METZINGEN. »Der Hopf ist ein Tropf«, beschrieb Adam Lonitzer 1704 die launige Kletterpflanze, die »Melancholey und Schwere des Geblüts auß dem Leib treibet«. Albrecht Arnold hat sich für den Arbeitskreis Stadtgeschichte (AKS) auf die Spur des Hopfen-Anbaus im Ermstal geheftet, der im 19. Jahrhundert versucht wurde. Da er nicht genug Geld einbrachte, blieb die Sache ein kurzes Intermezzo. Detailliert nachzulesen ist es im 28. »Spuren«-Heft des AKS, das dieser kürzlich vorgestellt haben. Albrecht Arnold, der Leiter des Dettinger Heimatmuseums, hat die Titelgeschichte geschrieben.
Jede Menge Herzblut, jede Menge wissenschaftliche Recherche in verschiedenen Archiven und jede Menge Schreibstunden sind in das aktuelle Metzinger Geschichtsmagazin eingeflossen. Dank Alexander Lauer, der Profi-Grafiker ist, sein Know-how »seinem« AKS aber unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, sind die »Spuren« auch noch schön anzusehen: Sie fallen durch ein abwechslungsreiches Layout auf, in dem Bilder auch schon mal ganz nah und konturiert von Text umflossen werden.
Obst 1135 ersterwähnt
So auch an dem reich behangenen Apfelzweig in Rudolf Renz' Beitrag über die Streuobstwiesen zwischen Metzingen und Bad Urach. »Ich habe versucht, die Geschichte des Obstanbaus im Ermstal zu untersuchen.« Die bis in die Römerzeit zurückreicht: »Die erste schriftliche Erwähnung des Obstbaus verdanken wir dem Mönch Ortlieb.« Der in seiner zweibändigen Zwiefalter Chronik von 1135/37 das Ermstal und besonders die Markung Neuhausen, die bis 1750 zum Kloster gehörte, mit schwärmerischen Worten umschrieb.
Weniger schwärmerisch sind die Worte von Fachleuten, die sich um die Zukunft der größten Streuobstlandschaft Europas drehen und die Renz ebenfalls in seinen Bericht aufgenommen hat: »Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit ist die Erhaltung der Streuobstwiesen gefährdet.«
Die Burg auf dem Weinberg
Ernst bleibt es auch bei Regine Lotterers »Spuren«-Beitrag. Die Autorin, neben Alexander Lauer, Barbara Eisele und Dr. Helmut Kaut im AKS-Vorstand, hat Harmen Atema interviewt. Der ehemalige NS-Zwangsarbeiter schildert, wie er das Ende des Zweiten Weltkriegs in Metzingen erlebt hat. Auch ein Bub und ein Soldat aus der Kelternstadt kommen zu Wort.
Aha-Erlebnisse wird Dr. Michael Kienzle vielen Leserinnen und Lesern des AKS-Magazins vermitteln: Der Burgenarchäologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Tübingen, hat die ehemalige Burg auf dem Metzinger Weinberg nachgezeichnet. Wo genau das 1281 ersterwähnte »castrum winberch« gestanden und wie es ausgesehen haben könnte, dafür gibt es vor Ort bis heute Anhaltspunkte. Das weithin sichtbare Türmchen auf dem Gipfel hat mit der Ex-Burg übrigens nur die Lage gemein. »Der Verschönerungsverein hat es Mitte des 19. Jahrhunderts völlig unabhängig davon gebaut«, erläutert Regine Lotterer.
Weniger Mitglieder, mehr Follower
Vier weitere große Artikel enthält das »Spuren«-Heft, doch sie werden hier nicht verraten. Der Arbeitskreis Stadtgeschichte ist mit dem verjüngten Vorstand auf Zukunftskurs und auch in den sozialen Medien. »Auf Instagram haben wir schon 350 Follower«, berichtet Lotterer erfreut, »man merkt, dass ein Interesse an geschichtlichen Themen besteht.« Auf der anderen Seite steht der stetige Mitgliederrückgang: 240 sind es noch, den fünf Neueintritten seit Ende 2024 stehen zwölf Todesfälle gegenüber.
In Metzingen, Dettingen und Bad Urach erhältlich
Die 28. Ausgabe der »Spuren« des AKS Metzingen hat 76 Seiten und 88 Abbildungen. Das Heft kostet wie gehabt 10 Euro und ist in der Tourist-Info Metzingen in der Stuttgarter Straße, der Papeterie Ströbel, der Finkeria, dem Bioladen Löwenzahn (alle Metzingen), dem Kiosk Lutz in Neuhausen, der Buchhandlung Litera in Dettingen und der Buchhandlung am Markt in Bad Urach erhältlich. (GEA)
Die AKS-Aktiven organisieren in ihren Mittwochsrunden die monatlichen Treffen im Schönbeinsaal des Klosterhofs 13 und die jährlichen Exkursionen zu geschichtsträchtigen Zielen. Sie pflegen Kontakt zum Stadtarchiv um Rolf Bidlingmaier und sie legen alle Jahre wieder neue »Spuren« auf, die sie mit Qualität in Text und Bild verbunden sehen wollen. »Da steckt viel ehrenamtliches Engagement drin.« (GEA)

