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Wohin zum Schwimmunterricht? Aus für Riedericher Bad mit Folgen für Schulen und TSV

Der Riedericher Gemeinderat hat entschieden, das Lehrschwimmbecken aus finanziellen Gründen nicht zu sanieren und auszubauen. Überlebenswichtiger Schwimmunterricht kann nicht mehr stattfinden und die Suche nach Alternativen ist schwierig.

Aqua-Gymanstik des TSV wurde ersatzlos gestrichen, auch Schwimmkurse für Kinder können nicht mehr angeboten werden.
Aqua-Gymanstik des TSV wurde ersatzlos gestrichen, auch Schwimmkurse für Kinder können nicht mehr angeboten werden. Foto: Kirsten Oechsner
Aqua-Gymanstik des TSV wurde ersatzlos gestrichen, auch Schwimmkurse für Kinder können nicht mehr angeboten werden.
Foto: Kirsten Oechsner

RIEDERICH. Das Aus kam schleichend: Zunächst hangelten sich die Nutzer des Riedericher Lehrschwimmbeckens von Saison zu Saison, weil die Gemeinde dessen Umbau in die Wege geleitet hatte. Das Verfahren zog sich jedoch hin, am 23. April platzten Fliesen und das Wasser wurde aus dem Becken gelassen. Es wird sich nicht mehr füllen, denn in der November-Sitzung entschied sich der Gemeinderat gegen den Ausbau. »Eine Sanierung unter den vorliegenden Rahmenbedingungen hätte die Gemeinde über mehrere Jahrzehnte hinaus finanziell überdurchschnittlich belastet«, schreibt Bürgermeister Tobias Pokrop auf Anfrage des GEA. »Das hätte langfristige negative Auswirkungen für die Handlungsfähigkeit der Gemeinde gehabt.« Nun müssen die Nutzer, unter anderem der TSV und neben der örtlichen Grundschule auch diejenigen aus drei anderen Gemeinden, mit den Auswirkungen klarkommen. »Uns als Verein tut es richtig weh«, macht TSV-Vorstandsmitglied Ulrich Sensbach deutlich. »Für die Kinder ist es eine Katastrophe.«

Denn Jungen und Mädchen aus Riederich und den umliegenden Gemeinden werden es nun schwer haben, schwimmen zu lernen – sei’s in der Schule oder beim Verein. Der werde in der Region wohl kaum in einem Bad unterkommen, schätzt Sensbach die Situation ein und die Aqua-Kurse wurden ersatzlos gestrichen. Die Konsequenz: »Wir verlieren Mitglieder«, so der Vorsitzende. Denn die Kurse konnten auch Nicht-Mitglieder gegen eine erhöhte Gebühr buchen und da der Mitgliedsbeitrag relativ gering sei, folgte oft der Eintritt in den Verein. Kurz und gut: »Wir spüren das finanziell.«

Druck auf Bäder in der Umgebung wächst

Die Entscheidung, nicht zu sanieren, erhöhe den Druck auf die umliegenden Bäder, da ist sich der Metzinger DLRG-Vorsitzende Felix Schiffner sicher: »Riederich ist zu und Beuren wird saniert.« Er rechnet mit einem großen Ansturm auf Schwimmkurse unter anderem in Metzingen, aber dort sei das Hallenbad ausgelastet und das Angebot begrenzt: »Unsere Wartelisten sind bereits lang«, erklärt Schiffner. Dabei sei es überlebenswichtig, schwimmen zu lernen: »Wer nicht schwimmen kann, geht unter.«

Von einer prekären Situation spricht Susanne Gall-Hofmann, Leiterin der Grundschule auf Mauern in Bempflingen. Die dritten Klassen seien bislang für ein halbes Jahr im Riedericher Lehrschwimmbecken unterrichtet worden, schon früh habe sie sich auf die Suche nach anderen Möglichkeiten gemacht und sei tatsächlich in Aichtal-Neuenhaus fündig geworden. Dienstag von 8 bis 9 Uhr sei dort noch ein Zeitfenster frei gewesen, das hätte für 40 Minuten Schwimmzeit gereicht. Eine Lösung, die gemeinsam mit der Grundschule in Altdorf anvisiert worden sei: »Wir hätten sogar den Stundenplan angepasst.« Aber, es habe sich ein großes Problem ergeben: Die Busfahrt hätte pro Schwimmtag 650 Euro gekostet – das sei unrealistisch. Schule und Gemeinde arbeiten an einer Lösung. »Das ist eine schwierige und fast aussichtslose Situation«, fasst Gall-Hofmann die Lage zusammen.

Lösung für Grundschüler in Sicht

Etwas durchatmen kann die Grafenberger Grundschule, die bislang mit den Kindern aus der dritten und vierten Klasse zum Schwimmunterricht in Riederich war. Nach langer und schwieriger Suche hätten sie laut Schulleiterin Anke Krohnke in Dettingen noch ein Zeitfenster ergattert, wenigstens die Drittklässler könnten dort von April bis Oktober unterrichtet werden. Zum Glück, wie sie meint: »Wenn nun auch die Schule dieser Aufgabe nicht mehr zuverlässig nachkommen kann, werden wir immer mehr Menschen haben, die nicht schwimmen können.« Von der kurzen Anfahrt nach Riederich habe die Grundschule in Mittelstadt profitiert, so Schulleiterin Nicole Salzmann. Schwimmunterricht wurde in allen Klassen erteilt: »Wir schafften es dadurch, nahezu alle Kinder innerhalb der vier Schuljahre zu sicheren Schwimmern auszubilden.« Eine Lösung zeichne sich wenigstens für die ersten und zweiten Klassen ab, die die Schwimmhalle der Peter-Rosegger-Schule in Reutlingen mitbenutzen dürften. Der Rest absolviert eine dritte Sportstunde, das ersetze den überlebenswichtigen Schwimmunterricht jedoch nicht. Wie die Riedericher Grundschule mit der Situation umgeht, wollte die Schulleitung in Absprache mit dem Staatlichen Schulamt auf Anfrage nicht mitteilen.

Laut Riederichs Bürgermeister Pokrop stelle die Schließung einen gravierenden und zugleich schmerzlichen Einschnitt in die Infrastruktur des Ortes dar. Als ehemaliger aktiver Schwimmer und Vater von drei Kindern, wovon zwei im Bad das Schwimmen gelernt haben, sei die Entscheidung emotional nicht einfach gewesen. Das Aus sei nicht endgültig: Sobald das Land Hallenbadsanierungen finanziell unterstütze, werde sich Riederich dafür bewerben. (GEA)