METZINGEN. Frau C. ist von der Stadt Metzingen »ordnungsrechtlich untergebracht«, lebt also auf behördliche Anordnung in einer Sozialwohnung. Aus ihrer früheren Wohnung wurde sie gekündigt und zwangsgeräumt, nachdem sie die Miete nicht mehr zahlen konnte. Die 62-Jährige hat Diabetes und demenzielle Einschränkungen. Sie ist sturzgefährdet und benötigt Hilfe im Haushalt.
Um Menschen wie sie kümmert sich die Arbeiterwohlfahrt Reutlingen (AWO) mit dem Projekt HoME. Auch in Metzingen. Sandra Gänzle von der AWO hat das Projekt im Gemeinderat vorgestellt. HoMe heißt ausgeschrieben Hilfen für ordnungsrechtlich untergebrachte Menschen. Die AWO schaut hin, welchen Hilfsbedarf Betroffene wie Frau C. haben. Vermittelt zu Behörden, Pflegediensten, Haushaltshilfen, möglichen Arbeitgebern.
»Jede und jeder kann obdachlos werden«
Gänzle weiß: »Jede und jeder kann obdachlos werden.« Die Spirale nach unten kann schnell Fahrt aufnehmen. Verliert jemand seinen Arbeitsplatz, fällt das Einkommen weg. Ist kein Partner da, kann oft die Miete nicht mehr bezahlt werden, zumal Wohnen tendenziell teurer und nicht günstiger wird. In Metzingen betroffen ist selbst eine Familie, in der beide Elternteile arbeiten, legt die AWO-Fachfrau offen: »Sie findet einfach keine bezahlbare Wohnung.«
Die AWO kann zumindest suchen und vernetzen helfen. Sandra Gänzle genauso wie Lisa Jäger und Jasmin Rentschler vom Netzwerk Ambulante Wohnungssicherung (NAWO), das ebenfalls bei der Arbeiterwohlfahrt angesiedelt ist. Die beiden kümmern sich speziell um Menschen, denen Wohnungsverlust droht, etwa durch Kündigungen wegen Eigenbedarfs und mit Räumungsklagen.
»Vieles ist unsichtbar, die Dunkelziffer hoch«
Im gesamten Jahr 2024 waren in der Kelternstadt 18 solcher Fälle drohenden Wohnungsverlusts zu verzeichnen, bis Anfang Oktober 2025 zehn. Die NAWO-Beraterinnen versuchen, zwischen Mietern und Vermietern zu vermitteln, Zahlungsmodelle bei Mietrückständen zu entwerfen, den Erhalt der Wohnung zu erreichen. »Auch Vermieter können sich an uns wenden«, macht Lisa Jäger deutlich.
Jeden ersten und dritten Mittwoch um Monat von 14.30 bis 16 Uhr hat NAWO im Gebäude Beim Rathaus 18-20 offene Sprechstunde, jeden zweiten und vierten ist HoMe erreichbar, die Macherinnen sind zudem per E-Mail zu kontaktieren. Bei Terminen gibt es Wartezeiten von drei bis vier Wochen.
»Wie viele Menschen sind in Metzingen von Obdachlosigkeit betroffen?«, will CDU-Stadträtin Karin Theis wissen. Die AWO-Leute konnten keine Zahlen nennen. »Vieles ist unsichtbar, die Dunkelziffer ist hoch«, sagt Sandra Gänzle. Ordnungsrechtlich untergebracht sind in der 23.000-Einwohner-Stadt 96 Menschen, darunter 23 Familien und 26 Einzelpersonen. (GEA)

