METZINGEN. Es war ein gerne verwendetes Zitat in der Sitzung. »Größten Respekt vor Ihrer Arbeit« bekundeten Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh und in der Folge mehrere Stadträtinnen und -räte für zwei engagierte Metzingerinnen. Tanja D. und eine weitere Frau - beide wollen namentlich nicht genannt werden - sind seit Juni ehrenamtliche Taubenbetreuerinnen in der Stadt und versuchen, der ungeliebten grauen Brut Herr zu werden.
Regelmäßig tauschen sie im Taubenhaus an der Eisenbahnstraße Tier-Eier gegen solche aus Gips oder Kunststoff aus, füttern die Vögel kontrolliert und artgerecht und kratzen mit Masken und Handschuhen versehen den Kot aus dem verwinkelten Holzhaus. Harte Arbeit, alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Tanja D. hat im Gemeinderat über ihr Wirken berichtet.
»Ich finde den Standort kritisch, weil wir dort Gastronomie geschaffen haben«
Die Tauben selbst bereiten in Metzingen auch wenig Vergnügen. Sie vermehren sich an vielen Stellen noch unkontrolliert, ihr aggressiver Kot verdreckt viele Stellen, setzt Dächern und Fassaden zu. An die 13 Fütterungsverbotsschilder, die die Stadt an zentralen Stellen wie dem Kelternplatz, dem Marktplatz oder in der Reutlinger Straße aufgehängt hat, hält sich bei Weitem nicht jeder. Im Sommer gibt es viel Außengastronomie in der Stadt, da fallen jede Menge Brösel für die gurrend daherwatschelnden Tauben ab.
Damit sie weniger werden, wird im neuen Jahr ein zweites Taubenhaus gebaut. Innenstadtnah auf dem Grundstück Adlergarten. Die Vögel sollen dorthin fliegen, wenn sie Hunger haben, nicht mehr in die Innenstadt, so der Plan. Auch hier werden Tanja D. und die zweite engagierte Metzingerin ihr gutes Werk tun. Ging das zweite Metzinger Taubenhaus an sich einstimmig durch den Gemeinderat, gab es über den Adlergarten Diskussionen.
»Ich finde den Standort kritisch, weil wir dort ein Gastro-Angebot geschaffen haben«, machte Isabel Rück-Aurenz (FDP) deutlich, »das ist hygienetechnisch schwierig.« - »Das eine schließt das andere nicht aus«, erwiderte der Erste Bürgermeister Patrick Hubertz und verwies auf die Größe des Adlergartens und seines Grünstreifens entlang der Erms, wo die Vögel auch in den Bäumen Rückzugsmöglichkeiten finden könnten: Das neue Taubenhaus muss nicht zwangsläufig nah am Biergarten des »Achtender« entstehen.
Doch auch CDU-Fraktionschef Eckart Ruopp fand »den Standort Adlergarten nicht ideal«. FWV-Rat Robert Schmid konterte: »Gastronomie haben wir überall in der Innenstadt. Es geht darum, das Wachstum der Taubenpopulation zu begrenzen.« Er hat Fotos gezeigt, auf denen an die 50 Tauben in Reih und Glied auf dem Dachfirst des Hauses seines Vetters Friedrich Schmid in der Reutlinger Straße sitzen.
»Gastronomie gibt es überall in der Innenstadt. Es geht darum, die Taubenpopulation zu kontrollieren«
Grünen-Sprecher Dr. Georg Bräuchle sorgte sich um Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern, die durch die Hinterlassenschaften der Grauvögel beeinträchtigt werden könnten. »Man sollte Privatleute sensibilisieren.« Ihm schwebt vor, dass eine professionelle Firma ein Taubenabwehrkonzept erstellen möge, wie in Walddorfhäslach. Doch das kostet Geld. Die Metzinger Stadtverwaltung fängt auch nicht bei Null an, machte Hubertz klar: »Wir kooperieren interkommunal, zum Beispiel mit Tübingen.« Wo auf der Plataneninsel ein Taubenturm steht, mit dessen Hilfe die Tierpopulation im Griff gehalten wird.
In Metzingen wird das auch die Outletcity AG verstärkt tun, die eine Firma an der Hand hat. »Sie plant ebenfalls, ein Taubenhaus zu errichten und dieses in Eigenregie zu betreuen«, teilte Denise Goller von der Stadtverwaltung mit. Gebaut werden könnte es zum Beispiel auf dem Dach des Parkhauses P 1, auch P 2 und P 3 kommen in Frage. Die Standortuntersuchungen laufen aber noch. Stadt und Outletcity kooperieren bei ihren Tierbauvorhaben.

Letztendlich fand sich für das Taubenhaus im Adlergarten eine Ratsmehrheit von zwölf Stimmen, fünf Gremienmitglieder votierten dagegen, vier enthielten sich. Zusätzlich zum Neubau soll das bestehende, stark frequentierte Taubenhaus an der Eisenbahnstraße laut Verwaltung »baulich optimiert« werden. Es sind eigentlich zwei alte Gartenhäuser, die aufeinandergesetzt wurden, wusste FWV-Sprecher Stefan Köhler zu berichten.
Rund 80.000 Euro stellt die Stadt für beide baulichen Maßnahmen zusammen zur Verfügung. Damit nicht genug für Robert Schmid: »Der städtische Ordnungsdienst sollte ein Auge auf die haben, die trotz Verbot füttern, und Bußgelder verhängen«, fand der FWVler und Metzger aus der Reutlinger Straße. Mit 55 Euro aufwärts wären die Betreffenden dabei. (GEA)


