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Viel Potenzial für ein Nahwärmenetz im alten Ortskern von Walddorf

Ein Stuttgarter Ingenieurbüro schlägt dem Walddorfhäslacher Gemeinderat als Wärmelieferant Biomasse, eine Großwärmepumpe oder ein Kollektorfeld vor.

Wenn es, wie jetzt im Winter, kälter wird, einfach mal die Heizung hochdrehen, um nicht zu frieren. Doch, wo kommt in Zukunft di
Wenn es, wie jetzt im Winter, kälter wird, einfach mal die Heizung hochdrehen, um nicht zu frieren. Doch, wo kommt in Zukunft die Wärme klimaschonend her? Walddorfhäslach will die Antwort mit einer detailierten Wärmeplanung geben. Foto: Marcus Brandt/dpa
Wenn es, wie jetzt im Winter, kälter wird, einfach mal die Heizung hochdrehen, um nicht zu frieren. Doch, wo kommt in Zukunft die Wärme klimaschonend her? Walddorfhäslach will die Antwort mit einer detailierten Wärmeplanung geben.
Foto: Marcus Brandt/dpa

WALDDORFHÄSLACH. Bis zum Jahr 2045 sollen in Deutschland die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null gestellt werden. So ist das Ziel. Das ist zwar noch lange hin, trotzdem hat sich Walddorfhäslach schon des Themas angenommen und inzwischen das Stuttgarter Ingenieur-Büro Fichtner beauftragt, eine Wärmeplanung auszuarbeiten und gleich zu zeigen, in welchen Gebieten man im Ort ansetzen könnte. Dr. Daniel Zech vom Büro Fichtner hat dem Gemeinderat nun erste Erkenntnisse vorgelegt, die allerdings in der Umsetzung noch recht vage sind.

»Wir werden bei den Nahwärmenetzen sicher nicht alle zufriedenstellen können«, gab Zech gleich zu Beginn seiner Ausführungen zu. Solche Netze könnten nur dort entstehen, »wo es wirtschaftlich Sinn macht«. Und nach Zechs Vorstellungen sind das in erster Linie die Stellen im Ort, die dicht bebaut sind und einen hohen Sanierungsbedarf aufweisen.

Keine Verpflichtung für Anlieger

Es gäbe im Ort einige Areale, die Potenzial für ein Nahwärmenetz besäßen. Und ein solches hat Zech beispielsweise im Ortskern von Walddorf erkannt. Allerdings schickte er gleich voraus, dass dies alles noch »keine verbindliche Wärmeplanung« sei. Dies bestätigte auch Bürgermeisterin Silke Höflinger: »Nicht, dass man denkt, man ist jetzt dazu verpflichtet.« Neben der dichten Bebauung ist natürlich von großer Bedeutung, ob sich genügend Anlieger letztlich auch an das Nahwärmenetz anschließen wollen. Dies müssten gut über 50 Prozent der Anlieger sein, meinte Zech am Donnerstag im Gemeinderat. Nur so könne es wirtschaftlich von der Gemeinde betrieben werden.

Zwei Szenarien hat das Büro jetzt genauer ausgearbeitet. Es geht dabei um ein Gebiet hinter dem Rathaus in Walddorf, zwischen Badstraße, Weiher- und Nonnengasse und der Gustav-Werner-Straße. Dieses Areal ist dicht bebaut und hat wegen der alten Gebäude einen großen Wärmebedarf und ein hohes Sanierungspotenzial. Hier nennt Zech eine Anschlussquote von sechzig Prozent, die für die Wirtschaftlichkeit nötig sei, »nur so werden Sie einigermaßen glücklich«.

Zwei Szenarien für Nahwärmenetze

Das erste Szenario beschreibt eine Nahwärmeleitung, die durch die Gustav-Werner-Straße bis hin zur Gustav-Werner-Gemeinschaftsschule verläuft. Hier gibt es 17 mögliche Anschluss-Gebäude, sieben davon mit öffentlicher Nutzung, acht Wohnhäuser und zwei Gebäude, die dem Gewerbe zuzurechnen sind.

Bei der zweiten Version verläuft die Nahwärmeleitung in erster Linie durch die Bachstraße hin zur Schule. Hier gibt es 19 Gebäude (sieben öffentliche, zweimal Gewerbe, zehn Wohnhäuser), die angeschlossen werden könnten. Beide Versionen hätten »günstige Voraussetzungen für Wärmenetze« und verfügten über ein hohes Potenzial zur CO2-Reduzierung, so Zech.

Bürgerversammlung im kommenden Jahr

Wo soll die Wärme für das Netz herkommen? Zech spricht hier von drei Quellen. Da wäre einmal Biomasse als Wärmelieferant, sprich eine Holzhackschnitzelanlage – die ist auch der Favorit derzeit, weil es eine solche Anlage beispielsweise bereits bei der Ballspielhalle gibt. Die zweite Möglichkeit wäre eine Großwärmepumpe. Auf Nachfrage von Gemeinderätin Roswita Decker-Röckel musste Zech allerdings einräumen, dass diese Möglichkeit entfallen würde, wenn viele Anwohner vorher eigene Wärmepumpen installieren lassen würden. Die dritte Variation wäre laut Zech Solarthermie, die von Kollektorfeldern gespeist wird.

Ende des ersten Quartals 2026 will Zech eine Abschlussplanung vorlegen. Bürgermeisterin Silke Höflinger kündigte deshalb am Donnerstag auch gleich eine Bürgerversammlung für kommendes Jahr an, bei der die Planungen öffentlich vorgestellt und diskutiert werden sollen. (GEA)