PLIEZHAUSEN-RÜBGARTEN. Wenn es dämmert, beginnt die besondere Zeit in der Von-Bülow-Straße im Pliezhäuser Ortsteil Rübgarten. So ist es auch am Montag vor Weihnachten. Gegen 16.30 Uhr geht die Sonne unter und ab 17 Uhr erleuchten dort Zehntausende Lichter die Gärten von Thilo Schwaiger und seinem Schwager und Nachbarn Andreas Schäfer. Dass ihre Häuser so besonders sind, hat sich herumgesprochen. Andere finden die Häuser im Internet auf den Karten von Google Maps.
Seit den 90er-Jahren schmückt Schwaiger sein Haus mit Lichterketten weihnachtlich. Es wurden immer mehr. »Ich habe 2004 in den USA gelebt und mir von dort einen beleuchteten Rentierschlitten mitgebracht«, erzählt er am Montag am Telefon. Mittlerweile gibt es den mit Lichtern nicht mehr zu kaufen. »Der Hersteller hat ihn nach drei Jahren vom Markt genommen, weil die Motoren feucht wurden und kaputtgingen.« Motoren hat der Schlitten, damit die Rentiere ihre Köpfe bewegen. Schwaigers Rentierschlitten funktioniert nach wie vor, auch an diesem späten Nachmittag. »Ich hege und pflege ihn und habe mir Abdeckungen für die Motoren gebastelt«, erzählt er. So werden die nicht nass. »Es gibt nichts Vergleichbares auf dem Markt«, sagt Schwaiger.
In der Dämmerung kommen die ersten Passanten zu den Weihnachtshäusern. »Wir haben die auf Google Maps entdeckt und sind von Filderstadt-Bonlanden hergefahren«, sagt Alicia Jaus. Sie und ihr Mann Thomas stehen mit ihrer Tochter vor dem Gartentor, etwa auf der Höhe des Rentierschlittens und schauen. »Ich finde die Dekoration sehr schön und die Lichter sind so hell«, sagt Alicia Jaus. Dann geht die Familie weiter. Ihrer Tochter ist kalt.
Thilo Schwaiger weiß aus seiner langjährigen Erfahrung, welche Gruppen wann vor seinem Haus stehen. »Ab 17 Uhr und so bis 19 Uhr kommen Familien mit Kindern zum Schauen.« Dann wandelt sich das Publikum. »So um 20 Uhr ist High Life. Dann sind die Jugendlichen und Erwachsenen da.« Um 22 Uhr wird es dann auch in der Von-Bülow-Straße dunkel, wenn Schwaiger und Schäfer die Lichter ausschalten. Viele Besucher kämen aus dem Kreis Reutlingen, aber andere auch von weiter her. Es spreche sich herum und Betrachter von früher bringen dieses Jahr ihre Bekannten mit. »Hier waren auch schon Leute aus Stuttgart und München, wenn die gerade hier in der Gegend waren.«
Der Enkel ist begeistert vom Elchen
Roswitha und Rudi Schweiker und ihr Enkel Matti haben es nicht so weit. Sie kommen aus Walddorfhäslach und betrachten die vielen Lichter von der Von-Bülow-Straße aus. Matti ist begeistert vom leuchtenden Elch. »Den finde ich am schönsten und den großen Stern dort oben«, sagt er und zeigt hoch an die Fassade. Roswitha Schweiker mag am liebsten die schlichte Dekoration mit den hellen Lampen, die bunten weniger. »Die Dekoration ist gut gemacht, sie ist nicht kitschig«, sagt Schweiker. Und sie freut, dass nicht nur die beiden Häuser von Schwaiger und Schäfer beleuchtet sind. »Die Nachbarn machen inzwischen auch mit.« Zwei Häuser weiter steht eine beleuchtete Krippe im Vorgarten und am anderen Ende der Von-Bülow-Straße sind Bäume und Sträucher von einer Vielzahl von hellen Lichtern erleuchtet.
Thilo Schwaiger bezeichnet seinen Stil als klassisch amerikanisch. »Manche haben aufblasbare Figuren im Garten. Das ist nicht so meins, ich schmücke lieber die Bäume.« Das dauert. Mitte November beginnt er und ist dann meistens kurz vor Weihnachten fertig. Ihm gefällt das Ergebnis, darum nimmt er die Arbeit auf sich. Schließlich sind 90.000 Lichter in seinem Garten zu sehen. Für das Schmücken jeder Figur, wie auch für den Schlitten auf dem Rasen, brauche er jeweils einen Nachmittag. »Das ist wie den Weihnachtsbaum schmücken.« Aber im großen Stil. Er nennt ein Beispiel: »Der Thujabaum ist acht Meter hoch. Ich steige mit einer Lichterkette hoch und bringe sie an. Dann steige ich runter, nehme die nächste Kette und steige wieder hoch.« Schließlich sind alleine am Thuja 15 Ketten mit insgesamt 10.500 LEDs befestigt. »Die Besucher nennen den Baum den Kaktus.«
Familie Siebenmorgen aus Walddorfhäslach steht nun auf der Straße. »Es war eine Überraschung für die Kinder, dass wir hier hinfahren«, sagt Mutter Viktoria Siebenmorgen und ergänzt: »Es ist immer wieder beeindruckend.« Das kommt bei ihren Töchtern Charlotte und Annabelle gut an. Sie sprechen gerade davon, wie sie ihre Spielzeuge mit Lichtern dekorieren könnten. Und dann haben sie am Mittwoch ja noch etwas vor. »An Heiligabend schmücken wir zusammen den Weihnachtsbaum«, sagt Viktoria Siebenmorgen. (GEA)



