Logo
Aktuell Verkehr

Wegen Lärmbelastung: Kommt Tempo 30 in Riederich?

Über 500 Einwohner von Riederich leben entlang der Ortsdurchfahrten in einem gesundheitsgefährdeten Bereich. Als Maßnahme zur Lärmreduzierung wird die ganztägige Einführung einer Tempo-30-Zone empfohlen.

Die Riedericher Orstdurchfahrten sind stark frequentiert, vor allem der Kreisel. Entsprechend hoch ist die Lärmbelastung der Anw
Die Riedericher Orstdurchfahrten sind stark frequentiert, vor allem der Kreisel. Entsprechend hoch ist die Lärmbelastung der Anwohner Foto: Kirsten Oechsner
Die Riedericher Orstdurchfahrten sind stark frequentiert, vor allem der Kreisel. Entsprechend hoch ist die Lärmbelastung der Anwohner
Foto: Kirsten Oechsner

RIEDERICH. Das subjektive Empfinden der Anwohner der Riedericher Ortsdurchfahrten hat sich bestätigt: Die Lärmbelästigung in der Mittelstädter-, Stuttgarter-, und Metzinger Straße ist an manchen Gebäuden extrem hoch, verursacht von durchschnittlich über 8.200 Fahrzeugen im Tagesverlauf – in manchen Teilabschnitten sind die Zahlen sogar deutlich höher. Die Empfehlung, im gesamten Bereich eine Tempo-30-Zone zur Lärmminderung einzurichten, könnte nach Einschätzung von Fachplanerin Jasmin Amann des Büros Soundplan aus Backnang zügig umgesetzt werden. Das gelte indes nicht für die Ausstattung der Straßen mit Flüsterasphalt.

2021 hatte Riederich erstmals einen Lärmaktionsplan für den verpflichtenden Bereich der Bundesstraße 312 aufgestellt. Der Gemeinderat war sich damals einig, den Lärmaktionsplan und eine entsprechende Kartierung freiwillig um die Ortsdurchfahrten zu erweitern. Die dazu notwendige Erhebung der Verkehrszahlen habe sich laut Bürgermeister Tobias Pokrop bedauerlicherweise hingezogen: Zum einen habe man in der Coronazeit keine aufschlussreichen Zahlen gewinnen könne, später durch Baumaßnahmen in umliegenden Gemeinden.

Teilweise extreme Verkehrsbelastung

Am 27. Mai – einem Dienstag - habe man die Chance ergriffen und eine Verkehrsmessung an fünf neuralgischen Punkten durchgeführt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein auf der Stuttgarter Straße vom Kreisverkehr bis zur Mühlstraße wurden 11.102 Fahrzeuge gezählt. Ab der Hegwiesenstraße bis zum Ortsausgang in Richtung Metzingen waren es 10.762. In Riederich liegen, so das Ergebnis der Untersuchung, tagsüber fast 500 Einwohner und nachts 587 Einwohner im gesundheitskritischen Bereich. Vor allem entlang der Mittelstädter- und der Metzinger Straße wird den ganzen Tag über die Schwelle zur Gesundheitsgefährdung überschritten, wie Jasmin Amann erläuterte.

Es bestehe also Handlungsbedarf, kurzfristig sei das über die ganztägige Einrichtung einer Tempo-30-Zone als wirksamste Maßnahme möglich und werde angesichts des Ergebnisses vom zuständigen Baulastträger wohl auch so realisiert. Ein durchaus kritisches Thema, wie Gemeinderätin Petra Bäuerle ausführte – die Meinungen zu Tempo 30 seien durchaus unterschiedlich. Klar, bedeute laut Bürgermeister Pokrop Tempo 30 eine Einschränkung für die Autofahrer. Aber der Verkehr auf den Ortsdurchfahrten sei tatsächlich sehr verdichtet und der Gemeinderat habe sich für die Ausweitung des Lärmaktionsplanes geeinigt: »Diesen Schritt müssen wir gehen, uns bleibt nichts anderes übrig.« Mit wenigen Mitteln könne viel erreicht werden, es müssten laut Pokrop lediglich Schilder aufgestellt werden. Anders sehe es bei einer Fahrbahnerneuerung mit einem lärmoptimierten Asphalt aus. »Wir werden wohl nicht mehr erleben, dass das umgesetzt wird«, meldete Gemeinderat Ulrich Büttel seine Bedenken an – die Baulastträger hätten weitaus größere Probleme als die Sanierung von Brücken. Diese Einschätzung teilte angesichts der angespannten Finanzlage auch der Bürgermeister: »Wir können nicht davon ausgehen, dass die Ortsdurchfahrt in absehbarer Zeit saniert werden.«

Lärmschutzwand an B 312

Fortgeschrieben wurde der Lärmaktionsplan von 2021 im Bereich der Bundesstraße 312, wobei laut Planerin Amann die Zahlen von 2012 mit den neuen nicht verglichen werden können – unter anderem hat sich die Berechnung geändert. In Riederich leben demnach entlang der Bundesstraße tagsüber 106 und nachts 284 Einwohner im gesundheitskritischen Bereich. Vor allem entlang des nördlichen Abschnitts der Bundesstraße wird den ganzen Tag über die Schwelle zur Gesundheitsgefährdung überschritten. Als sinnvollste Maßnahme zur Lärmminderung wird der Bau einer Lärmschutzwand empfohlen und/oder die Auflage eines Lärmschutzfensterprogramms. Der Riedericher Gemeinderat verabschiedete den Entwurf des Lärmaktionsplans einstimmig. In einem nächsten Schritt wird er öffentlich ausgelegt, Bürger und Träger öffentlicher Belange können Anregungen einbringen. (GEA)