-Linienbus hat rund 50.

»Der Gedankengang 'Wir lassen die Ermstalbahn doppelt so oft fahren und sparen dafür Haltestellen ein' geht für uns nicht auf «

Doch die Umstellung zum Fahrplanwechsel hat für manche ÖPNV-Nutzer auch Nachteile. »Der Gedankengang 'Wir lassen die Ermstalbahn doppelt so oft fahren und sparen dafür Haltestellen ein' geht für uns nicht auf«, sagt GEA-Leser Alfred Rupp aus Bad Urach, der sich mit den anstehenden Änderungen detailliert beschäftigt hat.

Und Haltestellen werden eingespart. Zumindest vorübergehend: im Metzinger wie im Bad Uracher Stadtgebiet. Bedient die Buslinie 7640 in der Sieben-Keltern-Stadt die Punkte Rösegarten (eher schwach frequentiert), Insel (deutlich stärker angenommen), Theodor-Heuss-Straße, Wielandstraße und Eisenbahnstraße, hält die Ermstalbahn nur an den Bahnhöfen Metzingen und Neuhausen.

»Die teilweise verlängerten Fußwege zu den Bahnhaltepunkten im Vergleich zu Bushaltestellen sind sehr üblich. Die Schiene hat als Verkehrsträger stets Vorrang gegenüber dem Busverkehr«

Die letztgenannten drei Straßen werden ab Mitte Dezember nur noch einmal stündlich von Stadtbussen der Linie 201 bedient, »Rösegarten« und »Insel« stadteinwärts nur noch von der Linie 100 Erkenbrechtsweiler - Eningen - Reutlingen, die nicht durch Metzingen führt, »Insel« stadtauswärts gar nicht mehr.

In Bad Urach hält die Bahn nur an der Endstation gegenüber dem Jugendhaus und den Haltestellen Ermstalklinik und Wasserfall, die Busse auch an der Eckisstraße, Braike und (einseitig) Bleiche, die auch von Gehandicapten genutzt wird. »Aus meiner Sicht sollten die Weststadt-Haltestellen in Bad Urach, die Haltestelle Bleiche und die früheren Schichtarbeiterverbindungen unbedingt aufrechterhalten werden«, findet Rupp.

Die Regionalbahn der Linie 63 ist auf dem Weg von Bad Urach nach Metzingen. Hinten oben die Ruine Hohenurach.
Die Regionalbahn der Linie 63 ist auf dem Weg von Bad Urach nach Metzingen. Hinten oben die Ruine Hohenurach. Foto: Steffen Schanz
Die Regionalbahn der Linie 63 ist auf dem Weg von Bad Urach nach Metzingen. Hinten oben die Ruine Hohenurach.
Foto: Steffen Schanz

Doch die Sicht des Busfahrgasts, der auch einen Brief an Landrat Dr. Ulrich Fiedler und einen Leserbrief an den GEA geschrieben hat, ist nicht die Sicht des Reutlinger Landratsamts. Dieses ist für die Planung und Bestellung des regionalen Busverkehrs zuständig, in Metzingen und Bad Urach sind es zusätzlich die Städte. »Die Schiene hat als Verkehrsträger stets Vorrang gegenüber dem Busverkehr. Ein Parallelverkehr würde das Schienenangebot konkurrenzieren und zusätzliche Kosten verursachen«, argumentiert Anna Ioannidis aus der Pressestelle des Landkreises.

Die vorhandenen, aber in Kürze nicht mehr bedienten Bushaltestellen will der Kreis weiter vorhalten, schließlich könnten sich Buslinien ja wieder ändern, oder die Haltepunkte werden im Ersatzverkehr bei Sperrung der Bahnstrecke benötigt. Die teilweise verlängerten Fußwege der bisherigen Busfahrgäste zu den Haltepunkten der Ermstalbahn hält man im Landratsamt für zumutbar. »Es ist sehr üblich, dass Bahnhaltepunkte mit ihrem vergrößerten Angebot gegenüber Bushaltestellen einen größeren Einzugsbereich haben«, führt Ioannidis weiter aus.

»Metzinger Abschnitt der wegfallenden Linie 7640 kann Teil einer etwaigen neuen innerstädtischen Verbindung sein «

Selbst der etwa einen Kilometer vom Biohof Bleiche entfernte Ermstalbahnhof Dettingen-Gsaidt sei »noch gut fußläufig erreichbar und entspricht einer üblichen Entfernung für einen Bahnhalt«. Bei der Stadtverwaltung Metzingen sieht man »durch die zeitlich optimierte Taktung der Ermstalbahn eine Kompensation der Buslinie 7640 auf Metzinger Markung (auch wenn für einige Nutzer die Bushaltestellen geografisch sicher besser liegen dürften und hierdurch weitere Wege zu gehen oder zu fahren sind)«, teilt Sprecherin Susanne Berger mit.

Einen »solitären« innerörtlichen, also auf die Stadt Metzingen beschränkten Ersatz für die wegfallende Regionalbuslinie lässt sich laut Stadtverwaltung »in Anbetracht der Ergänzung durch die Ermstalbahn nicht wirtschaftlich abbilden, kann aber sehr wohl Teil einer etwaigen neuen innerstädtischen Verbindung (unter anderem mit der Anbindung des neuen Ganzjahresbads und des Gewerbegebiets Braike-Wangen) sein«, macht Berger deutlich.

»Ein paralleler Busverkehr würde das Schienenangebot konkurrenzieren und zusätzliche Kosten erzeugen «

Während das Gewerbegebiet bei der neuen Feuerwache sich stetig füllt, wird das Bad frühestens Ende 2029 seine Türen öffnen. Wer im östlichen Neuhausen wohnt, muss sich also möglicherweise noch Jahre gedulden, bis wieder Busse in der Nähe seines Hauses halten. Der Metzinger Gemeinderat ist für die Angebotslücke sensibilisiert, hat aber noch keine Entscheidung über ihre Füllung getroffen.

Die innerörtlichen Ergänzungen des Busangebots werden Teil des Mobilitätsentwicklungskonzepts, das am Mittwoch, 19. November, ab 18 Uhr in der Metzinger Stadthalle vorgestellt wird. Dabei wird allerdings nicht nur die auf der alten B 28 durch Neuhausen verlaufende Verkehrsachse bewertet, sondern auch andere Verbindungen. So hängt beispielsweise das nahezu voll bebaute Wohngebiet Amtäcker-Brühl bisher nicht am Busnetz. (GEA)