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Wannweil will Graffiti-Kunst an der Eisenbahnbrücke

Kaum war die neue Eisenbahnbrücke über der Kusterdinger Straße da, wurde der Beton schon mit laienhaften Graffiti verschmiert. Die Gemeinde will sie nicht einfach nur entfernen, sondern das Ganze von Profis gestalten lassen.

Kaum war die neue Eisenbahnbrücke in Wannweil da, hat sich hier schon jemand verewigt. Die Gemeinde will illlegale Besprühungen
Kaum war die neue Eisenbahnbrücke in Wannweil da, hat sich hier schon jemand verewigt. Die Gemeinde will illlegale Besprühungen durch legale Graffiti-Kunst ersetzen. Foto: Andreas Fink
Kaum war die neue Eisenbahnbrücke in Wannweil da, hat sich hier schon jemand verewigt. Die Gemeinde will illlegale Besprühungen durch legale Graffiti-Kunst ersetzen.
Foto: Andreas Fink

WANNWEIL. Vor gut zwei Jahren wurde die neue Eisenbahnbrücke in der Kusterdinger Straße eingesetzt. »Leider blieben die Betonteile nicht lange in ihrer ursprünglichen Form, sondern wurden illegal beschmiert und besprüht«, sagt Wannweils Bürgermeister Dr. Christian Majer. Nachdem deren Entfernung eine Menge Geld kostet und die Wände recht schnell wieder mit neuen Graffiti verunstaltet werden, will die Gemeinde jetzt einen anderen Weg gehen: Die Verwaltung schlägt vor, die illegale Besprühung durch legale Graffiti-Kunst zu ersetzen. Die Idee ist jetzt im Gemeinderat auf breite Zustimmung gestoßen.

Die Deutsche Bahn hat der Gemeinde bereits grünes Licht gegeben, berichtet der Bürgermeister, auch die Verkehrsbehörde hat nichts dagegen. Die Anwohner wissen ebenso schon von den Plänen und haben Verständnis und Zustimmung signalisiert, so Majer. Wie in früheren Projekten in der Bahnhofsunterführung und der Rathaus-Tiefgarage sollen jetzt wieder professionelle Graffiti-Künstlerinnen und -Künstler zum Einsatz kommen.

»Das wird ein tolles Event, das die Leute zusammenführt«

Vorbild ist das Graffiti-Event »urbana.rt« aus Reutlingen. »Was Reutlingen kann, kann Wannweil allemal«, sagt Bürgermeister Christian Majer selbstbewusst und erklärt das Konzept, das »WannweilKREATIV« heißen wird: Wie schon in der Achalm-Stadt wird Julius Zenker das Ganze vorbereiten und leiten. Er ist pädagogischer Mitarbeiter im Jugendhaus Hohbuch, selbst Graffiti-Künstler und hat schon mehrfach die »urbana.rt« organisiert.

Teilnehmen sollen zwischen 15 und 20 Graffiti-Künstlerinnen und -Künstler aus der Region. Eine Gruppe mehrerer DJs sorgt für Stimmung. Für die Verpflegung sorgen Wannweiler Vereine. Bürgermeister Majer kann sich gut vorstellen, »WannweilKREATIV« mit der Wiedereröffnung der Grünanlage »In der Au« nebenan zusammenzulegen und damit gleich doppelt zu feiern. Ein Termin steht bis jetzt noch nicht fest. »Auf jeden Fall wird das ein tolles Event, das die Leute zusammenführt«, freut sich der Bürgermeister auf den Sommer.

»Was Reutlingen kann, kann Wannweil allemal«

Konkret geht es um eine Fläche, die insgesamt 350 bis 400 Quadratmeter umfasst und in 20 Segmente aufgeteilt wird, auf denen sich die Künstler verwirklichen können. Sie können ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Es gibt nur eine Vorgabe: Obszönes, Verletzendes und Politisches ist tabu. »Wir kriegen damit keine Garantie für die Ewigkeit«, so der Wannweiler Bürgermeister, »es gibt in der Szene aber den Grundsatz, dass man so was nicht übersprüht.« Ganz im Sinne von CDU-Chef Erich Herrmann, der das, was man jetzt in Wannweil sieht, als »infantile Schmiererei« bezeichnet und hofft, dass das wegbleibt, »wenn da Kunst von Profis hinkommt«.

Die Gesamtkosten für Planung, Organisation, Material, Verpflegung, Musik und Technik beziffert der Rathaus-Chef auf rund 6.500 Euro. Majer: »Wir kriegen hier für kleines Geld etwas richtig Gutes.« Ein Betrag, dem der Gemeinderat ohne Widerrede zustimmte. Das Gremium zeigte sich einhellig begeistert von »WannweilKREATIV«. Sogar Dr. Christoph Treutler und Erich Herrmann zeigten sich ungewohnt einmütig. »Eine sehr schöne Idee«, findet der Grünen-Chef. Sein CDU-Kollege pflichtet bei: »Wenn man beim Betzinger Friedhof hinschaut: Das sieht super aus.«

Allerdings, so Herrmann, »haben das Profis gemacht«. Eine Entgegnung auf Treutler, der sich wünscht, dass Jugendliche aus dem Ort auch ein bisschen zum Zuge kommen. Herrmann rät, es den Organisatoren zu überlassen, in welcher Form man sie mit reinnehmen kann. Bürgermeister Majer denkt und hofft, dass der örtliche Nachwuchs den Profis »möglichst viel über die Schulter schauen kann«.

»Wir kriegen damit eine Garantie für die Ewigkeit, es gibt in der Szene aber den Grundsatz, dass man so was nicht übersprüht«

Katharina Härtter (SPD) blickt auf den Besuch von Jugendarbeiter Matthias Stedile im Gemeinderat zurück, wo es um den Wunsch der Jugendlichen ging, Verantwortung zu übernehmen. Für die studierte Sozialarbeiterin ist das Graffiti-Event im Ort eine ideale Möglichkeit dazu. Auch Valentin Paal (Grüne) freut sich auf die Veranstaltung im Sommer: »Viele der Graffiti-Künstler haben einen pädagogischen Hintergrund - das ist ideal für die Zusammenarbeit mit unseren Jugendlichen.«

»WannweilKREATIV« muss keine Eintagsfliege sein, blickt Bürgermeister Christian Majer in die Zukunft: »Es gibt immer wieder kleine Wände, wo man so was fortsetzen kann.« (GEA)