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Schafe schaffen im Wengert

Der Glemser Stefan Reusch hat 26 »Mitarbeiter« im Dienst, die seine Rebflächen ökologisch pflegen

Stefan Reusch mit Luis, dem jüngsten Mitarbeiter, in seinem Weinberg.  FOTO: RUOF
Stefan Reusch mit Luis, dem jüngsten Mitarbeiter, in seinem Weinberg. FOTO: RUOF
Stefan Reusch mit Luis, dem jüngsten Mitarbeiter, in seinem Weinberg. FOTO: RUOF

METZINGEN. Zugegeben sind an diesem Montagmorgen die »englischen Mitarbeiter« Wolle, Luis, Nanny oder Nicoletta, die Stefan Reusch auf seinen Rebflächen beschäftigt, nicht gerade in bester Arbeitslaune. Sie liegen im Neuhäuser Wengert des Glemsers und dösen vor sich hin. Es handelt sich um insgesamt 26 Shropshire-Schafe, darunter 14 Lämmer. »Das ist eine alte Hausschafrasse, die aus dem englischen Shropshire stammt und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus lokalen Schafrassen gezüchtet wurde«, weiß Stefan Reusch.

Seit letztem Jahr setzt er Schafe zur Bewirtschaftung in seinen Weinbergen ein. Hier in Neuhausen stehen sie inmitten von zehn Ar Schwarzriesling- oder Burgunderreben. Vor rund drei Jahren ist der Glemser Reusch auf das Projekt, das unter dem Namen »Win-Win im Weinberg – innovatives, ökologisches und ökonomisches Weinbergmanagement mit extensiver Schafbeweidung« firmiert, aufmerksam geworden. Das Weinbauinstitut Freiburg und die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg hatten 2022 eine vierjährige Studie dazu veröffentlicht.

Das Futter war knapp

Was in Rottenburg und Freiburg untersucht wurde, ist nichts Neues: Kaum 70 Jahre ist es her, dass Weidetiere im Winter in Weinbergen relativ häufig und keine Ausnahme waren. In der Weidetierhaltung war das Futter knapp und Rebflächen boten eine Nahrungsgrundlage. Gleichzeitig war Kunstdünger teuer oder überhaupt nicht verfügbar. Der Weinbau war also auf die Ausscheidungen der Tiere angewiesen.

Im vergangenen Jahr hatte Reusch einen ersten Versuch mit französischen Zwergschafen und den Shropshire unternommen. Nach einem Testjahr hat er sich für die pflegeleichten Shropshire entschieden, die in der Anschaffung bei rund 250 Euro liegen. Mittlerweile züchtet Reusch selbst.

"Die Shropshire werden nicht so groß wie unsere herkömmlichen Schafe, passen also unter den Drähten durch und können problemlos zwischen den Reihen weiden. Auch stellen sie sich nicht wie unsere heimischen Schafrassen auf die Hinterfüße. Das würde dazu führen, dass auch die oberen Rebblätter abgegrast werden. Dass die Shropshire auf den Rotwein-Anbauflächen stehen, hat seinen Grund: "Die weißen Rebenblätter mögen sie besonders, etwa Silvaner oder Müller-Thurgau. Da würden sie dann zu viel von den Blättern abfressen. Wenn die Trauben süß werden, müssen die Schafe ebenfalls raus, denn wie die Menschen auch mögen sie die reifen Früchte", erklärt der Mostereibesitzer. Die Schafe, so Reusch, erledigen im Weinberg gleich drei Aufgaben: Sie fressen das Gras unter dem Weinstock, entlauben im unteren Teil des Rebstocks die Blätter, damit mehr Licht an die Trauben kommt und sorgen mit ihrem Kot, den sie ausscheiden, für einen Dünger von außergewöhnlicher Qualität. "Dazu lockt der Kot verschiedene Käfer an, verstärkt damit die Artenvielfalt im Weinberg", wie Robert Bahnmüller, Geschäftsführer der Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen, betont. "Wir sind immer offen für neue Methoden, vor allem wenn sie ökologisch und ökonomisch Sinn machen", sagt der Genossenschaftschef.

Fünf bis sechs Tage benötigen die Schafe bis seine 10 Ar in Neuhausen abgeweidet sind, dann kommen sie auf seinen anderen Rebflächen in Neuffen, Kappishäusern oder Kohlberg zum Einsatz.

Schafe sorgen für Vielfalt

Eingespart werden bei der Bewirtschaftung mit Schafen nicht nur Maschinen, die erfahrungsgemäß beim Mähen den Boden verdichten, aber auch die reine Handarbeit des Entlaubens wird von den tierischen Helfern erledigt. »Mit ihren speziellen kleinen Hufen lockern sie zudem den Boden auf«, sagt Robert Bahnmüller. »Auch werden die Eidechsen und anderes Getier nicht getötet. Die Schafe bringen zudem Samen von Wiesen und anderen Weidestellen mit und sorgen für eine größere Vielfalt«, so Bahnmüller.

Ob sich die Schafbewirtschaftung in Metzingen durchsetzt, will Bahnmüller nicht unterschreiben, sind doch die Parzellen der einzelnen Wengerter zu klein und die Schafe müssen ja ganzjährig auch gehalten werden. Einen Einsatz bei der Winter- und Frühjahrsbeweidung, bei der Reuschs Shropshire zum Einsatz kommen, kann sich Bahnmüller dagegen gut vorstellen. (ber)