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Wie die La Leche Liga in Neckartenzlingen seit 25 Jahren stillenden Müttern hilft

Charlotte Spieth-Hassel hat die Gruppe der La Leche Liga gegründet, die eine von acht in Baden-Württemberg und Anlaufstelle für Frauen aus einem weiten Umkreis ist. Am Samstag wird das Jubiläum mit einem abwechslungsreichen Programm gefeiert.

Seit 25 Jahren existiert in Neckartenzlingen eine Stillgruppe der La Leche Liga, die seither von Frauen aus einem Umkreis von üb
Seit 25 Jahren existiert in Neckartenzlingen eine Stillgruppe der La Leche Liga, die seither von Frauen aus einem Umkreis von über 50 Kilometern besucht wird. Geleitet wird sie ehrenamtlich von Christine Stoer (links) und Gründerinn Charlotte Spieth-Hassel. Foto: Kirsten Oechsner
Seit 25 Jahren existiert in Neckartenzlingen eine Stillgruppe der La Leche Liga, die seither von Frauen aus einem Umkreis von über 50 Kilometern besucht wird. Geleitet wird sie ehrenamtlich von Christine Stoer (links) und Gründerinn Charlotte Spieth-Hassel.
Foto: Kirsten Oechsner

NECKARTENZLINGEN. Die Situation ist ungewohnt, die Verunsicherung groß: Stillende Mütter haben viele Fragen und wollen sich austauschen. Unterstützung finden sie seit 25 Jahren bei der Neckartenzlinger Gruppe der La Leche Liga, im Jahr 2000 hat Charlotte Spieth-Hassel den Standort aufgebaut. Bis heute berät sie Hilfe suchende Mütter ehrenamtlich und kostenlos am Telefon oder per E-Mail, das monatlich stattfindende Stilltreffen leitet seit 2011 Christine Stoer. Sie kam einst selbst als stillende Mutter extra aus Ludwigsburg nach Neckartenzlingen zu den Treffen und ist ein Beispiel dafür, wie groß der Einzugsbereich ist. Auch viele Mütter aus Reutlingen, Tübingen und Umgebung haben in den vergangenen 25 Jahren das Angebot der La Leche Liga-Gruppe Neckartenzlingen genutzt, eine von acht in Baden-Württemberg. Die nächste trifft sich in Stuttgart-Bad Cannstatt und alle sind sie Teil der weltweit in 80 Ländern agierenden gemeinnützigen Organisation.

Bei ihrem ersten Kind habe sie große Probleme mit dem Stillen gehabt, erinnert sich Charlotte Spieth-Hassel: »Beim zweiten habe ich gedacht, dass mir das nicht mehr passiert.« Damals habe sie Kontakt zur La Leche Liga gesucht, wurde beraten und ihr sei danach klar gewesen, selbst anderen Müttern helfen zu wollen. Auch wenn die Stillberaterinnen ehrenamtlich arbeiten, ist eine dreijährige Ausbildung Voraussetzung und erst nach einer Art Praktikum in einer Stillgruppe, darf man selbst eine leiten und Stillende beraten. Wobei medizinische Fragen nicht ohne Rücksprache mit einem medizinischen Beirat von La Leche Liga beantwortet werden: »Wir geben diese Info dann an die Mamas weiter.«

Es wird nicht nur über Probleme gesprochen

Sie habe sich, damals Mutter von drei kleinen Kindern entschlossen, dies in ihrem Wohnort Neckartenzlingen zu machen: »Ich habe gedacht, ich probiere es mal auf dem Land.« Die Idee kam an, wenn sich das Angebot auch erst einmal rumsprechen musste: »Teilweise kam nur eine Mutter, da war nichts mit Austausch«, erinnert sie sich. Dabei sei der für Mütter sehr wichtig, wobei in den Stilltreffen laut Charlotte Spieth-Hassel durchaus nicht nur über Probleme gesprochen werde: »Es geht um Fragen aus der Praxis, die alle beschäftigen«, erklärt sie. »Die Frauen befinden sich alle in derselben Situation und oft sitzen sie alleine zu Hause. Ein Austausch ist wichtig« Und, was zuletzt auch positiv ist: Die Mütter knüpfen Kontakte, sehen sich zum Teil nach 25 Jahren immer noch. Auch seien die ersten Stillkinder von einst inzwischen als stillende Mama zur Gruppe gestoßen.

Der Unterschied zu den vielen privaten Gruppen, die sich treffen: »Wir haben das Fachwissen und eine Ausbildung«, weiß Spieth-Hassel. Ein großer Schwerpunkt liege für die Gruppenleiterinnen in der Rhetorik: »Wir holen die Mütter dort ab, wo sie stehen.« Der Unterschied der heutigen Mütter zu denen aus der Anfangszeit vor 25 Jahren: Das Bauchgefühl sei laut Charlotte Spieht-Hassels Beobachtung verloren gegangen, es fehle der natürliche Umgang mit dem Stillen und dem Muttersein. Infos würden sich die jungen Mütter zunehmend aus den sozialen Medien holen, Influencerinnen hätten oft das Sagen und die seien vielfach von der Industrie unterstützt. Die Stillberaterinnen der La Leche Liga seien dagegen an den WHO-Kodex gebunden, dürfen nicht mit Firmen kooperieren und Werbung für bestimmte Produkte machen.

Fest am Samstag

In Spitzenzeiten besuchten 20 Mamas die Stillgruppe, das Interesse an den monatlichen Treffen – zweimonatlich kommen zudem Frauen mit Stillkindern über einem Jahr zusammen - habe sich nach der Coronapandemie immer noch nicht ganz erholt. Am Samstag, 5. April findet nun ab 10 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Neckartenzlingen, Unterbössel 1, ein mit Informationen und Aktionen gespicktes Geburtstagsfest für ehemalige und interessierte Mütter und ihre Familien statt. Unter gibt‘s eine Trageberatung oder wird über Beikost und selbstverständlich über das Stillen informiert, auch das Thema Babymassage steht auf dem Programm. Kinder dürfen basteln und malen, alle zusammen können sich fotografieren lassen. Weitere Infos unter www.lalecheliga.de. (GEA)