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Wannweil: Tempo 40 für die Ortsdurchfahrt kommt

Tempo 30 oder Tempo 50? Diese Frage wurde in Wannweil immer wieder diskutiert. Jetzt hat sich der Gemeinderat für Tempo 40 als Kompromiss entschieden. Wie das Gremium diskutiert und abgestimmt hat.

Hier rollt der meiste Verkehr in Wannweil: Die Hauptstraße ist die wichtigste Verkehrsachse im Ort und verbindet die Gemeinde mi
Hier rollt der meiste Verkehr in Wannweil: Die Hauptstraße ist die wichtigste Verkehrsachse im Ort und verbindet die Gemeinde mit ihren Nachbarn Kirchentellinsfurt und Betzingen. Foto: Ralf Rittgeroth
Hier rollt der meiste Verkehr in Wannweil: Die Hauptstraße ist die wichtigste Verkehrsachse im Ort und verbindet die Gemeinde mit ihren Nachbarn Kirchentellinsfurt und Betzingen.
Foto: Ralf Rittgeroth

WANNWEIL. Wie schnell man durch Wannweil fahren darf, wird in der Echaz-Gemeinde immer mal wieder diskutiert. 2019 stimmte der Gemeinderat mit großer Mehrheit gegen Tempo 30 und bügelte damit einen Antrag der Grünen-Fraktion ab, die damals stärkste Fraktion war. Jetzt hat die Verwaltung im Rahmen des Lärmaktionsplans Tempo 40 als Kompromiss vorgeschlagen. Nach einigem Hin und Her stimmten zehn Räte und der Bürgermeister dafür, zwei waren dagegen.

»Tempo 40 ist besser als Tempo 50, besser wäre Tempo 30«

»Die Einführung von Tempo 40 stellt einen guten Kompromiss dar, der die Lärmwerte und die etwaig draus resultierende Beeinträchtigung deutlich senkt«, sagt Bürgermeister Dr. Christian Majer. Zehn Stundenkilometer langsamer erhöhe die Verkehrssicherheit, lasse aber trotzdem den Verkehr weiter fließen, »was sich positiv auf die Schadstoffbelastung auswirkt«. Außerdem könne dadurch Ausweichverkehr in die Nebenstraßen und Wohngebiete verhindert werden. »Tempo 40 ist aus unserer Sicht die einzig richtige und logische Konsequenz und ein fairer Kompromiss«, sagt der Wannweiler Verwaltungs-Chef.

Anlass für die neuerliche Diskussion über die Geschwindigkeit im Ort war der Lärmaktionsplan, den die Gemeinde im Jahr 2019 erstellt und jetzt fortgeschrieben hat. Im Oktober 2024 hat der Gemeinderat ein Ingenieurbüro aus Stuttgart mit der Überprüfung und Fortschreibung beauftragt. Ende Januar 2025 hat das Gremium dem Entwurf mehrheitlich zugestimmt und eine Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange beschlossen. 105 Bürgerinnen und Bürger haben reagiert. Rund zwei Drittel wollen bei Tempo 50 bleiben, zwei sprechen sich für Tempo 40 aus, knapp 30 Prozent plädieren für die Einführung von Tempo 30.

»Tempo 40 ist ein gangbarer Kompromiss - auch wenn's uns schwerfällt«

Die der Lärmkartierung zugrunde liegenden Verkehrsbelastungen haben sich in den vergangenen fünf Jahren nur geringfügig geändert: Die Zahlen in der Kirchentellinsfurter Straßen haben etwas zu-, die in der Hauptstraße etwas abgenommen. Es ist in der Wannweiler Ortsdurchfahrt nicht lauter als 2019, es sind aber deutlich mehr Menschen vom Verkehrslärm betroffen. Der Grund: Die jetzt geltende Berechnungsmethode führt zu deutlich höheren Betroffenheitszahlen.

