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Was Metzinger Jugendliche von einer Wiedereinführung der Wehrpflicht halten

Alle reden gerade über eine mögliche Reaktivierung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland, auch für Frauen. 15- bis 19 Jahre alte Schüler des Metzinger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und ihre Ansichten und Argumente.

Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Während junge Männer früher zum Wehrdienst eingezogen wurden, war und ist er für Frauen
Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Während junge Männer früher zum Wehrdienst eingezogen wurden, war und ist er für Frauen freiwillig. Einige Metzinger Jugendliche sind für eine Wehrpflicht, die nicht am Geschlecht, sondern an der Qualifikation anknüpft. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Während junge Männer früher zum Wehrdienst eingezogen wurden, war und ist er für Frauen freiwillig. Einige Metzinger Jugendliche sind für eine Wehrpflicht, die nicht am Geschlecht, sondern an der Qualifikation anknüpft.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

METZINGEN. Soll in Deutschland die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt werden? Die Bundesregierung diskutiert inhaltlich differenziert und auch kontrovers darüber, und auch Jugendliche in Metzingen sind völlig unterschiedlicher Meinung darüber. »Ich bin dafür«, sagt der 15-jährige Felix, »ich finde gut, dass man die Bundeswehr verstärkt.« Heute sollte man die Rekruten gut ausbilden, denn »morgen braucht man viele von diesen.« Sollte die Wehrpflicht kommen, könnte er sich vorstellen, auch nach der Grundausbildung beim Bund zu bleiben, »wenn's mir gefällt«.

Auch die 18-jährige Emily denkt über eine längere Zeit bei der Bundeswehr nach, wenn sie ihr Abitur geschafft haben wird. Sie hat sich schon über einen speziellen Weg informiert: »Ich könnte mir vorstellen, dort Medizin zu studieren.« Das setzt allerdings voraus, dass sie sich 15 bis 20 Jahre lang als Reservistin verpflichtet, also im Verteidigungsfall eingezogen werden könnte. »Es ist gut, dass das Land Menschen hat, die gut ausgebildet sind, wenn man sie braucht«, deutet sie für den militärischen Ernstfall an. Und nicht erst dann mit der Grundausbildung anfängt, wenn es brenzlig wird. »Das wäre sch...«

»Wehrpflicht ja - damit man lernt, was Verantwortung ist und damit man was fürs Land macht«

»Nicht für die Wehrpflicht, aber für ein soziales Pflichtjahr nach dem Schulabschluss« sind William (15) und Johann (16). Beide Gymnasiasten sehen im sozialen Bereich mehr und drängenderen Bedarf an jungen Leuten als bei der Bundeswehr, so gibt es etwa Lücken im Pflegebereich.

Der 18-jährige Damian hat eine ganz andere, an den handelnden Politiker orientierte Meinung: »Ich würde etwas für ein Land geben, aber nicht für diese Regierung.« Maxim (17) ist für die Rückkehr der Wehrpflicht. »Damit man lernt, was Verantwortung ist«, begründet er sein Votum, »und damit man was fürs Land macht.« Selbst wenn die Pflicht nicht kommt, wird er nach der Schule zum Bund gehen, »erstmal für ein Jahr freiwillig«.

»Man sollte den Wehrdienst weiterhin freiwillig anbieten, aber besser dafür werben«

Elias (16) ist gegen eine allgemeine Wehrpflicht. »Man sollte den Wehrdienst weiterhin freiwillig anbieten, aber besser dafür werben.« Sollte die Pflicht zurückkehren, wünscht er sich auch »Optionen wie eine Tätigkeit bei Polizei, Feuerwehr oder in anderen staatlichen Aufgaben, für die man kein Studium braucht«. Er selbst könnte sich die Grundausbildung beim Bund vorstellen, eventuell auch eine längere Zeit als Soldat, je nachdem, wie es läuft.

Die 18-jährige Nele findet die Wehrpflicht »nicht so gut« - obwohl sie einsieht, dass die Bundeswehr personell »schlecht aufgestellt« ist für den Verteidigungsfall. Dennoch ist für sie klar: Militär sollte freiwillig bleiben. Sie selbst wird sich nach dem Abi dort nicht einreihen.

»Kommt die Wehrpflicht, sollte man sie auch auf qualifizierte Frauen ausdehnen«

Junge Frauen dürfen zur Bundeswehr, mussten es bisher aber anders als Männer noch nie. Soll die Wehrpflicht, falls sie zurückkehrt, auf sie ausgedehnt werden? Das ist zwischen CDU und SPD im Bund umstritten. Auf dem Schulhof des Metzinger DBG sehen Emily und eine Mitschülerin weniger inhaltliche als formale Bedenken: »Das Grundgesetz müsste geändert werden.« Was dauern kann. Elias' klare Linie: »Wenn Wehrpflicht, dann auch für Frauen.«

Tobias (19), der in Kürze sein Abitur ablegen wird, ist vor der Frage »Wehrdienst ja oder nein« wichtig, dass es bei der Bundeswehr »ausgearbeitete Konzepte« gibt - auch für die Reserve. Er könnte sich prinzipiell vorstellen, nach dem Gymnasium in ein Logistik-Korps einzurücken. Sollte die Wehrpflicht wieder eingeführt werden, wäre sie seiner Meinung nach auch auf qualifizierte Frauen auszudehnen. »Wichtig ist, dass man durch die Musterung durchkommt.« Die Wehrtauglichkeit ist indes Voraussetzung für alle Geschlechter. (GEA)