Logo
Aktuell Inklusion

Preis für durchgängig barrierefreies Grabenstetten

Die Gemeinde auf der Vorderen Alb hatte im landesweiten Wettbewerb als einzige im Kreis Reutlingen Erfolg.

Sozialminister Manne Lucha (Vierter von rechts) übergibt die Plakette an Bürgermeister Patrick Docimo. Mit im Bild sind Gemeinde
Sozialminister Manne Lucha (Vierter von rechts) übergibt die Plakette an Bürgermeister Patrick Docimo. Mit im Bild sind Gemeinderäte, Mitglieder des Landesverbands von Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung sowie Landtagsabgeordnete. FOTO: SANDER
Sozialminister Manne Lucha (Vierter von rechts) übergibt die Plakette an Bürgermeister Patrick Docimo. Mit im Bild sind Gemeinderäte, Mitglieder des Landesverbands von Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung sowie Landtagsabgeordnete. FOTO: SANDER

GRABENSTETTEN/STUTTGART. Die auf der Vorderen Alb liegende Gemeinde Grabenstetten ist als eine von zwölf Gemeinden in Baden-Württemberg und als einzige im Landkreis Reutlingen Preisträger beim Wettbewerb »Alle inklusive?! – Barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg 2025« vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (LVKM) ausgezeichnet worden.

Der Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg und Schirmherr des Wettbewerbs, Manne Lucha, würdigte die ausgezeichneten Gemeinden bei der Preisverleihung in der Sparkassen-Akademie in Stuttgart. »Gerade in den Gemeinden sind Menschen in ihrem Alltag auf Barrierefreiheit und Inklusion angewiesen, um umfassend Teil der Gemeinschaft sein zu können. Vor Ort wird Teilhabe spürbar«, so Lucha.

»Barrierefreiheit umfasst weit mehr als abgesenkte Bordsteine«

Er wies darauf hin, dass sich »mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention die Vertragsstaaten – und damit auch die Bundesrepublik Deutschland – zu einer vollen und gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gemeinschaft verpflichtet haben«.

Einer der Ansätze des Landes sei dabei die finanzielle Unterstützung von innovativen, inklusiven und nachhaltigen Projekten. Der Wettbewerb »Alle inklusive?! – Barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg 2025« sei ein herausragendes Beispiel dafür, so der Minister. Um Inklusion vor Ort mit Leben zu erfüllen, braucht es die Mithilfe aller.

»Barrierefreiheit umfasst weit mehr als abgesenkte Bordsteine, stufenlose Zugänge, Aufzüge und Rampen. Dazu gehören ebenso Orientierungshilfen, Informationen in ›Leichter Sprache‹, Akustikhilfen und vieles mehr«, machte der LVKM-Vorsitzende Thomas Seyfarth bewusst. »Es sind die kleinen und großen Dinge im Alltag, die darüber entscheiden, ob eine uneingeschränkte Teilhabe möglich ist.«

Voraussetzung für die Preisverleihung war, dass die Gemeinden möglichst durchgängig in unterschiedlichen Bereichen von Bildung über Verwaltung, Wohnen und Freizeit bis Handel, Gewerbe und Tourismus Barrieren abbauen und Inklusion leben. »Die Preisträger 2025 sind echte Leuchttürme der Inklusion. Barrierefreiheit vor Ort ist nicht abhängig von der Einwohnerzahl, sondern davon, ob sich Menschen für eine umfassende Teilhabe engagieren. So entstehen praxisnahe Lösungen, die nicht immer teuer sein müssen«, betonte die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Jutta Pagel-Steidl, die aus Grabenstetten kommt.

Ihr Heimatort wurde bereits zum vierten Mal ausgezeichnet. Das Albdorf am Heidengraben überzeuge durch eine durchgängig barrierefreie Infrastruktur und setze Barrierefreiheit in allen Handlungsfeldern konsequent um, so Pagel-Steidl.

»Geht Teilhabe verloren, nehmen Isolation und Diskriminierung zu«

Markus Ewald, früherer Bürgermeister von Bad Urach und ehemaliger Oberbürgermeister von Weingarten, der seit einem Unfall selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist, wies darauf hin, wie wichtig barrierefreie Gestaltung von Gebäuden und öffentlichen Plätzen, Verkehrsmitteln sowie Dienstleistungen ist. »Können Menschen mit Behinderungen aufgrund von Barrieren nicht teilnehmen, fühlen sie sich ausgeschlossen, verlieren ihre Selbstständigkeit und können im schlimmsten Fall grundlegende Rechte nicht wahrnehmen. Geht Teilhabe verloren, nehmen soziale Isolation und Diskriminierung zu.« (mar)