METZINGEN-NEUHAUSEN. Endlich ist der Knopf dran: Auf dem Nahkauf-Areal mitten in Neuhausen wird wieder ein Supermarkt entstehen, ein Rewe-Vollsortimenter. Darüber: 24 Mietwohnungen, acht davon mietpreisgefördert, also vergleichsweise günstig, was der städtischen Sozialquote entspricht. Der Rewe wird im optimalen Fall kurz vor Weihnachten 2028 öffnen. Auch dann wird sich dort eine Filiale von Becka Beck mit Bäckercafé finden, der derzeit in dem ansonsten im Oktober 2019 geschlossenen Verbrauchermarkt als einziger die Stellung hält.
»Für mich ist es ein toller und sehr besonderer Moment«, macht Metzingens Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh am Freitag bei einem Pressetermin vor Ort klar, »und ein unglaublicher Kraftakt für die gesamte Verwaltung.« Schon in ihrem Wahlprogramm hatte die 2021 ins Amt gekommene Schwarzwälderin die Wiederbelebung des prominent gelegenen Geländes stehen. Dank ihres intensiven Einsatzes gelang es der Stadt, das Areal Ende 2023 von einer Erbengemeinschaft zu erwerben. Dann ging die Investorensuche vertieft los. »Es erfüllt mich mit großer Freude und auch mit Erleichterung, dass sich dieser lange und intensive Weg nun ausgezahlt hat«, betont Haberstroh. Zweite Zentralperson im Geschehen war Filiz Dalkilic vom Fachbereich Liegenschaften, bei der die Fäden zur Neuentwicklung des Areals verwaltungsintern zusammenliefen. Auch bei ihr glühten in Sachen Nahkauf viele Drähte.
»Zu Rewe-Regionalleiterin Nina Ertner hatte ich eine Standleitung «
Jetzt ist der Durchbruch Richtung Zukunft geschafft und eine neue, breite Nahversorgung für Metzingens größten, 5.000 Einwohnerinnen und Einwohner umfassenden Teilort in Sicht. Die Stadt verkauft das Grundstück an einen (Haberstroh) »Projektentwickler aus der Region«. Die Ermächtigung dazu und zum Abschluss eines städtebaulichen Vertrages mit dem Investor haben Gemeinderat Metzingen und Ortschaftsrat Neuhausen der Stadtverwaltung am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig gegeben - eine Einigkeit, für die die Rathauschefin den beiden Gremien ausgesprochen dankbar ist.
Der Projektentwickler, der noch nicht genannt werden darf, wird das Gebäudeensemble, das 1982 entstanden ist, abreißen. Es ist stark sanierungsbedürftig und kontaminiert. Auch der Grundstücksboden enthält Schadstoffe. Einst hat hier der Farbenhersteller Dracholin produziert. Wie aufwendig Boden abgegraben werden muss, ist noch offen, es werden Proben entnommen.
Die Schadstofffrage und der zu gewährleistende Gewässerschutz der hinter dem Grundstück verlaufenden Erms waren Punkte, die die Suche nach Investoren nicht unbedingt erleichtert haben. Die Parkplatzfrage auch nicht: Vor dem Nahkauf liegt nur eine begrenzte Anzahl von Stellplätzen. Mehr davon wird es in einer Tiefgarage geben, die allerdings auch den Bewohnern über dem künftigen Verbrauchermarkt dienen wird. »Die Anfahrbarkeit ist zentral für die Marktbetreiber«, hat die Verwaltungschefin aus den Gesprächen mit den verschiedensten Einzelhandelsketten erfahren.
Bequemer anfahrbar und leichter bebau- und nutzbar wäre das Fleischmann-Areal am Neuhäuser Ortsrand gewesen. Das hat die Stadt Ende 2021 erworben. Doch Haberstroh und Co. entschieden sich bewusst dafür, wieder in der Ortsmitte einen Verbrauchermarkt anzusiedeln. »Corona und der Ukrainekrieg haben den Prozess verzögert«, blickt das Stadtoberhaupt zurück. Auch die zwischenzeitlich hochgeschossenen Baupreise und die Zinsentwicklung haben das langgeplante Vorhaben erschwert. Doch schließlich biss Rewe an. »Zu Regionalleiterin Nina Ertner hatte ich eine Standleitung.« Die Kette wird das Erdgeschoss des Neubaus beim Investor und neuen Eigentümer des Nahkauf-Areal anmieten.
»Es ist für Neuhausen, wie wenn Weihnachten und Ostern zusammenfällt«
Helle Freude über die Entwicklung auch bei Neuhausens Ortsvorsteher Günter Hau. »Es ist für Neuhausen, wie wenn Weihnachten und Ostern zusammenfällt«, bekennt er, »die Leute konnten's nicht erwarten, dass etwas passiert.« Hau blickt auf Gespräche, Rückschläge und die lange Zeit ohne zureichende Nahversorgung zurück. »Mir war es wichtig, bei allen Terminen persönlich dabei zu sein und unsere Interessen von Neuhausen direkt einzubringen.« Vor der Schließung des von einer Kauffrau betriebenen Nahkauf-Marktes, dessen Regale immer mehr ausgeblutet waren, hatte es eine BI und einen Demonstrationszug für eine bessere Nahversorgung in Neuhausen gegeben. Die ist jetzt in greifbare Nähe gerückt.
Als nächste Schritte nach dem Grundstückverkauf werden ein Bebauungsplan für das Nahkauf-Gelände erstellt, der Bauantrag gestellt, die Baugenehmigung erteilt. Im Sommer 2026 könnte der Abbruch des verwinkelten Ex-Supermarkts beginnen. Für das Casino im ersten Stock fand die Liegenschaftsverwaltung eine andere Lokalität. Auch die Wohnungen stehen schon leer. Becka Beck wird während der Abbruch- und Bauzeit ein Interimsquartier auf dem Fleischmann-Areal bekommen. Lauter gute Nachrichten an diesem Freitag, fünf Tage vor Heiligabend. (GEA)