Darauf hat die Verwaltung jetzt reagiert und Tempo 40 vorgeschlagen. Was wie zu erwarten für eine Diskussion im Gemeinderat sorgte. Joachim Hespeler von den Grünen zeigt sich »erfreut, dass sich Bewegung in diesem Thema zeigt« und kündigt die Zustimmung seiner Fraktion an. »Aus unserer Sicht wäre die echte Konsequenz Tempo 30«, schiebt er nach. »Das gibt der Lärmaktionsplan aber nicht her«, so Hespeler, »da müsste man Dinge wie die Verkehrssicherheit mitreinnehmen.« Sein Fazit: »Tempo 40 ist besser als Tempo 50, besser wäre Tempo 30.«

""Wir haben jetzt schon de facto kein Tempo 50"

»Wir haben einige Schwierigkeiten mit dem Kompromiss«, sagt dagegen CDU-Chef Erich Herrmann - der aber die Zustimmung seiner Fraktion ankündigt -, »weil es ja gut funktioniert, wie es ist.« Für die Hauptstraße habe die Gemeinde gar keine Verpflichtung, weil hier zu wenige Fahrzeuge unterwegs seien. Mehr noch: Wenn man von K'furt Richtung Ortsmitte fährt, sind rechts nur Industrie und die Echaz. »Da stellt sich die Frage, ob hier eine Temporeduzierung angezeigt ist«, so Herrmann, »das zeigt der Lärmaktionsplan nicht.« Richtung Betzingen dann habe man bei den neuen Häusern vorausschauend auf Schallschutzfenster gedrängt. Aus vielen Gesprächen mit Bürgern habe er die Botschaft »Tempo 50« mitgenommen - wie bei einer von der GAL unterstützten Umfrage, bei der die Hälfte dafür stimmten. Sein Fazit: »Tempo 40 ist ein gangbarer Kompromiss - auch wenn's uns schwerfällt.«

Christian Herrmann (CDU) moniert, dass im Lärmaktionsplan die örtlichen Gegebenheiten nicht berücksichtigt würden, die den Verkehr eh schon verlangsamten. »Der Gemeinderat hat in der Vergangenheit so viele Maßnahmen ergriffen, dass es nicht nötig wäre, Tempo 40 einzuführen - wir haben jetzt schon de facto kein Tempo 50.« Martina Lietz (FWV) fährt mit 50 durch den Ort, »und überhaupt: wer mich kennt, weiß, dass ich gern schnell fahre«. Trotzdem stimmt sie aus Rücksichtnahme Tempo 40 zu.

»Ich werde immer wieder im Ort und auch auswärts dafür gelobt, dass man bei uns noch 50 fahren darf«

Kein Verständnis für Tempo 40 hat Helmut Bader von der Freien Liste. »Ich werde immer wieder im Ort und auch auswärts dafür gelobt, dass man bei uns noch 50 fahren darf«, sagt er. Selbst im Lärmaktionsplan stehe klar und deutlich, das im Gemeindegebiet in Bezug auf Straßenverkehrslärm keine weiteren Lärmprobleme bestünden, so Bader. »Warum man jetzt Unterhäuser oder Ohmenhäuser Regelungen bei uns einführen will, kann ich nicht nachvollziehen.« An seiner Seite Ulrich Joos, der ebenfalls gegen das von der Verwaltung vorgeschlagene Tempo 40 ist. Bader warnt vor einem Tempo-40-Schilderwald und sagt abschließend: »Ich halte es für wichtiger, Bäume als Schilder zu pflanzen.« Die Schilder kommen, sobald die Anordnung der Verkehrsbehörde im Landratsamt da ist.

Katharina Härtter hätte sich auch über Tempo 30 gefreut, ist aber für die SPD-Fraktion über Tempo 40 froh. Als junge Mutter ist sie schon oft lange an dem Zebrastreifen gestanden, ohne dass jemand anhält. »Der wird oft noch übersehen.« (GEA)