Überwiegend junge Zuhörer
»Übrigens. Schön, dass ihr da seid.« Mitten in der Lesung überraschte er seine Zuhörer. Gerade hatte Benjamin Lebert noch eine Szene aus seinem neuen Buch vorgelesen. Da stoppte er, schaute auf und sagte leicht verträumt diesen Satz. So, als ob er jeden einzelnen im Publikum schon lange kennen würde.
Zurzeit tourt Benjamin Lebert mit seinem Buch »Der Vogel ist ein Rabe« durch ganz Deutschland. Überwiegend Jugendliche, aber auch ältere Zuhörer kommen zu den Lesungen. Lebert ist 20 Jahre alt und hat gerade sein zweites Buch veröffentlicht. Vier Jahre hat er dafür gebraucht. Bekannt wurde er durch seinen Roman »Crazy«, den er im Alter von 16 Jahren geschrieben hat. »Crazy« wurde zum Bestseller, in 33 Sprachen übersetzt und verfilmt.
»Der Vogel ist ein Rabe« handelt von zwei Jungen, beide Anfang 20, die in einem Schlafabteil zusammen nach Berlin fahren. Einer der Jungen erzählt dem anderen über Freundschaft und Liebe - und die Erfahrung, alles verloren zu haben. Wie auch in »Crazy« geht es um Menschen, die Behinderungen und psychische Probleme haben. Lebert ist selbst halbseitig gelähmt. Doch im Gegensatz zu seinem ersten Buch, thematisiert er hier seine eigene Behinderung nicht. Seine Ausdrucksweise ist hart und direkt. Er redet nicht um den heißen Brei herum. Ungeniert konfrontierte Lebert sein Publikum mit delikaten Stellen, ohne sich darum zu scheren, was ältere Zuhörer denken könnten. Der Autor schreibt so, wie viele der jungen Leser denken und reden.
Bei der anschließenden Signierstunde stürmten vor allem seine weiblichen Fans nach vorne, um ihren »Schwarm« regelrecht anzuhimmeln. Freundlich und gelassen nahm Benjamin Lebert sich für jeden Zeit und freute sich über alle, die zu ihm an den Tisch kamen. (GEA)

