HENGEN. So viel Historie in einem kleinen Albdorf mit knapp 1.000 Einwohnern: Für Hengen reichte es jedenfalls für ein zweites Heimatbuch, 340 Seiten dick. Es ist prall gefüllt mit Aspekten, die beim ersten Band nicht berücksichtigt werden konnten: Da geht es um die Frühjahrssaat und Ernte, werden das Kriegerdenkmal und ehemalige Vereine thematisiert oder auch die Freude über die Wiederbelebung des Dorfhocks. Die Veröffentlichung steht kurz bevor, doch jetzt ist laut Rolf Slogsnat eines klar: »Es gibt noch viele weitere Themen.« Edmund Heß beschreibt es lachend wie eine Sucht: Habe man einmal eingefangen, in die Tiefe der Geschichte einzutauchen, komme man kaum davon los.
Zehn Frauen und Männer mit Wurzeln im Ort sowie der in der Region bekannte Heimatforscher Ernst Strähle aus Böhringen bildeten den Arbeitskreis, der am 19. Januar 2023 erstmals zusammengekommen war und seitdem konzentriert und engagiert am zweiten Band gearbeitet hatte. Jeder hatte sein Aufgabengebiet, doch man sei stets im Austausch gewesen. Klar: Wer bei seiner Recherche auf ein Thema eines anderen gestoßen ist, gab die Information auch weiter.
Arbeit in Archiven
Sozusagen übergeordnete Instanz war Ernst Strähle: Der kenne sich laut Slogsnat mit der Systematik der Archivarbeit aus und habe ganz genau gewusst, wo was stehe. Und so strömten die Hengener aus in die Archive in Reutlingen, Tübingen, Ludwigsburg und Sigmaringen, statteten auch dem Staatsarchiv in Stuttgart Arbeitsbesuche ab. Auch vor Ort wurden sie fündig: Das Hengener Archiv musste neu geordnet werden, die Arbeitskreis-Aktiven unterstützten Kulturreferent Thomas Braun dabei an zwölf Nachmittagen und unzähligen Vormittagen: »Wir wissen nun, was da ist«, erklärt Slogsnat, der gemeinsam mit Tochter Tina den Arbeitskreis führt.
Die Aufgabe hatte ihnen Pfarrer Mark Christenson übertragen, der im vergangenen September Hengen verlassen hat. Er war Initiator und Motor bei der Umsetzung des ersten Bandes, der 2022 zur 750-Jahr-Feier von Hengen erschienen war. Damals habe man unter Zeitdruck gearbeitet, erinnern sich die Freizeit-Historiker: Gerade mal ein halbes Jahr sei zur Verfügung gestanden. Nun habe man sich die Zeit nehmen können, habe aber bewusst einen Schlusspunkt gesetzt.
Fruchtbare Zusammenarbeit
Der Probedruck liegt nun vor, wurde reihum von einigen Arbeitskreismitgliedern – neben den beiden Slogsnats und Edmund Heß sind es Annegret Kächele, Magdalena und Ingrid Kuhnle, Hermann Kiefer sowie Anneliese und Hans Lieb - genau unter die Lupe genommen und später final in großer Runde. Und da wurde das praktiziert, was während des gesamten Entstehungsprozesses wichtig war: Jeder konnte seine Meinung sagen. Die seien, so Slogsnat rückblickend, durchaus unterschiedlich gewesen – insgesamt habe die Zusammenarbeit sehr viel Spaß gemacht.
Und das über Generationen hinweg, denn der Arbeitskreis ist alles andere als ein Tummelplatz für Rentner: Das Alter wie auch die Berufe, Erfahrungen und persönlichen Interessen seien bunt gemischt, erzählt Edmund Heß. Mit Interesse hätten sie den Erzählungen der älteren in der Runde zugehört, heißt es unter den jüngeren. Vieles über das geschrieben wurde, haben Arbeitskreismitglieder nämlich noch selbst erlebt: Die Flurbereinigung beispielsweise. Oder auch den Abriss des einstigen Bettelhauses. Und an die Molke erinnert sich Ortsvorsteher Gerhard Stooß gerne: Das sei damals ein Treffpunkt für die Jugend gewesen. »Unser Bauwagen sozusagen«, meint Heß augenzwinkernd.
Meisten Bücher vorbestellt
Der erste Band der Hengener Geschichte lief über die Stadt, dafür gab’s aus Anlass des Jubiläums einen Zuschuss. Die zweite Auflage wird vom Arbeitskreis selbst organisiert, der finanziert den Druck vor. 250 Exemplare werden bei einem Online-Verlag gedruckt, 214 sind bereits vorbestellt. Die Interessenten werden laut Rolf Slogsnat informiert: »Wir hoffen, dass sie vor Weihnachten da sind.« (GEA)

