METZINGEN/BAD URACH. Am Dienstagmorgen um kurz nach neun Uhr schickt eine Kollegin aus Dettingen einen Screenshot mit Zugverbindungen zu ihrem Arbeitsplatz in Reutlingen. Über der planmäßigen Abfahrt um 9.05 Uhr steht in roter Schrift »Fahrt entfällt«. Der nächste um 9.35 Uhr geplante Zug kommt zehn Minuten später. Es ist Tag zwei des lange erwarteten Halbstundentakts auf der Ermstalbahn, aus dem nach einem Start mit Verspätungen am Montag nun kurzerhand wieder ein Stundentakt geworden ist. Die für sie ernüchternde Botschaft sehen die Fahrgäste auf den Anzeigetafeln im Metzinger Bahnhof: Darauf ist nicht nur die Rede von einem Stundentakt samt Ersatzbussen in Richtung Bad Urach, sondern auch von einer Störung an einem Bahnübergang.
Einen Hinweis auf den Grund der Verspätungen und Ausfälle liefert der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb (RSBNA) über das soziale Netzwerk Instagram: »Heute früh wurde die Schranke am Bahnübergang Noyon-Allee in Metzingen von einem Auto abgefahren«, steht in deren Story. Durch diesen Schaden komme es aktuell zu Einschränkungen im Zugverkehr auf der Ermstalbahn. »Die RSBNA SI GmbH arbeitet mit Hochdruck daran, die Schranke zu ersetzen«, heißt es. Gemeint ist die Tochtergesellschaft des Zweckverbands für die Schieneninfrastruktur auf der Ermstalbahn. »Der Fahrer oder die Fahrerin hat danach Fahrerflucht begangen«, teilt die RSBNA über Instagram mit. Offenbar ist der Unfall bereits früh am Dienstag passiert. Denn die RSBNA SI bittet um Hinweise an das Polizeirevier Metzingen zu verdächtigen Beobachtungen und einem auffälligen Fahrzeug gegen 6 Uhr oder früher am Bahnübergang in der Noyon-Allee in Metzingen oder in dessen Umgebung.
Störungen an Bahnübergängen
Am Montag begann der neue Halbstundentakt auf der Ermstalbahn. Allerdings meldete die Smartphone-App DB Navigator an dem Tag Stellwerkprobleme auf der Neckar-Alb-Bahn zwischen Tübingen und Reutlingen. Während der Mitfahrten des GEA-Reporters zwischen Metzingen und Bad Urach kam es von 11 bis 13.20 Uhr immer wieder zu Verspätungen durch Warten auf Gegenzüge in den Kreuzungsbahnhöfen Metzingen und Dettingen-Gsaidt auf der ansonsten eingleisigen Strecke und durch kurze Stopps vor Bahnübergängen. Andrea Müller, die Pressesprecherin des Zweckverbands RSBNA, hatte am Montag Stellung zu der teils langsamen Fahrt mit den Stopps genommen: »Es gibt Störungen an den Bahnübergängen Wielandstraße, Hofbühlstraße und Kelternstraße. Die haben damit zu tun, dass die Strecke zwei Wochen außer Betrieb war.« Das sei nicht so ungewöhnlich. Die Störungen müssten natürlich schnell behoben werden, seien aber kein großes Problem, sagte Müller: »Durch die kurzen Stopps kommt es zu geringfügigen Verzögerungen, die sich auf das Kreuzungsmuster aber nicht auswirken, weil sie wieder rausgefahren werden.«
Am Dienstagnachmittag benennt Müller Gründe für die Zugausfälle und dem zeitweise eingeschränkten Verkehr zwischen Metzingen und Bad Urach am Morgen und Vormittag: »Der Zugverkehr auf der Ermstalbahn ist eingeschränkt, seitdem die Schranke beschädigt wurde. Um dennoch ein Grundangebot an Zügen aufrechtzuerhalten, wurde seither im Stundentakt gefahren.« Weil das Auto gegen die Schranke gefahren sei, sei deren Baum abgebrochen und habe den Straßenverkehr nicht mehr zuverlässig vom Gleis abschirmen können. Der Vorfall sei von der Fahrdienstleitung im Bahnhof Metzingen gegen 6.10 Uhr der RSBNA SI gemeldet worden. Als Folge »mussten die Lokführer den Bahnübergang nach den vorgeschriebenen Richtlinien sichern, was den Zugverkehr verlangsamt hat«.
Einblicke im Laufe des Tages in die elektronischen Fahrpläne zeigen, dass sich die Situation auf der Ermstalbahn immer wieder verändert. Demnach ist die planmäßige Abfahrt um 8.21 Uhr in Bad Urach um 20 Minuten verspätet gewesen. Der nächste Zug eine halbe Stunde fuhr nicht, sondern stattdessen ein Bus des Schienenersatzverkehrs (SEV). Um 11 Uhr zeigte sich ein ähnliches Bild: Die Abfahrt in Bad Urach um 11.21 Uhr in Richtung Metzingen fiel nach Angaben des DB Navigators aus, stattdessen fuhr um 11.12 Uhr der reguläre Linienbus 7640 nach Metzingen und um 11.56 Uhr erneut ein SEV-Bus. Der nächste Zug ist erst für 12.21 Uhr in der App verzeichnet.
Um 12.40 Uhr gibt es einen Hinweis darauf, dass sich die Situation entspannt. Die beschädigte Schranke ist inzwischen repariert und ein pünktlicher Zug von Bad Urach fährt in den Bahnhof Metzingen ein. Um 15 Uhr zeigt die Homepage der Deutschen Bahn keine SEV-Busse, sondern wieder pünktliche Züge im Halbstundentakt ab Metzingen um 15.15 Uhr und 15.45 Uhr nach Bad Urach an. Sprecherin Müller teilt am Dienstagnachmittag mit, dass Mitarbeiter der RSBNA SI die Schranke inzwischen ersetzen konnten und diese seit 12.20 Uhr in Betrieb sei.
Müller betont, dass der etwas holprige Start des Halbstundentakts nicht an technischen Problemen der RSBNA SI auf der Ermstalbahn liege. »Die massiven Verspätungen und Zugausfälle am 15. und 16. Dezember wurden ausschließlich von der Störung im Bahnhof Tübingen am 15. Dezember und der beschädigten Schranke am Bahnübergang Noyon-Allee am 16. Dezember verursacht.« Die am Montag benannten Probleme mit drei Bahnübergängen verursachten minimale Verzögerungen, die sich auf der Ermstalbahn ausgleichen ließen. Wichtig ist Müller: »Die RSBNA SI GmbH hat alle technischen Voraussetzungen für einen Halbstundentakt geschaffen. Die neuen elektronischen Stellwerke sind in Betrieb und funktionieren einwandfrei. dasselbe gilt für die neue Leit- und Sicherungstechnik entlang der Ermstalbahn-Strecke.« (GEA)



