BAD URACH. Wenn Erwachsene sich Gedanken machen, was Jugendliche wirklich wollen, ist das Ergebnis oft nicht befriedigend und der Nachwuchs fühlt sich übergangen. Bad Urach hat im vergangenen Jahr deshalb das Beteiligungsprojekt Jugendkonferenz gestartet, bei dem es darum geht, Kritik zuzulassen, Ideen zu sammeln, kurz der Jugend eine Stimme geben.
80 Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Klassen der Bad Uracher Schulen beteiligten sich im vergangenen Juni. Über die Ergebnisse referierte Thomas Burnikel, Leiter Fachbereich Bildung, im Gemeinderat. Moderiert wurde die Veranstaltung von Karola Kellner, die deutschlandweit derartige Jugend-Formate in Zusammenarbeit mit den Kommunen aufsetzt.
Sprungturm, WLAN und Chill-Orte
Die Wünsche der Jugendlichen waren vielfältig: Angefangen bei einem Sprungturm im Höhenfreibad, bei dem aber Bürgermeister Elmar Rebmann schon aus baulichen Gründen abwehrte. Andere Themen waren die Handynutzung an Schulen oder ein besseres und schnelleres WLAN.
Bei der Freizeitgestaltung waren die fehlenden Chill-Orte, die moniert wurden. Die Jugendlichen wollen mehr Plätze und Räume, an denen sie sich treffen können. Sie wünschen sich mehr überdachte Plätze, damit sie sich auch bei schlechtem Wetter oder unter starker Sonneneinstrahlung treffen können. Übrigens nicht nur irgendwo in der Stadt, sondern auch ganz konkret an den Schulen.
Dass die Schülerinnen und Schüler auch das Thema Inflation umtreibt, war selbst dem Bürgermeister neu. Gefordert wurde eine Döner-Preis-Bremse. Hier sieht Rebmann aber eher die Eltern in der Pflicht. »Da sollten die Schüler in Tarifverhandlungen mit nach Hause gehen.«
Ärgernis Busverkehr
Ein Aufreger für die Jugend war der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Wer auf den Bus angewiesen ist, um nach Bad Urach rein und auch wieder rauszukommen, ist nicht gut auf den ÖPNV zu sprechen. »Busfahrer haben keinen Bock auf uns und ihre Arbeit«, stand auf einem Plakat. Schwierig wird es, wenn abends nach acht kein Bus mehr auf die Alb fährt. Vor allem am Wochenende, wenn es darum geht, Freundinnen oder Freunde zu treffen, aber von einem Alb-Dorf nach Urach kein Bus fährt.
Für Burnikel ist das Beteiligen der Jugend, sich ihre Sorgen und Nöte anzuhören, basisdemokratisch. "Die Jugendlichen lernen Dinge realistisch einzuschätzen, was umsetzbar ist oder nicht. Die ÖPNV-Problematik liegt nicht in städtischer Hand, hier ist der Landkreis gefragt, schnelleres Internet oder das Aufstellen von Wellenbänken an der Geschwister-Scholl-Realschule schon eher.
»Die Jugendkonferenz ist allerdings keine Wünsch-Dir-Was-Veranstaltung«, betonte Pressesprecher Bernd Mall, der mit Burnikel zusammen jüngst die achten und neunten Klassen besuchte und Werbung für die Veranstaltung am Mittwoch, 4. Juni, machte. Und das Ergebnis überzeugt. Über 90 Anmeldungen sind schon eingegangen. Mall geht von 100 Schülerinnen und Schülern aus, die mitmachen wollen. Der Grund, warum keine älteren Schülerinnen und Schüler angesprochen werden, erklärt Mall damit, dass Kommunalpolitik in diesen Klassenstufen thematisiert wird und die älteren wegen Prüfungsvorbereitungen zu wenig Zeit hätten.
Wie es weitergehen soll
Die zweite Auflage beginnt um 8 Uhr morgens mit dem Sammeln von Wünschen und Ideen. Die Erwachsenen, so Mall, halten sich zunächst zurück. Ab 11.15 Uhr können dann beispielsweise die Gemeinderäte hinzukommen und als Paten, sich für die Umsetzung einsetzen.
Wichtig ist der Verwaltung, dass bei allen Themen die aufkommen, nicht einfach ein »Nein« zu hören sein wird, sondern den Jugendlichen erklärt wird, warum etwa ein Wunsch nicht umgesetzt werden kann. (ber)

