METZINGEN-GLEMS. Wer am Samstag nicht genau wusste, wie er von einem Parkplatz hinter der Halle den Eingang finden konnte, musste nur seiner Nase folgen, denn das Sauerkraut von der Schlachtplatte wies duftend den Weg zum Kirbefest in der Otto-Single-Halle. Wenn der Gesangverein Glems einlädt, ist die Halle voll und neben deftiger Schlachtplatte an beiden Tagen samstags außerdem bester Chorgesang garantiert.
Angefangen hat alles vor annähernd 50 Jahren mit dem Kirbetanz des damaligen Glemser Männerchors in der Halle. Daraus wurde das Kirbefest des Gesangvereins. Der besteht heute aus dem 1996 gegründeten »junggebliebenen, gemischten Chor, der quer durch sämtliche Musikrichtungen singt«, so die Beschreibung mit eigenen Worten des Chores. Zum Auftakt des klangvollen Glemser Sängerabends sangen sie unter Leitung von Stephanie Schmid »Seite an Seite«.
Dieser Chor schreibt sich »Fortissmo Gesangverein Glems«, aber auf den T-Shirts steht »ffortissimo«. Diese Schreibweise hat auch »ffortissimo Pfullingen«, »der moderne Chor im Liederkranz Pfullingen«, der sich an diesem Abend unter Leitung von Mario Kay Ocker bestens mit Musicalmelodien präsentierte. Zustande kam der Kontakt durch zwei Sängerinnen, die sich auf dem Übersberg trafen und die Idee zu einem gemeinsamen Auftritt beim Glemser Kirbefest hatten.
Ebenfalls zum ersten Mal in Glems dabei war der Männerchor Erpfingen unter Leitung von Vizedirigent Silas Dreher. Er setzt die große Tradition der Männerchöre überzeugend fort. »Männer mag man eben« war auch einer ihrer Titel zum krönenden Abschluss der Chorauftritte.
Tisch für gebürtige Glemserinnen
Auch der Männerchor Walddorf unter Leitung von Rosi Hertl, ließ hören, dass er zu den besten Männerchören in der Region zählt und überraschte mit dem »Himalaya-Marsch« von Franz Josef Sigmund, den bisher kaum ein Chor in der Region gesungen hat, und beschrieb die Zukunft mit »Ihr von morgen«, komponiert von Udo Jürgens mit Text von Michael Kunze. Der Swingchor Bad Urach unter Leitung von Nico Münzing – vielen auch als Organist in den Kirchen der Umgebung bekannt – wies schon mal auf sein neues Projekt »von der Fliege bis zur Klatsche« mit Premiere im April hin mit »Insektenspray« und eigenem Text von Hermann Kiefer zur Musik von Pat Monahan, Espen Lin und Amund Bjorkland.
Am Sonntag gab es dann keine gesungenen, sondern sprachliche »Loblieder« auf die Kirbe des Gesangvereins als »Dorffest im Herbst« mit Schlachtplatte und Zwiebel- und Krautkuchen aus dem Backhaus sowie süßer Kuchenvielfalt. »Hier trifft man sich einfach zum gemütlichen Beisammensein, Glemser Kirbe gehört zum Herbst wie der Weihnachtsmarkt zum Winter«, formulierte es eine Einheimische. Es gab sogar einen Tisch mit gebürtigem Glemserinnen, die jetzt woanders wohnen, weil sie einen »auswärtigen« Ehemann haben, beispielsweise aus Grafenberg. (mar)

