DETTINGEN. Die TEB Allstars haben’s mal wieder geschafft: Die Band auf Zeit lässt sich musikalisch nicht eingrenzen, bietet immer wieder Neues und überraschte über 2.600 Zuschauer in der Dettinger Schillerhalle an zwei ausverkauften Abenden einmal mehr mit der Musikauswahl. Klar, auch beim inzwischen 15. Konzert bekommt Hardrock-Röhre Jürgen Volk genug Raum für seine AC/DC- und Iron Maiden-Performance. Doch er reiht sich mit sichtlichem Spaß auch in die Gute-Laune-Runde mit Songs von den Backstreet-Boys bis zu »Barbie Girl« ein.
Da tanzen sogar die Sängerinnen Emily Barth, Hannah Roese und Maxima Gebhardt, die längst nicht nur im Background agieren, kleine Choreographien und unterstreichen ihre Mitmusiker, dass sie sich nicht nur im Rock und Pop firm, sondern auch im »Macarena«-Ablauf bewandert sind. Begleitet wird dieser musikalische Ausflug in die Partywelt vom über 60-köpfigen Orchester – was für eine unerwartete musikalische Explosion. Das Publikum tobt.
Fans textsicher
Das sollte nicht das einzige Mal an diesem Abend gewesen sein, dass vor allem am Stehkonzert am Samstag der »Chor der 1600« die Musiker auf der Bühne fast übertönt: Ob beim eher leisen »Junge« von den Ärzten oder dem von Matthias Wurst gesungenen Mitgröl-Klassiker »1.000 und eine Nacht« von Klaus Lage – die Zuschauer zeigen sich textsicher in den unterschiedlichsten Genres. Nicht nur sie: Auch die Musiker, die nur einmal im Jahr für die beiden TEB-Konzerte gemeinsam auf der Bühne stehen, verlassen immer wieder ihre Komfortzone.
Stark, wie bei der ersten von zwei Zugaben Rockgitarrist Jochen Zaiss und Willkuer-Frontmann Moritz Hermle als Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys-Kopie in Sakko und Sonnenbrille mit »Bella Napoli« Wasen-Stimmung in die Schillerhalle bringen und sich hunderte Zuschauer zu einem Schlagerkreisel formieren – da sind selbst die Akteure sichtbar baff. Doch es gibt auch die ruhigen Momente. Dann, wenn der ausgebildete Tenor Jochen Schmid »Eine gute Nachricht« von Danger Dan anstimmt - man hätte eine Stecknadel fallen hören.
Aus den Jungs aus der Anfangszeit – 2011 fand das erste Konzert der TEB Allstars in der Bad Uracher Festhalle statt – sind erwachsene Männer und Familienväter geworden: 13 Kinder sind seit damals im Umfeld der Band auf die Welt gekommen – das stimme angesichts der Weltlage und der wieder eingeführten Musterung nachdenklich, meint Matthias Wurst und sorgt mit Jochen Schmid für ein weiteres Gänsehautfeeling: »Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht« von Reinhard Mey spricht vielen in der Schillerhalle aus der Seele.
Massen an Musikfans werden Jahr für Jahr von den TEB Allstars mobilisiert, viele haben vor lauter Begeisterung für die Konzerte eventuell eines aus den Augen verloren: Es handelt sich nach wie vor um eine Benefizveranstaltung. 2011 von Moritz Hermle und Matthias Wurst aus einem traurigen Anlass ins Leben gerufen – die Mutter eines Freundes war an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben – wurde die TEB (Tumore und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse) Selbsthilfeverein seither mit rund 250 000 Euro unterstützt.
Mit Musik Gutes tun
Doch damit ist Schluss: Der Verein löst sich auf, das Lebenswerk von Initiatorin Katharina Stang kann nicht weitergeführt werden. Weil’s für sie keine Nachfolger gibt und der Motor an ihrer Seite im August verstorben ist: Ehemann Helmut. Die Stangs waren von Anfang Teil der großen, eng miteinander verbundenen TEB Allstars Familie, als die sich die Musiker verstehen – sie sammelten sich für eine Schweigeminute auf der Bühne, das Publikum gedachte mit.
»Man kann mit Musik gutes tun«, betont Katharina Stang bei ihren emotionalen Abschiedsworten. Die TEB Allstars hätten mit ihren ehrenamtlich organisierten Konzerten ein Zeichen von Menschlichkeit und Solidarität gesetzt – das wird sich auch nicht ändern. Gerüchte waren aufgekommen, dass sich die TEB Allstars auflösen würden – das ist nicht der Fall: Es werden vom gleichnamigen Verein künftig Organisationen, die im Bereich Selbsthilfe, Gesundheit und psychosoziale Hilfe unterwegs sind unterstützt.
»Wir wollen nicht nur Geld geben, wir wollen Themen sichtbar machen«, erklärt Moderator Julian Hermle im Namen der TEB- Musiker. Zu ihnen gehören auch Stephen Blaich, neben Jochen Schmid musikalischer Leiter und Dirigent des Orchesters, Schlagzeugerin Marion Wetzel, Michael Labitzke (Keyboard), Daniel Sprissler (Keyboard und Saxophon), Bassist Georg Schrode, Sven Frey (Gitarre) und Sänger Steffen Hämmerle. Am ersten Dezember-Wochenende in einem Jahr werden sie wieder die Schillerhalle rocken – daran besteht kein Zweifel. (GEA)


